Mehr Covid-19-Fälle als angenommen

„Bis zu 200.000“: Gesundheitsminister geht von hoher Coronavirus-Dunkelziffer in Baden-Württemberg aus

  • Lisa Schönhaar
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg breitet sich weiterhin aus und die Zahl der Infizierten steigt. Gesundheitsminister Manne Lucha geht von einer noch viel höheren Infektionszahl aus.

Stuttgart - Laut den aktuellen Zahlen des Gesundheitsministeriums haben sich insgesamt 34.006 Menschen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert (Stand 19. Mai). Schätzungsweise 30.030 Personen sind wieder von ihrer Covid-19-Erkrankung genesen. Nach diesen Berechnungen sind mindestens 2.312 Bürger noch mit dem Coronavirus infiziert.

Gesundheitsminister Manne Lucha rechnet allerdings mit einer sehr viel höheren Dunkelziffer von Corona-Infizierten. Man gehe derzeit davon aus, dass es bis zu 200.000 nicht identifizierte Infizierte mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg gebe, sagte Lucha im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. „Jetzt ist entscheidend: Finden deren Viren neue Wirte oder nicht“, so der Gesundheitsminister. Die Reproduktionszahl wird vom Robert Koch-Institut für Baden-Württemberg mit 0,95 angegeben. Das bedeutet, dass eine infizierte Person im Schnitt knapp einen weiteren Menschen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ansteckt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Die Zahl der Infektionen mit Covid-19 könnte sehr viel höher sein als bekannt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kein Herdenschutz gegen Covid-19 in der Bevölkerung

Die Gefahr, die vom Coronavirus in Baden-Württemberg ausgehe, sei noch lange nicht vorüber, sagte Lucha zur Schwäbischen Zeitung. In Baden-Württemberg lebten elf Millionen Menschen, davon hätten vielleicht ein paar Tausend eine kurzfristige Immunität gegen Covid-19. „Aber im Prinzip haben wir Stand heute keine kollektive Abwehrkraft, keinen Herdenschutz, nichts“, so Lucha. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ist mittlerweile auf mehr als 1.600 angestiegen.

Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann warnt immer wieder davor, eine zu schnelle Lockerung aller Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu fordern. Er sagte, das Coronavirus sei ein „übermächtiger Gegner“ und es könne eine zweite Infektionswelle geben, wenn wir zu sorglos handelten. Zum Schutz der Allgemeinheit seien alle Lockerungen nur mit strengen Sicherheitsauflagen möglich. „Durch die gute Vorbereitung, eine gute Taktik in der Sache, hohe Disziplin bei allen Mitspielern liegen wir sozusagen eher in der Mitte der ersten Halbzeit - gegen einen übermächtigen Gegner, der dazu auch noch unsichtbar ist und überraschend gut im Rennen“, sagte Winfried Kretschmann über das Coronavirus.

Zu den beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung von Covid-19 gehören unter anderem ein Mindestabstand von 1,50 Meter zu anderen Personen und die Maskenpflicht, die wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg seit dem 27. April gilt.

Coronavirus in Baden-Württemberg wird erst mit einem Impfstoff besiegt sein

In einer Regierungserklärung Ende April hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann die Bürger angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg auf einen langen Alltag mit Covid-19 vorbereitet. In seiner Ansprache sagte Kretschmann, eine schnelle Rückkehr zur Normalität werde es erst mit einem Impfstoff geben, was noch viele Monate dauern könne. Bis dahin müsse man noch viele Monate weiter Abstand halten und Masken tragen. Eine Diskussion über eine Impfpflicht gegen Covid-19 bezeichnete Gesundheitsminister Manne Lucha laut der Schwäbischen Zeitung als überflüssig: „Wenn es einen Impfstoff gibt, werden viele Menschen froh sein, dass es ihn gibt. Da brauchen wir überhaupt nicht über eine Impfpflicht sprechen. Die Nachfrage wird riesig sein.“

An einem Impfstoff zur Bekämpfung des Coronavirus in Baden-Württemberg arbeitet unter anderem das Biotech-Unternehmen Curevac aus Tübingen, das kürzlich einen Teilerfolg meldete. In präklinischen Studien, also in Tierversuchen, habe der Wirkstoff vielversprechende Ergebnisse geliefert. Das Coronavirus scheint demnach erfolgreich bekämpft zu werden. Doch das bedeutet nicht, dass es auch bald einen marktreifen Impfstoff geben wird. Trotz des Zwischenerfolgs des Biotech-Unternehmens Curevac aus Tübingen wird es vermutlich noch Monate dauern, bis der Impfstoff gegen das Coronavirus auf den Markt kommt.

Die Bundesrepublik unterstützt die Forschung von CureVac mit einer Investition von 300 Millionen Euro. Das gaben Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Dietmar Hobbs, Mitgründer des Softwarekonzerns SAP am 15. Juni bekannt. Das Biotech-Unternehmen soll jedoch unabhängig bleiben.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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