Ende der kostenlosen Coronatests

FDP-Landeschef: „Wer sich gegen Corona-Impfung entscheidet, muss für Tests zahlen“

Der FDP-Chef von Baden-Württemberg, Hans-Ulrich Rülke.
+
Laut dem FDP-Landesvorsitzenden Hans-Ulrich Rülke, sollte das kostenlose Testangebot verlängert werden, wenn eine dritte Impfung nötig ist.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Der Bundesgesundheitsminister will kostenlosen Coronatests ein Ende setzen. Ab Mitte Oktober sollen Ungeimpfte zahlen müssen. Baden-Württembergs FDP-Chef Hans-Ulrich Rülke unterstützt das - jedoch mit einer Ausnahme.

Stuttgart - Aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg gelten noch immer viele gesellschaftliche Einschränkungen. Um Kulturveranstaltungen besuchen zu können, muss ein sogenannter „3G-Nachweis“ (genesen, geimpft, getestet) vorliegen. Das bedeutet konkret, dass man entweder vollständig geimpft, von einer Corona-Erkrankung genesen oder negativ getestet sein muss. Dafür wurden in den deutschen Städten und Gemeinden in den vergangenen Monaten zahlreiche Corona-Testzentren eingerichtet, die Testung war für alle Bürger bislang kostenlos. Laut einem Bericht des Bundesgesundheitsministeriums soll Mitte Oktober jedoch das Ende der kostenlosen Coronatests eintreten, wie die Deutsche Presseagentur berichtet.

Hintergrund des Vorschlages ist, dass laut dem Ministerium inzwischen jeder impfwillige Bürger eine Möglichkeit für eine Corona-Impfung erhalten habe. Demnach soll es zum 11. oder 18. Oktober nur noch ein kostenloses Testangebot für Personengruppen geben, die sich aktuell noch nicht impfen lassen können oder für die keine einheitliche Impfempfehlung vorliegt. Dazu zählen beispielsweise Schwangere und Personen unter 18 Jahren. Bereits seit März übernimmt der Bund die Kosten für mindestens einen Test pro Woche. In der Landeshauptstadt Stuttgart und in anderen Städten in Baden-Württemberg werden Testzentren aktuell bereits abgebaut, denn die Nachfrage sinkt.

Coronatests: „Wer sich gegen Impfung entscheidet, muss zahlen“, sagt der FDP-Landeschef

Laut den Angaben des Landesgesundheitsamtes wurden bislang 60 Prozent der Bürger in Baden-Württemberg erstmals gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft. Der Anteil an vollständig geimpften Personen im Südwesten liegt aktuell bei 54 Prozent. Ausschlaggebend für die Abschaffung der kostenlosen Coronatests soll nach Baden-Württembergs FDP-Chef jedoch nicht die Anzahl an geimpften Bürgern sein: „Die Tests sollten so lange kostenlos bleiben, solange nicht jeder Bürger ein Angebot für eine vollständige Impfung erhalten hat“, sagt der FDP-Landtagsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke gegenüber BW24, macht jedoch auch deutlich: „Wer sich jetzt bewusst gegen eine Impfung entscheidet, muss in Zukunft für einen Coronatest zahlen.“

Aktuell ist eine vollständige Impfung dann erreicht, wenn man zweimal gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg geimpft wurde. Die einzige Ausnahme gilt für das Vakzin von Johnson & Johnson, bei dem eine Impfung für einen vollständigen Schutz ausreicht. Aufgrund der hochansteckenden Delta-Variante ist jedoch auch die Notwendigkeit für eine dritte Impfung im Gespräch. „Sollte eine dritte Impfung notwendig sein, muss das kostenlose Testangebot verlängert werden, bis jeder Impfwillige auch ein Angebot für die dritte Impfung erhalten hat“, schränkt Rülke ein.

Kostenlose Coronatests: „Diese Brücke brauchen wir nicht mehr“, sagt SPD-Landeschef Stoch

Ein negativer Coronatest war bereits vor dem Beginn der flächendeckenden Impfangebote eine Möglichkeit, bestimmte kulturelle Angebote wahrnehmen zu können. Eine vollständige Impfung gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg entbindet nicht nur in den meisten Fällen von der Testpflicht, sondern soll in Zukunft auch deutlich mehr Freiheiten bieten. Aktuell ist es jedoch noch immer an vielen Stellen möglich, sich kostenlos testen zu lassen. „Das war aus meiner Sicht korrekt, solange es keine Impfung gab“, sagt SPD Landesvorsitzender Andreas Stoch gegenüber BW24. „Der Test war die Brücke. Aber jetzt braucht es diese Brücke nicht mehr.“

In Baden-Württemberg und ganz Deutschland stellt sich aktuell jedoch eine deutliche Impfmüdigkeit ein. Viele Menschen sind bereits vollständig geimpft, aber einige stehen der Impfung noch immer kritisch gegenüber. Demnach könnte es weiterhin Bürger geben, die lieber mehrmals die Woche einen Coronatest machen, statt sich impfen zu lassen. „Wir müssen uns fragen, ob die Solidarität nicht irgendwann zu Ende ist und Testen von jedem selbst bezahlt werden muss“, so Andreas Stoch.

Debatte um Coronatests: Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Ende des kostenlosen Angebots?

Seit Juli steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland wieder an und auch die Delta-Variante bereitet Sorgen. Laut einem kürzlich geleakten Report ist das Virus-Mutagen so ansteckend wie Windpocken. Trotz Impffortschritts sind zudem viele Menschen noch immer ungeimpft. „Die Debatte kommt zur völlig falschen Zeit“, sagte der Gesundheitsexperte der Grünen im Bundestag, Janosch Dahmen laut der dpa. Die Coronatests ab Herbst kostenpflichtig zu machen sei „nicht nur unfair, sondern vor allem schlecht, weil es uns in einen neuerlichen Blindflug in der Pandemie bringt“.

Kommt die Forderung des Bundesgesundheitsministeriums, die Coronatests ab Mitte Oktober nur noch kostenpflichtig anzubieten, womöglich übereilt? Doch wann wäre der richtige Zeitpunkt für das Ende des Angebots? „Einen genauen Zeitpunkt kann ich nicht nennen“, sagt Hans-Ulrich Rülke im Gespräch mit BW24. „Aber jeder, der geimpft werden will, sollte zuerst auch die Gelegenheit dazu haben.“ Laut der dpa haben die kostenlosen Coronatests den Staat in diesem Jahr bereits rund 3,7 Millionen Euro gekostet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare