„Würde mich impfen lassen“

Kretschmann erklärt Impfstau mit deutscher Natur: „Wir sind ein Volk, das dazu neigt“

Winfried Kretschmann sitzt im Landtag vor blauem Hintergrund an einem Mikrofon und gibt eine Pressekonferenz.
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Ministerpräsident Winfried Kretschmann würde sich mit dem Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Nachdem das Impfen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg mit dem Vakzin von Astrazeneca gestoppt wurde, verteidigt Ministerpräsident Winfried Kretschmann den Impfstoff.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg hat seit langem das Leben der Menschen im Land im Griff. Nachdem in einigen Ländern in Europa nicht mehr mit dem Impfstoff von Astrazeneca geimpft wird, schließt sich auch Deutschland der Entscheidung an. Doch der Astrazeneca-Stopp in Baden-Württemberg hat Auswirkungen auf die Impfstrategie: Viele Termine entfallen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) war am Dienstagabend in der ZDF-Sendung von Markus Lanz zu Gast. Dort äußerte sich der Regierungschef, der erst am Sonntag erneut bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg siegte, zum Impfstoff Astrazeneca: „Ich würde mich damit impfen lassen, weil ich glaube, wenn ich Covid bekomme, sind die Nebenwirkungen weit gravierender als die, die ich bei der Impfung überhaupt bekommen kann.“

Die Impfungen mit Astrazeneca gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sind derzeit ausgesetzt, weil es ungeklärte Fragen zu möglichen Nebenwirkungen gibt. Einige wenige Menschen in europäischen Ländern, die damit geimpft wurden, erlitten Blutgerinnsel im Hirn und starben - ob das jedoch mit dem Vakzin zusammenhängt, ist noch unklar. Laut Bundesgesundheitsministerium wurden insgesamt acht Fälle mit Thrombosen in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet. Laut der Deutschen Presseagentur ist die Zahl der Fälle demnach statistisch signifikant höher als in der Bevölkerung ohne Impfung.

Coronavirus in Baden-Württemnerg: Winfried Kretschmann fordert Lockerung der Impfreihenfolge

Winfried Kretschmann wünscht sich, dass die nun erneut verlangsamte Impfkampagne gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg demnächst umso schneller vorangetrieben wird. Mit fast 2.000 neuen Infektionen in Baden-Württemberg (Stand: 17. März) wird das offenbar für nötig gehalten. In der ZDF-Sendung sagte der Grünen-Chef, wenn mehr Impfstoff da sei und die Fragen bei Astrazeneca beantwortet wurden, müsse man auch in Arztpraxen impfen und dort die Impfpriorisierung lockern: „Wir bleiben bei bestimmten Prinzipien, aber wir sollten sie etwas lockerer, flexibler und mutiger anwenden.“

Winfried Kretschmann ist sich jedoch sicher, dass sich die Deutschen schwer damit tun, die Impfreihenfolge zu ändern. In Baden-Württemberg wurden zuletzt Lehrer und Erzieher beim Impfen bevorzugt. „Wir Deutschen sind halt ein Volk, das ein bisschen zu Fundamentalismus neigt. Das ist einfach so“, sagt Kretschmann.

Das sei der lange Schatten von Immanuel Kant, dem Philosophen der Aufklärung im 18. Jahrhundert. „Der hat gesagt: Der Mensch ist ein Wesen, das nach Grundsätzen handeln kann.“ Das würden die Deutschen sehr ernst nehmen.

Dagegen stünden die Angelsachsen, die etwa bei den Impfungen deutlich weiter sind als die Deutschen, unter dem Einfluss der „Utilitaristen“, die Regeln nach ihrem Nutzen beurteilen. „Die machen das natürlich pragmatischer. Das haben die sozusagen in ihren historischen Genen. So unterscheiden sich die Nationen halt etwas. Beides hat Vor- und Nachteile“, so der Grünen-Regierungschef bei Markus Lanz.

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