Die Welt nach Covid-19

Der Stuttgarter Technologiekonzern Bosch macht eine düstere weltweite Corona-Vorhersage für das Jahr 2020

  • Lisa Schönhaar
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Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg stellt sich auch Bosch auf ein schwieriges laufendes Jahr ein. Doch der Konzern hat eine Strategie, um mit der Covid-19-Pandemie umzugehen.

  • Die Auswirkungen des Coronavirus in Baden-Württemberg treffen auch den Technologiekonzern Bosch.
  • Das Unternehmen rechnet für das Jahr 2020 wegen Covid-19 mit einer weltweit tiefen Rezession.
  • Dennoch kämpft Bosch mit einigen Strategien gegen die Coronavirus-Pandemie und produziert Schutzmasken und Covid-19-Schnelltests.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg legt nicht nur das öffentliche Leben in vielen Teilen lahm, sondern macht auch der Wirtschaft zu schaffen. Der Technologiekonzern Bosch aus Stuttgart sagt der Welt drastische Folgen der Covid-19-Pandemie vorher. So rechnet Bosch aufgrund des Coronavirus mit einer sehr viel stärkeren Wirtschaftskrise als während der Rezession im Jahr 2009.

Das war die letzte große Finanzkrise, deren Auswirkungen noch Jahre später spürbar waren. Wegen des Coronavirus droht es nun, noch sehr viel schlimmer zu kommen, wie der Konzern aus Baden-Württemberg warnt. Volkmar Denner, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, sagte nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch in Stuttgart, Bosch rechne für 2020 mit einem Minus von mindestens 20 Prozent in der Automobilbranche weltweit.

Zusätzlich zum Coronavirus in Baden-Württemberg belastet den Konzern auch der Wandel in der Automobilbranche. Um überhaupt nur ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen, bedürfe es größter Anstrengungen. Für Daimler gab es indes bereits eine Schockvorhersage - das Coronavirus trifft den Konzern mit voller Wucht: Der Gewinn der Daimler AG vor Zinsen und Steuern ist im ersten Quartal 2020 um fast 78 Prozent eingebrochen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Bosch stellt sich auf erhebliche Unsicherheiten ein

CEO Volkmar Denner wollte jedoch keine konkrete Prognose für Bosch geben. Aufgrund der anhaltenden Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg sind Konzerne mit erheblichen Unsicherheiten konfrontiert. Von Vorteil sei für Bosch jedoch die breite Aufstellung mit unterschiedlichen Unternehmensbereichen, sagte Denner. Kostenreduzierungen und die Liquiditätssicherung spielten dabei eine wichtige Rolle für den Technologiekonzern aus Stuttgart. An vielen europäischen Standorten des Unternehmens gebe es momentan Arbeitszeitverkürzungen. Auch Investitionen würden strenger geprüft.

Der Technologiekonzern Bosch rechnet wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg mit Gewinneinbußen.

Anders sieht es bei der Porsche AG aus Stuttgart-Zuffenhausen aus. Der Absatz des Sportwagen-Herstellers hatte im Gegensatz zu anderen Märkten in Europa trotz des Coronavirus im ersten Quartal deutlich zugelegt. Dennoch wendet sich Porsche nun mit einer drastischen Forderung an die Politik: Der Fahrzeughersteller aus Stuttgart hat sogenannte Corona-Bonds für besonders betroffene Staaten in Europa gefordert. Corona-Bonds würden die Aufnahme europäischer Gemeinschaftsschulden bedeuten.

Hilflos ist Bosch angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg allerdings nicht. Die Maskenpflicht, die von der Landesregierung eingeführt wurde und seit dem 27. April gilt, stellt für Bosch kein Problem dar. Das Unternehmen aus Stuttgart habe kurzfristig die Fertigung von Mund- und Nasenmasken aufgenommen, sagte Denner. „Schon jetzt stellen 13 Bosch-Werke in neun Ländern von Bari in Italien über Bursa in der Türkei bis hin zu Anderson in den USA in Eigeninitiative solche Masken für ihren lokalen Bedarf her". Zudem hat der Konzern einen Covid-19-Schnelltest entwickelt, der bereits auf dem Markt ist.

Bosch stellt zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg selbst Schutzmasken in Stuttgart her

Um der Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg entgegenzuwirken, baut Bosch derzeit zwei vollautomatische Fertigungslinien für Schutzmasken in Stuttgart-Feuerbach. Im Odenwald sowie in Mexiko und Indien sind weitere geplant. „Insgesamt werden wir damit täglich mehr als eine halbe Million Stück fertigen können", sagte Denner. Zunächst sollen die Schutzmasken den Bosch-Mitarbeitern zum Schutz vor Covid-19 zur Verfügung gestellt werden, anschließend sollen sie aber auch darüber hinaus verfügbar sein. Durch die Eigenproduktion müsse Bosch in jedem Fall keine Masken am Markt zukaufen, sagte Denner. Desinfektionsmittel zur Eindämmung des Coronavirus stellt Bosch mittlerweile auch selbst her.

Auch der eigens von Bosch entwickelte Covid-19-Schnelltest soll den Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg unterstützen. Nach nur zweieinhalb Stunden zeigt der Test ein Ergebnis an. Die Großlabore wolle man damit nicht ersetzen, wohl aber ergänzen, sagte Denner. Im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart und in ersten Bosch-Werken käme der Test bereits zum Einsatz. Auch Firmen, die an einem Impfstoff arbeiten, werden mit dem Covid-19-Test von Bosch unterstützt. „Die Nachfrage ist groß, wir werden unsere Fertigungskapazität gegenüber dem Plan bis Ende des Jahres verfünffachen“, sagte Denner. Rund eine Million Tests will der Konzern dieses Jahr produzieren, im kommenden Jahr sollen es schon drei Millionen Coronavirus-Tests sein. Das könnte auch der Landesregierung zu Gute kommen: Baden-Württemberg plant als einziges deutsches Bundesland Coronavirus-Massentests.

Wegen Coronavirus in Baden-Württemberg rechnet Bosch mit Umsatzminus

Die Strategien für den Umgang mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg ändern jedoch nichts daran, dass der Ausblick für 2020 bei Bosch eher düster ist. Die weltweite Transformation der Automobilbranche machte sich bei dem Konzern bereits im vergangenen Jahr bemerkbar. Im Jahr 2019 erzielte Bosch einen Umsatz von 77,7 Milliarden Euro - knapp weniger als im Vorjahr. Mit 3,3 Milliarden Euro fiel der operative Gewinn jedoch deutlich geringer aus als die 5,5 Milliarden, die Bosch im Jahr 2018 erzielen konnte.

Nicht nur Bosch strauchelt angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg. Auch der Outdoor-Anbieter Vaude kämpft mit Einbußen - will die Covid-19-Pandemie jedoch aus eigener Kraft überstehen. Dabei geht Vaude mit der Coronavirus-Krise völlig anders um als die Weltkonzerne Adidas und H&M.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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