Verstöße gegen Hygienevorschriften

„Sehr, sehr beunruhigend“: Zur Coronavirus-Demo in Stuttgart wollen 500.000 Menschen kommen

  • Lisa Schönhaar
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Während sich das Coronavirus in Baden-Württemberg weiter verbreitet, gibt es immer mehr Demonstrationen gegen die Corona-Verordnungen. Winfried Kretschmann äußerte sich beunruhigt.

  • Zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg gelten im Land Corona-Verordnungen zum Infektionsschutz.
  • Zu einer geplanten Corona-Demo auf dem Cannstatter Waser in Stuttgart sind 500.000 Teilnehmer angemeldet.
  • Ministerpräsident Winfried Kretschmann äußerte sich beunruhigt über die Coronavirus-Demonstrationen und verweist auf viele Verstöße gegen die Hygienevorschriften.

Stuttgart - Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg nimmt weiterhin zu. Da sich Covid-19 allerdings langsamer verbreitet als noch vor einigen Wochen, hat die Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann für viele Bereiche des Alltags Lockerungen beschlossen. Doch einigen Bürgern in Baden-Württemberg genügt das nicht: Sie beteiligen sich an Corona-Demonstrationen, die auch als Hygiene-Demos bekannt sind.

Um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, gelten die aktuellen Corona-Verordnungen des Landes. Bereits vergangenes Wochenende haben mehrere tausend Menschen auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart gegen die Vorschriften zum Infektionsschutz demonstriert. Für kommenden Samstag ist nun erneut eine Corona-Demo gegen die Verordnungen zum Schutz vor Covid-19 in Stuttgart angemeldet worden. Das berichtet der SWR in Bezugnahme auf die Stuttgarter Stadtverwaltung. Demnach hat der Veranstalter eine Demonstration mit 500.000 Teilnehmern angemeldet.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Corona-Demo in Stuttgart gegen Hygienevorschriften beunruhigt Kretschmann

Ministerpräsident Winfried Kretschmann äußerte sich alarmiert zu den Corona-Demonstrationen in Stuttgart. Ein Bericht des Innenministeriums hatte gezeigt, dass sich viele Demonstranten auf dem Cannstatter Wasern nicht an die Hygienevorschriften gehalten haben. Zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg gelten laut aktueller Corona-Verordnung des Landes Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. Zudem wurde am 27. April eine Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg eingeführt.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Tausende Menschen nehmen an der Corona-Demo in Stuttgart teil und protestieren gegen die Corona-Verordnung.

Angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg und der Infektionsgefahr bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen sagte Winfried Kretschmann, er sei hochgradig beunruhigt über diese Corona-Demonstrationen. Man werde auf Grundlage eines schriftlichen Berichts des Innenministeriums noch einmal diskutieren, wie man mit den Hygiene-Demos umgehe und prüfen, welche Konsequenzen man daraus ziehe. „Das wird auch für die Gerichte wichtig sein in ihrer Beurteilung“, sagte Kretschmann bei einer Pressekonferenz in Stuttgart. Es könne nicht sein, dass man im ganzen Land harte Vorschriften wie Abstandsregeln durchsetze und bei einer solchen Corona-Demo ein Infektions-Hotspot entstehe.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Corona-Demo in Stuttgart zieht auch Verschwörungstheoretiker und Antisemiten an

Mit Blick auf die kursierenden Verschwörungstheorien rief Winfried Kretschmann die Bürger dazu auf, sich in der Debatte um das Coronavirus in Baden-Württemberg nicht von „selbst ernannten Experten“ oder ewigen Besserwissern beirren zu lassen. Häufig gebe es in der Wissenschaft keine völlige Übereinstimmung. Er halte sich als Entscheider „an den Mainstream der Wissenschaft und nicht an irgendwelche Dissidenten“, denn das wäre wenig verantwortlich.

Nach den Lockerungen der Maßnahmen gegen Covid-19 äußerte sich Winfried Kretschmann weiter skeptisch und appellierte an die Eigenverantwortung der Bürger. Der Ministerpräsident widersprach offen Angela Merkels Einschätzung der Lage und betonte erneut, das Infektionsgeschehen bleibe fragil. Die Corona-Demos in Stuttgart ziehen neben Gegnern der Corona-Verordnung und Verschwörungstheoretikern auch Vertreter antisemitischer Mythen an.

Baden-Württembergs Antisemitismusbeauftragter Michael Blume hat indes eine Einladung zur Teilnahme an dem für Samstag geplanten Protest abgelehnt. In einem Schreiben an den Initiator der Corona-Demonstration, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, verweist Blume auf die Infektionsgefahr angesichts des Coronavirus in Baden-Württemberg. Zudem kritisiert Blume NS-Vergleiche und schlichte Falschaussagen in Zusammenhang mit der Corona-Demo.

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„Das Infektionsgeschehen bleibt immer fragil und wir sind weiterhin mitten in der Pandemie. Es kommt jetzt mehr denn je auf die #Eigenverantwortung der Menschen an. Wenn jetzt alle alles was geht bis zum letzten auskosten wollen, überall an die Grenzen des Ermöglichten gehen, dann kann es gut sein, dass die Infektionszahlen in sechs oder sieben Wochen wieder hochschnellen und wir Lockerungen zurücknehmen müssen. Ob wir den Pfad der #Lockerung weiterverfolgen können, liegt wirklich bei jedem und jeder einzelnen von uns“, sagt Ministerpräsident Winfried #Kretschmann im Interview mit der Heilbronner Stimme. Das ganze #Interview finden Sie auf Baden-Württemberg.de #2getherbw #winfriedkretschmann #badenwürttemberg #badenwuerttemberg #coronabw #pandemie #coronavirusde

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Angesichts der langsameren Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es seit dem 11. Mai weitere Lockerungen der Maßnahmen zum Infektionsschutz. Damit diese auch weiterhin aufrecht erhalten werden können, müssen Hygienemaßnahmen wie Händewaschen und Mundschutz „in Fleisch und Blut übergehen, so wie das Anschnallen“, sagte Kretschmann in Stuttgart.

Ende Juli demonstrierten Schausteller, Taxifahrer und Mitarbeiter der Event-Branche in Stuttgart gegen die Corona-Verordnungen. Die Demonstration legte für längere Zeit den Verkehr in der Innenstadt lahm. Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg sicherte den Branchen eine Unterstützung in Millionenhöhe zu.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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