Coronavirus in Baden-Württemberg

Lockdown bis zum Frühjahr? 36 Städte schreiben Brandbrief an Kretschmann - Sie hegen bösen Verdacht

Winfried Kretschmann nimmt seine gelbe Mundschutzmaske mit Landeswappen ab, um am Landtag in Stuttgart eine Regierungserklärung zum Coronavirus in Baden-Württemberg abzugeben.
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36 Oberbürgermeister schrieben Winfried Kretschmann einen Brandbrief wegen des Lockdowns.
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Der Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg stößt auf viel Kritik. In einem Brandbrief wenden sich 35 Bürgermeister rund um Boris Palmer an Winfried Kretschmann.

Stuttgart - Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg wurden die Einschnitte im Alltag der Bevölkerung im Laufe der vergangenen Wochen immer wieder verschärft. Trotz aller Beschränkungen und Verbote zum Infektionsschutz konnte die erneute Ausbreitung von Covid-19 nicht gestoppt werden.

Bund und Länder einigten sich daher am Mittwoch auf einen deutschlandweiten Teil-Lockdown ab 2. November, der mit drastischen Maßnahmen verbunden ist. Dieser stößt jedoch nicht nur auf Zustimmung, sondern auch auf viel Kritik. So regt sich beispielsweise in 36 Rathäusern des Südwestens Widerstand gegen die Beschlüsse aus Berlin und Stuttgart. Vorne mit dabei: Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, der in der Vergangenheit schon öfter mit umstrittenen Aussagen zu Covid-19 provoziert hat.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Kritik an Lockdown - Brandbrief an Kretschmann

Weil wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg höchste Warnstufe herrscht, gelten ab dem Lockdown am Montag verschärfte Regeln: Beispielsweise dürfen Bars, Kneipen und Restaurants nicht mehr öffnen. Hotels ist es zudem verboten touristische Übernachtungen anzubieten. Experten befürchten bereits, dass durch die harten Maßnahmen einem Drittel der Betriebe das Aus droht.

Besonders schlimm: Viele Raustaurantbesitzer haben erst tausende Euro in Luftreiniger und Hygienekonzepte zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg investiert - scheinbar umsonst. Und sie sind nicht die einzigen die von den Beschränkungen hart getroffen werden: auch ein Großteil der Kultureinrichtungen und Anbieter von Sport-Möglichkeiten bangen um ihre Existenz. Für die Oberbürgermeister rund um Boris Palmer zu viel des Guten beziehungsweise Schlechten.

In einem Brandbrief an Winfried Kretschmann versuchen sie nun gegen die neuen Beschlüsse zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg vorzugehen und bitten den Ministerpräsidenten um Lockerungen der geplanten Einschränkungen. „Wir wissen, dass die Lage ernst ist und wir der weiteren Ausbreitung des Coronavirus entschieden entgegentreten müssen. [...] Wir können aber nur erfolgreich sein, wenn wir auch die Bürgerinnen und Bürger vom Sinn der Maßnahmen überzeugen können“, heißt es in dem Schreiben.

Boris Palmer und 35 weitere Bürgermeister: Brief an Winfried Kretschmann wegen dem Corona-Lockdown

Unterschrieben wurde der Brief zum Lockdown wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg unter anderem von den Oberbürgermeistern aus Schwäbisch Gmünd, Böblingen, Reutlingen, Schorndorf und Balingen. In ihm heißt es weiter: „Wir fragen uns, nach welchen Kriterien die Bereiche ausgewählt wurden, die nun komplett geschlossen werden sollen“.

Theater, Oper, Kino, Gastronomie, Hotellerie und Cafes hätten gute Hygienekonzepte etabliert und seien als Treiber des Infektionsgeschehens von eher geringer Bedeutung. „Es ist für uns nicht ersichtlich, dass durch den kompletten Lockdown dieser Bereiche das Tempo der Pandemie ausreichend gebremst werden könnte“, so die Oberbürgermeister in ihrem Brief zum Coronavirus in Baden-Württemberg.

„Es scheint, als liege der Auswahl der Schließungsbereiche die Annahme zugrunde, dass diese am ehesten entbehrlich seien. Dieser Auffassung treten wir entgegen. Kunst, Kultur und Gastronomie machen das Leben in unseren Städten wesentlich aus. Sie einfach abzuschalten, gefährdet auf Dauer Bürgersinn, Zusammenhalt und Lebensgeist der Stadtgesellschaften. Wir sehen die Gefahr, dass die Maßnahmen damit das gefährden, was wir zuallererst brauchen, um die Pandemie durchzustehen“.

Auszug aus dem Brandbrief an Winfried Kretschmann, unterschrieben von 36 Oberbürgermeistern.

Brandbrief an Kretschmann: Böser Verdacht zur Befristung des Lockdowns - bis zum Frühjahr?

Im Zusammenhang mit der geplanten einmonatigen Befristung des Lockdowns wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg hegen Boris Palmer und seine Kollegen aus den anderen 35 Rathäusern zudem einen schlimmen Verdacht. Denn: Sie könnten nicht darauf vertrauen, dass die Schließungen auch wirklich nur bis zum Ende des Monats befristet sind. „Im Gegenteil. Es ist zu befürchten, dass die Pandemie durch diese sektoralen Eingriffe so wenig gebremst wird, dass sie bis zum Frühjahr verlängert werden müssen“.

Das wiederum hätte gravierende Strukturbrüche zur Folge. Allein mit Geld könne man Unternehmergeist, Kreativität und Leistungswillen nicht erhalten. „Dauerhafte Abwertung und Untätigkeit wird viele zum Aufgeben treiben. Was dadurch zerstört wird, ist auf lange Zeit nicht mehr wiederherzustellen“, so die Oberbürgermeister rund um Boris Palmer zu den Auswirkungen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg.

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