Land hinkt hinterher

Impf-Debakel in Baden-Württemberg: Höchste Risikogruppe noch immer nicht voll geimpft

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Das Coronavirus in Baden-Württemberg kann nur durch Impfungen gestoppt werden. Doch damit geht es nicht voran. Selbst die höchste Risikogruppe ist noch nicht durchgeimpft.

Stuttgart - Über die beste Strategie zur Bekämpfung des Coronavirus in Baden-Württemberg wurde schon viel diskutiert. Seit wirksame Impfstoffe gegen das Coronavirus auf dem Markt sind, wird die Hoffnung vor allem darauf gesetzt. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann spekulierte bereits über ein Pandemie-Ende im Sommer.

Doch diese Prognose von Winfried Kretschmann ist sehr optimistisch. Denn Baden-Württemberg kommt mit den Impfungen nur langsam voran. Der Impfstopp mit dem Stoff von Astrazeneca ist daran nur teilweise schuld. Winfried Kretschmann erklärte den Impfstau auch mit der deutschen Natur. Allerdings: Im Südwesten ist noch nicht einmal die Gruppe mit oberster Priorität vollständig geimpft.

Corona-Impfung in Baden-Württemberg: Gruppe mit höchster Priorität noch nicht vollständig geimpft

Laut Robert-Koch-Institut (RKI) haben in Baden-Württemberg aktuell erst 59,1 Prozent der Über-80-Jährigen die erste Impfdosis gegen das Coronavirus erhalten. Im Vergleich mit anderen Bundesländern schneidet Baden-Württemberg damit schlecht ab, nur in Mecklenburg-Vorpommern wurden mit 49,8 Prozent bisher prozentual weniger Menschen aus der Gruppe mit höchster Priorität geimpft.

Corona-Impfungen in Baden-Württemberg: Die Gruppe der Über-80-Jährigen ist nach wie vor nicht vollständig durchgeimpft.

Allerdings: Bei der Zweitimpfung liegt Baden-Württemberg mit 39 Prozent im Vergleich mit den anderen Bundesländern, in denen bereits verlässliche Daten vorliegen, vorne. Und nur nach der zweiten Dosis ist laut Sozialministerium Baden-Württemberg eine vollständige Immunität gewährleistet. Zudem ist der Anteil der Über-80-Jährigen in Baden-Württemberg am höchsten, weshalb der Südwesten in absoluten Zahlen in dieser Altersgruppe bislang die meisten Menschen geimpft hat.

An diesem Freitag, 26. März, startet in Baden-Württemberg zudem die Vergabe von Impfterminen wieder. Wie SWR3 berichtet, sollen laut Sozialminister Manne Lucha bis Ende März diejenigen aus der Gruppe mit höchster Priorität geimpft werden, die bereits auf der Warteliste stehen. Die Corona-Impfung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte eine hitzige Debatte ausgelöst. In den sozialen Medien wurde ihm ein „Politiker-Bonus“ vorgeworfen.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Ein Großteil der Corona-Impfdosen im Südwesten geimpft

In Baden-Württemberg ist zudem bereits seit Mitte Februar das pädagogische Personal in Schulen und Kindertagesstätten impfberechtigt, so SWR3. Das könnte zusätzlich zu einer Verzögerung bei den Impfungen der Über-80-Jährigen beigetragen haben.

Anhand der verbrauchten Impfdosen lässt sich insgesamt für Baden-Württemberg aber ablesen, dass die Impfung der Gesamtbevölkerung nicht ganz schlecht läuft. Laut Impfdashboard hat Baden-Württemberg 2,08 Millionen Impfdosen erhalten. Davon wurden 1,55 Millionen bereits verimpft, das entspricht etwa 75 Prozent der vorhandenen Dosen.

Wie SWR3 berichtet, impft Baden-Württemberg auch über Ostern weiter, sofern in den Zentren dafür genügend Impfstoff vorliegt. In der Woche nach Ostern sollen nach einem Bund-Länder-Beschluss von vergangener Woche auch die Hausärzte flächendeckend in die Corona-Impfkampagne einsteigen, allerdings zunächst nur mit knapp einer Million Dosen in der Woche, rund 20 Dosen für jede Praxis.

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare