Corona-Tests

„Mogelpackung“: Landesregierung verfolgt bei Corona-Tests eine neue Strategie

Flächendeckende und vom Staat finanzierte Corona-Tests soll es für Baden-Württemberg weiterhin nicht geben. Manne Lucha (Grüne) stellt am Dienstag eine neue Strategie vor.
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Land will keine allumfassenden Tests, sondern verfolgt eine neue Strategie (Symbolbild).
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg stellt noch immer eine große Gefahr dar. Die Hoffnung liegt auf einem Impfstoff. Baden-Württemberg stellt sich gegen flächendeckende Corona-Tests und verfolgt eine andere Strategie.

  • Das Coronavirus in Baden-Württemberg ist eine Gefahr für die Gesundheit - und in manchen Fällen für das Leben.
  • Viele Betroffene bemerken die Infektion mit Covid-19 nicht, die Corona-Tests sind nur an bestimmten Orten möglich.
  • Die Regierung von Baden-Württemberg hält nichts von flächendeckenden Tests und verfolgt stattdessen eine andere Strategie.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg ist zur alltäglichen Bedrohung geworden. Infizierte, die einen leichten Krankheitsverlauf haben, bemerken eine Infektion oft nicht. Sie sind aber trotzdem ansteckend und können den Erreger auf Mitmenschen übertragen.

Corona-Tests sind bislang nur an bestimmten Orten möglich. Am Flughafen in Stuttgart kann sich jeder auf das Coronavirus testen lassen. Der Test kostet 170 Euro und steht Passagieren und allen Interessierten zur Verfügung. Flächendeckende und vom Staat finanzierte Corona-Tests lehnt die Landesregierung von Baden-Württemberg jedoch ab. Eine Änderung bei den Tests ist aber geplant. Innenminister Manne Lucha (Grüne) stellte am Dienstag eine neue Strategie vor.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Tests für jedermann wird es vorerst nicht geben

Die Tests auf den Erreger SARS-CoV-2 könnten dazu beitragen, die Bevölkerung zu beruhigen und ihnen die Angst vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg zumindest teilweise nehmen. Experten sprechen sich jedoch gegen flächendeckende Tests aus. „Die überwältigende Mehrheit aller namhaften Epidemiologen und Gesundheitsexperten hält nichts von einer flächendeckenden Testung ins Blaue hinein“, sagte eine Sprecherin von Sozialminister Manne Lucha (Grüne), der Deutschen-Presse Agentur (dpa). Stattdessen sollen gezielte Tests mit bestimmten Personengruppen und im Umfeld von bestätigten lokalen und regionalen Ausbrüchen durchgeführt werden. Der Sozialminister von Baden-Württemberg stellte die genaue Strategie am Dienstag in einer Kabinettssitzung vor.

Die genaue Strategie im Umgang mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steht seit Dienstagmittag fest. Der Freistaat Bayern beschloss Corona-Tests für die gesamte Bevölkerung und wird dafür kritisiert. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seien Massentests ohne systematisches Vorgehen nicht zielführend, sondern nur eine unnötige Belastung, schreibt die dpa. Die Sprecherin von Manne Lucha bezeichnet die Tests als „Mogelpackungen“ und winzige Momentaufnahmen ohne nachhaltigen Nutzen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CDU) widersprach der Kritik. „Das ist die einzige ernsthafte Option, es wird sonst zu wenig getestet“, sagte Söder in München.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Neue Test-Strategie der Landesregierung

Die neue Test-Strategie der Landesregierung von Baden-Württemberg sieht vor, regelmäßige Tests am Personal in Krankenhäusern und im Pflegebereich durchzuführen. Dies dient dazu, Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg frühzeitig zu erkennen. Statt flächendeckender Corona-Tests sollen demnach gezielte Tests durchgeführt werden. „Hierzu sind zielgerichtete Untersuchungen in bestimmten Bevölkerungsgruppen erforderlich, die über unsere bisherige Teststrategie hinausgehen“, sagte Manne Lucha am Dienstag in Stuttgart. „Wichtig dabei ist, dass wir wirklich gezielt vorgehen und nicht ins Blaue hinein testen. Die Masse an Tests allein macht den Erfolg nicht aus“. Die Test-Strategie sieht folgende Punkte vor:

Testung symptomatischer Personen nach Empfehlung des Robert-Koch Instituts (RKI)
Gezielte Untersuchungen asymptomatischer Personen im Umfeld von bestätigten Covid-19 Fällen.
Das Testen von Personen bei der Aufnahme in stationäre Pflegeeinrichtungen
Systematische Untersuchung von bestimmten Personengruppen
Erweiterte und gezielte Tests unter Berücksichtigung der epidemiologischen Lage

Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg: Impfstoff und Antikörper

Durch die Corona-Tests, ob flächendeckend oder gezielt, erlangt eine Testperson Gewissheit, ob sie sich mit dem Erreger infiziert hat. Ziel der Tests ist es, Infektionsketten nachvollziehen zu können und entsprechend darauf zu reagieren. Eine dauerhafte Lösung stellen solche Tests jedoch nicht dar. Im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ruht die Hoffnung nach wie vor auf einem Impfstoff. Das Biotech-Unternehmen CureVac aus Tübingen arbeitet schon seit Januar an einer Corona-Impfung. Das Unternehmen hat eine erste klinische Studie begonnen. Die Ergebnisse für die Corona-Impfstoff-Tests der Tübinger Firma sollen laut dem Leiter der Studie bereits in zwei Monaten vorliegen.

Aus Angst vor einer zweiten Welle des Coronavirus in Baden-Württemberg startete Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) eine Initiative. Er rief die Bürger seiner Stadt auf, sich auf Antikörper testen zu lassen. Der OB erhofft sich dadurch, repräsentative Zahlen für seine Stadt zu erhalten. Die Tests auf Corona-Antikörper in Tübingen sollen einen fatalen zweiten Corona-Ausbruch verhindern.

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