Mitarbeiter von Schlachbetrieben

Nach Masseninfektionen: An Corona-Hotspot in Baden-Württemberg gelten verschärfte Regeln

  • Lisa Schönhaar
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Auch in Fleischfabriken in Baden-Württemberg häuften sich in den vergangenen Wochen die Infektionen mit dem Coronavirus. Eine neue Corona-Verordnung legt den Betrieben nun strenge Regeln auf.

  • Schlachtbetriebe waren in den vergangenen Wochen besonders stark vom Coronavirus in Baden-Württemberg betroffen.
  • Die Zahl der Covid-19-Fälle in einem Schlachtbetrieb in Birkenfeld im Enzkreis belief sich auf mindestens 400, die Mehrzahl der Betroffenen waren Leiharbeiter aus Osteuropa.
  • Eine neue Corona-Verordnung für Schlachtbetriebe in Baden-Württemberg legt den Fabriken nun strenge Regeln im Umgang mit dem Coronavirus auf.

Stuttgart/Enzkreis - Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt derzeit langsamer an als noch vor einigen Wochen. Dennoch gibt es immer wieder besonders stark von Covid-19 betroffene Hotspots - vor allem, wenn Hygieneauflagen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg nicht eingehalten werden. Besonders stark betroffen war eine Fleischfabrik in Birkenfeld im Enzkreis - Ende Mai wurden hunderte Infektionen der Mitarbeiter gemeldet. Schlachtbetriebe wie auch die des umstrittenen Milliardärs Tönnies, der derzeit Pläne für Baden-Württemberg hat, werden daher nicht nur im Südwesten besonders beobachtet

Um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg unter Kontrolle zu halten, werden bei steigenden Infektionszahlen vermehrt Corona-Tests durchgeführt. Die Fleischfabrik Müller in Birkenfeld im Enzkreis hatte deshalb alle Mitarbeiter in zwei Durchläufen getestet. Die erste Testreihe lieferte Ende Mai 300 positive Ergebnisse, ein zweiter Test bei allen zuvor negativ getesteten Mitarbeitern ergab 82 weitere positiv auf Covid-19 getestete Fälle. Nach Angaben des Landratsamtes des Enzkreises hatten sich insgesamt mehr als 400 der 1.100 Beschäftigten der Fleischfabrik mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg infiziert.

Coronavirus in Baden-Württemberg: In der Fleischfabrik Müller im Enzkreis kam es zu einer Masseninfektion.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Fleischbetrieb in Birkenfeld im Enzkreis bekommt strenge Regeln auferlegt

Um das Risiko für derartige Masseninfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg zu minimieren, ist eine neue Corona-Verordnung des Wirtschafts- und Sozialministeriums der Landesregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann in Kraft getreten. Ab sofort müssen Fleischbetriebe wie Müller in Birkenfeld im Enzkreis ihre Mitarbeiter täglich auf mögliche Symptome einer Corona-Infektion überprüfen. Haben sie - wie die Fleischfabrik Müller - mehr als 100 Beschäftigte, muss die gesamte Belegschaft zwei Mal pro Woche einen Test auf das Coronavirus durchführen.

Die Corona-Verordnung für Fleischbetriebe zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg soll verhindern, dass sich weitere Schlachthöfe zu Corona-Hotspots entwickeln, wie es in letzter Zeit im In- und Ausland immer wieder vorgekommen war. Mit regelmäßigen Corona-Tests in den größeren Betrieben habe man die Grundlage dafür geschaffen, frühzeitig Infektionsherde zu entdecken, Infektionsketten zu unterbrechen und somit Beschäftigte und dadurch auch die Bevölkerung zu schützen, teilten das Wirtschafts- und das Sozialministerium in der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart am heutigen Mittwoch mit. Die Schlachtbetriebe müssen unter anderem ein Hygienekonzept erstellen und beim Gesundheitsamt vorlegen. Außerdem gibt es Vorgaben zur regelmäßigen Reinigung und Wartung von Klima- und Lüftungsanlagen, zu Schutzmasken und Abstandsregeln.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Corona-Verordnung für Fleischbetriebe soll Masseninfektionen verhindern

Fast alle Mitarbeiter des Schlachtbetriebs im Enzkreis, die sich mit dem Coronavirus infiziert hatten, sind Leiharbeiter aus Osteuropa. Die meisten waren rasch wieder von der Lungenkrankheit genesen, viele der an Covid-19 Erkrankten hatten jedoch in einer Quarantäne-Einrichtung untergebracht werden müssen. Man geht davon aus, dass die beengten Wohnverhältnisse der osteuropäischen Leiharbeiter die Ausbreitung des Coronavirus ermöglicht hatten. Damit sich das Coronavirus in Baden-Württemberg nicht weiter ausbreitet, gelten für Infizierte strenge Quarantäne-Regeln zum Infektionsschutz. Mittlerweile wurde die Quarantäne für die Mitarbeiter von Müller Fleisch aufgehoben und der Werksverkauf durfte wieder öffnen.

Auch Schulen sind ein potenzieller Hotspot für Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg. Da sich das Coronavirus seit einiger Zeit auf einem vergleichsweise langsamen Niveau verbreitet, hat die Landesregierung kürzlich das Ende der Schulschließungen in Baden-Württemberg beschlossen. Seitdem kam es bereits mehrfach zu Neuinfektionen an Schulen im Land - in Stuttgart sind mindestens fünf Schulen und zwei Kitas betroffen. Laut Gesundheitsamt Stuttgart geht der Corona-Ausbruch an den Schulen auf das sorglose Verhalten einer Großfamilie zurück - die infizierten Familienmitglieder hatten Krankheitssymptome offenbar nicht ernst genommen und das Coronavirus weiter verbreitet.

Aufgrund zweiter Fälle von Covid-19-Infektionen veranlasste das Gesundheitsamt in einem Lebensmittellager in Heddesheim im Rhein-Neckar-Kreis umfangreiche Massentests, um einer Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg Herr zu werden. Von den Massentests waren gut 300 Beschäftigte des Frischelagers betroffen.

Rubriklistenbild: © Uli Deck/dpa

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