Gastronomie in der Krise

Restaurants und Cafés in Stuttgart nutzen Technik aus OP-Saal, um Coronavirus in der Luft fast auf Null zu reduzieren

  • Valentin Betz
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Die Gastronomie war schwer vom Lockdown aufgrund der Corona-Pandemie betroffen. Die kalte Jahreszeit könnte Probleme bringen, wenn Gäste nicht mehr draußen sitzen können. Spezielle Filter sollen helfen.

  • Corona-Filter sollen Aerosole aus Innenräumen filtern und so Gastronomie-Besuche auch im Winter sicher machen.
  • Es gibt verschiedene Raumfilter-Systeme, die allerdings je nach Raumgröße sehr teuer werden können.
  • Gastronomen fürchten Umsatzeinbußen im Herbst und Winter durch das Coronavirus in Baden-Württemberg.*

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat sehr unterschiedliche Effekte nach sich gezogen. Viele davon haben zwei Seiten. Das Coronavirus hat erstaunliche Auswirkungen auf die Gesundheit der Baden-Württemberger (BW24* berichtete). Denn die Menschen steigen häufiger aufs Fahrrad oder gehen zu Fuß. Zum Leidwesen der öffentlichen Verkehrsmittel und der Automobilindustrie. Auch die Gastronomie konnte eher wenig vom Coronavirus in Baden-Württemberg profitieren, ganz im Gegenteil: Der Lockdown brachte viele Restaurants und Cafés in ernste Existenznöte.

Der Sommer entspannte die Situation etwas, denn durch die Bewirtung im Freien konnten die Schutzmaßnahmen besser eingehalten werden. Außerdem freuten sich die Menschen nach dem Lockdown, wieder soziale Kontakte pflegen zu können. Doch jetzt stehen Herbst und Winter vor der Tür, einen umfangreich getesteten Impfstoff gibt es noch nicht.

Der Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) hat deshalb eine düstere Vorhersage für Restaurants und Cafés in Stuttgart.* Denn bei kälteren Temperaturen wird die Bewirtung wieder eher auf die Innenräume verlagert. Gäste könnten dann aber mehr Angst haben, sich mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg anzustecken - und Restaurants und Cafés wieder fern bleiben. Kombiniert mit den hohen Pachtgebühren in Stuttgart* könnte das viele Gastronomen bedrohen. Eine Lösung sind Corona-Filter, die die Luft von Krankheitserregern wie dem Coronavirus reinigen.

Restaurants und Cafés in Stuttgart: Corona-Filter machen Hoffnung für Herbst und Winter

Wie die Stuttgarter Zeitung (StZ) berichtet, investieren die Gastronomen in Stuttgart deshalb hohe Summen in Raumfilter, die laut wissenschaftlichen Studien die Viruskonzentration in geschlossenen Räumen fast auf Null reduzieren können. Solche Corona-Filter arbeiten mit verschiedenen Systemen. Das Problem: Je nach Modell kann ein solcher Raumfilter ganz schön teuer werden.

Restaurantbesuch trotz Coronavirus: Noch können Gäste draußen sitzen. Im Winter sollen Corona-Filter für ein geringes Ansteckungsrisiko sorgen.

Eine Technologie saugt beispielsweise die Raumluft an und befördert sie durch mehrere Filterstufen, so die StZ. Das Gerät ist mit antimikrobiell beschichteten Platten versehen, die auf der Silberionentechnologie beruhen. Die Filter-Säulen sollen die Luft zu 99,9 Prozent von Viren, Bakterien und Pollen reinigen.

Die Säulen sind so hoch, dass die gereinigte Luft über Kopfhöhe wieder in den Raum geblasen wird. „Damit wird niemand von der ausströmenden Luft belästigt. Die frische Luft verdrängt die von den Personen ausgeatmete Luft in Richtung des Bodens“, so Dejan Riljic, Geschäftsführer der Herstellerfirma zur StZ. Dieselbe Technik wird sogar in Operationssälen benutzt, entsprechend ist auch der Preis. Ein solcher Corona-Filter kostet 17.000 Euro oder kann für 250 Euro im Monat geleast werden.

Eine alternative Technik sind so genannte Plasmafilter. Auch sie können laut einer Studie die Aerosole in geschlossenen Räumen auf nahezu Null reduzieren. Sie zerstören die Hülle des Coronavirus und nehmen ihm „sozusagen das Fahrzeug", so Klaus Weigert, Geschäftsführer der Herstellerfirma zur StZ. Die ebenfalls als Säulen erhältlichen Corona-Filter sind mit 2.900 bis 3.500 Euro deutlich günstiger.

Corona-Filter für die Gastronomie: Restaurant- oder Cafébesitzer tragen das Risiko selbst

Egal ob Corona-Filter auf OP-Niveau oder die günstigere Plasma-Variante: Das finanzielle Risiko für solch eine Investition tragen die Gastronomen am Ende selbst. Zwar gibt es laut StZ ein Förderprogramm des Landes. Je nach Größe des Restaurants werden viele Betreiber aber gerade wegen den letzten Monaten kaum Geld übrig haben, um sich gleich mehrere Corona-Filter zu leisten. Letztlich übernehmen die Hersteller keine Haftung. „Wenn ein Gast direkt angehustet wird mit Coronaviren“, sagt ein Produzent zur StZ, „hilft selbst das beste Gerät nicht.“

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband könne laut StZ entsprechend derzeit „keine allgemeingültigen Aussagen dazu treffen, ob solche Investitionen unter dem Gesichtspunkt des Gesundheitsschutzes effektiv und ob sie wirtschaftlich betrachtet sinnvoll sind“.

Daniel Ohl, der Pressesprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Baden-Württemberg, könne zwar „nachvollziehen, dass Gastronomen aktuell in den Gesundheitsschutz investieren wollen“, so die StZ. Allerdings fügt er hinzu: „Es gibt derzeit keine generelle Empfehlung unseres Verbandes, zur Verminderung des Infektionsrisikos in technische Anlagen zur Luftreinigung zu investieren.“ (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks)

Rubriklistenbild: © Wolfram Kastl/dpa

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