Demonstrant in Lebensgefahr

Nach versuchter Tötung bei der Corona-Demo in Stuttgart: Opfer schwebt in Lebensgefahr

Teilnehmer der Corona-Demonstration auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart
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Corona-Demonstration in Stuttgart: Opfer schwebt nach Angriff in Lebensgefahr (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg sind inzwischen wieder gelockert worden, trotzdem kritisieren Teile der Bevölkerung die Regeln. Nach einem Angriff auf Teilnehmer der Corona-Demo in Stuttgart schwebt ein Opfer in Lebensgefahr.

  • Die Regierung hat die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg inzwischen gelockert. Trotzdem kritisieren Teile der Bevölkerung die noch geltenden Auflagen.
  • Vor allem die seit dem 27. April geltende Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln stößt auf Kritik. Immer mehr Menschen versammeln sich zu Corona-Demonstrationen - auch in Stuttgart.
  • Bei der Corona-Demonstration in Stuttgart von vergangenen Samstag wurden drei Männer angegriffen. Ein Opfer schwebt nun in Lebensgefahr.

Stuttgart - Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg werden schrittweise gelockert. Für manche Teile der Bevölkerung passiert das jedoch nicht schnell - und nicht weitreichend genug. Immer mehr Menschen nehmen an Corona-Demonstrationen gegen die Verordnungen teil - auch in der Landeshauptstadt Stuttgart.

Die Proteste richten sich vor allem gegen Maskenpflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln. Außerdem sehen die Demonstranten Grundrechte wie Versammlungsfreiheit und Glaubensfreiheit verletzt. Bei der Demonstration in Stuttgart am Samstag wurden drei Teilnehmer auf dem Weg zum Gelände angegriffen. Die Opfer erlitten bei der Attacke schwere Verletzungen. Einer der Männer schwebt nun in Lebensgefahr.

Nach Angriff auf Teilnehmer der Corona-Demo: Ein Opfer schwebt in Lebensgefahr

Bei der Demonstration gegen die Verordnungen zum Schutz vor der weiteren Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg in Stuttgart griffen Unbekannte drei Teilnehmer an und verletzten sie zum Teil schwer. Die 38-, 45- und 54-jährigen Männer wurden auf dem Weg zum Gelände des Cannstatter Wasen attackiert und niedergeschlagen. Der 54-Jährige schwebt nach Angaben der Polizei in Lebensgefahr, auch seine beiden Begleiter mussten wegen ihrer Verletzungen in Krankenhäuser gebracht werden.

Die Polizei Stuttgart hat nach eigenen Angaben Gegenstände gefunden, die mit der Tat in Verbindung gebracht werden konnten. Darunter waren zwei Schlagringe und eine Gaspistole. Der Angriff auf die drei Männer nach der Corona-Demo in Stuttgart sei nach Polizeiangaben eine gezielte Handlung gewesen.

Angriff auf Teilnehmer der Corona-Demo in Stuttgart hat vermutlich politischen Hintergrund

Nach dem Angriff ermittelt die Polizei Stuttgart nun wegen versuchter Tötung. Ein politischer Hintergrund wird bei der Tat weiterhin nicht ausgeschlossen. Die Polizei hatte bereits im Vorfeld die noch unbekannten Angreifer im linksextremen Spektrum vermutet. Der Verfassungsschutz warnt, dass die Krise wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg Nährboden für Extremisten sei. Eine 40 bis 50 Personen großen Gruppe des linken Spektrums bewarf nach Polizeiangabe am Samstag am Rande des Veranstaltungsgeländes in Stuttgart Teilnehmer der Demonstration mit Gegenständen.

Auch kommenden Samstag, am 23. Mai 2020 war in Stuttgart eine Demonstration gegen die Coronavirus-Maßnahmen in Baden-Württemberg angekündigt worden. Die Landeshauptstadt Stuttgart erwartete erneut Tausende Teilnehmer. Doch dann zogen die Veranstalter die Anmeldung zurück. Es habe sich lediglich um eine formale Anmeldung gehandelt, um vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die Beschränkungen der Versammlungsfreiheit klagen zu können, sagte der Gründer der „Initiative Querdenken 711“ Michael Ballweg der dpa.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Weitere Demonstrationen gegen die Auflagen angekündigt

Der Unternehmer Michael Ballweg hatte nach der Protestaktion am vergangenen Samstag bereits angekündigt, keine eigenen Demonstrationen mehr organisieren zu wollen. Gegner der Maßnahmen sollten ihren Widerstand künftig individuell organisieren, forderte Michael Ballweg. Nun wird am kommenden Samstag (15.30 Uhr) nur noch eine kleine Demonstration mit etwa 500 Teilnehmern in Stuttgart stattfinden.

Trotz der Demonstrationen gegen die Verordnungen kann es in Baden-Württemberg unter Umständen wieder zu verschärften Maßnahmen kommen. Die Landesregierung legte ein Konzept zur Bekämpfung des Virus auf Landkreisebene vor. Laut dem Konzept können die Regeln ab 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen wieder verschärft werden - bis hin zu einer erneuten Ausgangssperre.

Auch für das kommende Wochenende sind Demonstrationen in Stuttgart angemeldet. Die Wut in Stuttgart ist am Siedepunkt. Die Corona-Proteste an Pfingsten könnten die bisherigen Demos übertreffen. Ursprünglich meldete der Veranstalter für Sonntag eine Teilnehmerzahl von 10.000 Menschen an. Die Stadt beschränkte die maximal zulässigen Teilnehmer aber auf 5.000.

Am Donnerstag, den 2. Juni kam es zu Razzien in mehreren Städten in Baden-Württemberg. Die Polizei und die SEK sind nach der versuchten Tötung eines Daimler-Betriebsrats einem radikalen Netzwerk auf der Spur. Sie durchsuchten Wohnungen von neun Tatverdächtigen. Ein 21-Jähriger wurde festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt.

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