Zweiter Corona-Lockdown

„Das darf nicht sein“: Schließung von Fitnessstudios sorgt für Schock und Entsetzen

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Das Coronavirus in Baden-Württemberg führt erneut zum Lockdown. Viele Branchen trifft das hart. Betreiber von Fitnessstudios reagieren auf die Maßnahme mit Unverständnis.

Stuttgart - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg war zuletzt zu drastisch angestiegen. Die Landesregierung hat deshalb angekündigt, das gesellschaftliche Leben wieder drastisch herunterzufahren. In Baden-Württemberg gelten ab 2. November verschärfte Corona-Maßnahmen.

Für zahlreiche Branchen im Südwesten gleicht diese Nachricht einem Horrorszenario. Der Hotel- und Gaststättenverband fürchtet, dass einem Drittel der Betriebe durch den Lockdown das Aus droht. Auch die Prognosen der IHK Stuttgart sehen düster aus. Der Lockdown könnte laut IHK für 160.000 Unternehmen „verheerende Folgen“ haben.

Eine weitere Branche, die bereits während des ersten Lockdowns massiv unter den Maßnahmen litt, sind die Fitnessstudios in Baden-Württemberg. Jetzt müssen sie wieder schließen. Der SWR hat mit einigen Studio-Betreibern gesprochen. „Frust, Schock und Unverständnis“ sind die vorherrschenden Emotionen.

Fitnessstudios in Baden-Württemberg: Erneuter Corona-Lockdown trifft viele unerwartet

Der Betreiber eines Fitnessstudios in Schorndorf Rems-Murr-Kreis hatte laut SWR nicht mit einem erneuten Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg gerechnet. „Ich bin sehr geknickt, das ist unverständlich und wir können die Entscheidung auch nicht richtig nachvollziehen. Wir hätten nicht gedacht, dass das noch einmal passiert“, erklärte er dem SWR.

Besonders unverständlich ist für den Studio-Besitzer aus Schorndorf, dass Fitnessstudios in Baden-Württemberg wie Spielhallen eingestuft würden. „Wir stehen mit dem Fitnesssport doch auch für Gesundheit, für Prävention und Rehabilitation. Das ist wichtig, da kann man doch nicht alle nach Hause schicken“, sagte er gegenüber dem SWR. „Und dann werden wir in der Rubrik Freizeit genauso wie Spielhallen eingestuft. Das darf doch nicht sein.“

Trotz Hygienekonzept: Auch Fitnessstudios in Baden-Württemberg müssen wegen des erneuten Lockdowns wieder schließen (Symbolbild).

Trotzdem bleibt dem Betreiber aus Schorndorf nichts anderes übrig, als sich an den Lockdown zu halten. Beim Verstoß gegen die Corona-Maßnahmen in Baden-Württemberg drohen harte Strafen.

Lockdown in Baden-Württemberg: Fitnessstudios können Maßnahmen nicht nachvollziehen

Angesichts der Folgen des Coronavirus in Baden-Württemberg für die psychische und physische Gesundheit kann auch ein Fitnessstudio-Betreiber aus Stuttgart-Vaihingen den Lockdown nicht nachvollziehen. Viele seiner Mitglieder verstünden „das Fitnessstudio als zweites Wohnzimmer“, erklärte er dem SWR.

Birgit Schwarze, Präsidentin des Deutschen Arbeitgeberverbands für Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV) spricht gegenüber dem SWR von „Entsetzen in der Branche. Selbst das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt ja, auf Sport und Ernährung zu achten, um der Pandemie die Stirn zu bieten“. Statt dessen werde man jetzt wieder komplett ausgeschlossen: „Wir sind restlos enttäuscht, dass sich das so entwickelt hat“.

Die Branche befürchtet jetzt, dass viele Fitnessstudios den zweiten Lockdown finanziell nicht überleben werden, zumal die Zahl der Kündigungen steigt, während es seit Monaten kaum noch neue Mitglieder gibt, so der SWR: „Viele haben Bedenken, dass sie die Beiträge längere Zeit umsonst zahlen, viele Mitglieder haben auch Angst, sich zu infizieren“, so der Studio-Betreiber aus Schorndorf.

Fitnessstudios in Baden-Württemberg fürchten, dass der Lockdown wieder länger dauern könnte

Ob und wie stark die Fitness-Branche vom zweiten Lockdown nachhaltig geschädigt wird, hängt auch von der Dauer des Lockdowns ab. Der Betreiber aus Schorndorf ist da skeptisch. „Im März war auch erst von vier Wochen Lockdown die Rede, am Ende waren es für unsere Studios in Baden-Württemberg zweieinhalb Monate“, erklärte er dem SWR.

Mit dieser Befürchtung ist er nicht alleine. 36 Städte haben einen Brandbrief an Winfried Kretschmann geschrieben. Auch sie haben Angst vor einem Lockdown bis Frühjahr. Der DSSV glaubt ohnehin, dass es mit der Schließung der Fitnessstudios die Falschen trifft. „Wir sind nicht Treiber der Zahlen“, so Birgit Schwarze zum SWR. „Es ist erwiesen, dass die Fitnessstudios keinen Anlass zur Besorgnis bieten. Wir würden uns freuen, wenn man das mal begreifen würde“.

Die Vorsitzende des DSSV erwartet laut SWR jetzt, „dass es die Politik mit den finanziellen Hilfen auch wirklich ernst meint und sie auch bei den Betrieben ankommen und man nicht nur vor den Mikrofonen alles mögliche verspricht“. Immerhin gehe es im Fitness-Bereich auch um rund 250.000 Arbeitsplätze.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Marijan Murat/dpa

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