Nach Bund-Länder-Konferenz

15-Kilometer-Ausgangssperre im Lockdown: Kretschmann entscheidet sich überraschend dagegen

Nahaufnahme von Winfried Kretschmann, er faltet die Hände vor dem Gesicht und schaut in die Ferne.
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Doch erst einmal keine Einschränkung des Bewegungsradius: Ministerpräsident Winfried Kretschmann entschied überraschend nach der Konferenz anders.
  • Carolin Freytag
    vonCarolin Freytag
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Wegen des Coronavirus einigten sich Bund und Länder auf harte Ausgangssperren für Städte und Kreise mit einer Inzidenz über 200. Baden-Württemberg will das vorerst nicht umsetzen, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann überraschen später am Abend.

Update vom 6. Januar, 7.59 Uhr: Es steht fest: Der Lockdown in Deutschland und auch in Baden-Württemberg wird bis zum 31. Januar verlängert. Darauf einigten sich Bund und Länder in der Konferenz am Dienstag, die bis in den späten Nachmittag hinein andauerte. Auch beschlossen wurde, in deutschen Hotspots - also Städten und Landkreisen, deren Inzidenz die 200 überschreitet - den Bewegungsradius der Bürger auf 15 Kilometer ab der eigenen Wohnung einzuschränken. Am Abend verkündete Ministerpräsident Winfried Kretschmann dann doch noch überraschend: Das gilt erst einmal nicht für Baden-Württemberg.

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, wolle man das in Baden-Württemberg erst später entscheiden. „Aktuell planen wir das nicht“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann noch am Dienstagabend nach Beratungen von Bund und Ländern über weitere Corona-Maßnahmen. „Wir müssen erstmal zu belastbaren Werten kommen nächste Woche, um dann zu entscheiden.“

In Baden-Württemberg wären nach Zahlen vom Dienstagabend der Enzkreis und der Stadtkreis Pforzheim betroffen gewesen. Auch der Landkreis Calw steht kurz vor der 200-Inzidenz.

Erstmeldung vom 5. Januar, 17.19 Uhr: Stuttgart - Ganz Deutschland befindet sich weiterhin im Lockdown. Die Lage ist noch immer ernst. Das zeigt auch ein Blick in den Südwesten: 1.508 Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg wurden am Dienstag gemeldet. Die 7-Tage-Inzidenz im Landesdurchschnitt ist im Vergleich zum Vortag zumindest leicht gesunken und liegt aktuell bei 124,6.

Deshalb soll nun auch in Baden-Württemberg zu drastischeren Maßnahmen gegriffen werden, wie am Dienstag bekannt wurde. Bund und Länder haben sich laut der Deutschen Presseagentur darauf verständigt, dass in Landkreisen mit hohen Corona-Infektionszahlen der Bewegungsradius der Menschen auf 15 Kilometer um den Wohnort eingeschränkt werden soll.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Einschränkungen ab einer Inzidenz von über 200

Das gelte für Landkreise mit einer 7-Tages-Inzidenz von über 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Ausnahmen solle es nur aus „triftigen Gründen“ geben. Tagestouristische Ausflüge, wie beispielsweise ein Ausflug am Wochenende in den Schwarzwald, gehören da jedoch nicht dazu. Laut des Entwurfs für ein Beschlusspapier, über das die Agentur berichtet, weisen über 70 Landkreise in Deutschland derzeit eine Inzidenz von über 200 auf.

In Baden-Württemberg wären das nach Zahlen des Landesgesundheitsamts vom Dienstag (16 Uhr) der Enzkreis und der Stadtkreis Pforzheim, allerdings liegen beide nur noch knapp über der Marke 200. Der Landkreis Tuttlingen lag knapp darunter. Dagegen bewegte sich die Zahl im Landkreis Calw auf die 200-Grenze zu.

Die Ausgangsbeschränkungen seien nötig, um das „diffuse Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen“, Grünen-Landtagsfraktionschef Andreas Schwarz. „Das ist auch verhältnismäßig, da somit das Virus in den stark belasteten Gebieten deutlich eingedämmt werden kann und Sport, Wandern und Radfahren ja im Umkreis von 15 Kilometern möglich ist.“

Winfried Kretschmann plant wegen Coronavirus in Baden-Württemberg härtere Kontaktbeschränkungen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann plant zudem eine weitere Maßnahme: Er trat bei den Bund-Länder-Beratungen am Dienstag für noch schärfere Kontaktbeschränkungen bis Ende Januar ein. Private Zusammenkünfte sollen wie schon im Frühjahr auf einen Haushalt plus eine nicht im Haushalt lebende Person beschränkt werden. „Das würde von uns befürwortet“, hieß es in Regierungskreisen in Stuttgart, wie die Deutsche Presseagentur berichtet.

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