„Dem Virus ist egal, wie wir uns fühlen“

Einzelhandel in BW: Steigende Corona-Zahlen vernichten Hoffnung auf Öffnungen

Ein Mann geht in Stuttgart an einem geschlossenen Ladengeschäft in der Einkaufsmeile Königstraße vorbei, wo zahlreiche Geschäfte aufgrund der Maßnahmen gegen das Coronavirus geschlossen sind.
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Eine baldige Öffnung der Läden ist nicht in Sicht.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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In Hinblick auf die Entwicklungen beim Coronavirus in Baden-Württemberg appelliert Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Jetzt nicht schlappmachen.“ Der Handel muss weiter warten.

Stuttgart - Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warnte bereits mehrfach vor übereilten Lockerungen des Lockdowns in Baden-Württemberg. Man dürfe „nicht zu schnell und nicht zu breit auf einmal öffnen“, sagte der Grünen-Politiker am Dienstagabend bei einer Veranstaltung der Heilbronner Stimme. „Das haben wir bei den Österreichern gesehen. Das führt zu Rückschlägen.“ Kretschmann zeigte Verständnis dafür, dass der Lockdown den Menschen „auf den Zeiger“ geht. „Es treten jetzt natürlich Ermüdungserscheinungen ein.“ Allerdings sei dem Virus egal, „wie wir uns fühlen“.

Seit fast einem Jahr prägt das Coronavirus in Baden-Württemberg unser Leben. Die Politik hangelt sich seither von Lockdown zu Lockdown. Da viele Bürger angesichts der strengen Maßnahmen zum Infektionsschutz zunehmend resignieren, appelliert Kretschmann: „Jetzt nicht schlappmachen zum Schluss.“ Immerhin sind kleine Lockerungen für den Handel in Sicht: Während der Lockdown im Land offiziell bis zum 7. März angesetzt ist, dürfen Blumenläden und Friseure schon am 1. März wieder aufmachen. Dabei bleibt es womöglich aber vorerst auch.

Lockerungen im Handel: Winfried Kretschmann will erst ab Inzidenz 35 schrittweise öffnen

Erst kürzlich reagierte Winfried Kretschmann gereizt auf die Frage, wann in Baden-Württemberg Öffnungen zu erwarten seien: „Ich höre natürlich immer nur öffnen, öffnen, öffnen“, erwiderte er. „Ich möchte mal einen erleben, der sagt, jetzt machen Sie mal ein bisschen was schärfer. Das hör‘ ich nie!“, sagte er der Stuttgarter Zeitung. Kritisch betrachtet Kretschmann vor allem die hochansteckenden Corona-Mutationen, die sich vermehrt im Land ausbreiten.

Aktuell gilt die 7-Tage-Inzidenz, also die Anzahl der Neuinfektionen binnen einer Woche pro 100.000 Einwohner, als maßgebliche Größe für Lockerungen. Seit einigen Tagen gibt es nun jedoch keinen weiteren Rückgang mehr bei den Neuinfektionen in Baden-Württemberg. Die Hoffnungen auf Lockerungen schwinden damit. Justizminister Guido Wolf (CDU) stellte bereits den Richtwert der 35-er-Inzidenz infrage und fürchtete einen „Vertrauensverlust“ in der Bevölkerung in die Politik.

Kretschmann zu Lockerungen im Handel: „Inzidenz ist die einzige handfeste Zahl“

Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist jedoch überzeugt: „Die Inzidenz ist die einzige handfeste Zahl, die wir haben.“ So sprach er sich weiterhin dafür aus, den Inzidenzwert als wichtigste Kennzahl für die Corona-Maßnahmen heranzuziehen. Zugleich versicherte er aber, dass man auch andere Faktoren wie die Belegung der Intensivbetten gewichte.

„Sollten wir stabil die 35 erreichen, das heißt, sollten wir diese Inzidenz im Land über mehrere Tage - zwischen drei und fünf Tagen am Stück - unterschreiten, dann werde ich weitere Öffnungsschritte veranlassen“, sagte Kretschmann kürzlich der Stuttgarter Zeitung. Eine Öffnung des Handels ist demnach nur möglich, wenn die 7-Tage-Inzidenz stabil unter 35 liegt. Aktuell ist dieser Wert aber noch nicht erreicht: Baden-Württemberg liegt bei einer durchschnittlichen 7-Tage-Inzidenz von 45,5 (Stand 24. Februar).

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