Corona in Unternehmen

Unternehmen lehnen Corona-Testzwang ab: „Sorgt nicht für mehr Schutz“

Ein Mann testet einen Mitarbeiter.
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Unternehmen im Südwesten wollen keinen Corona-Testzwang.
  • Berkan Cakir
    vonBerkan Cakir
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Die Wirtschaft im Südwesten wendet sich gegen ein mögliches Gesetz zur Testpflicht in Unternehmen. Das sorge nur für mehr Bürokratie und höhere Kosten, sagt ein Verband.

Stuttgart - In jeder neuen Bund-Länder-Runde zur Corona-Pandemie geht es auch regelmäßig um Corona-Schnelltests für Mitarbeiter in Unternehmen. Bisher gibt es dafür nur eine freiwillige Regelung - mit wenig Resonanz: Nur jedes vierte Unternehmen berichtet, dass Mitarbeiter jede Woche einen Corona-Schnelltest im Betrieb machen können. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) hervor.

Um das Coronavirus in Baden-Württemberg und anderen Bundesländern eindämmen zu können, ist daher auch immer öfter von einer Corona-Testpflicht für Unternehmen die Rede. Zuletzt hatte das die Bundeskanzlerin selbst ins Spiel gebracht. Angela Merkel zeigte sich in der ARD-Sendung „Anne Will“ mit der Testpraxis in den Unternehmen unzufrieden. Man müsse das Testen in den Betrieben „wahrscheinlich“ verpflichtend machen, sagte sie.

Coronatest: „Unternehmen testen schon aus Eigeninteresse“

Die Wirtschaft im Südwesten, die von den Folgen der Corona-Krise stark betroffen ist, lehnt dagegen einen gesetzlichen Zwang zum Testen der Mitarbeiter auf Covid-19 ab. „Unsere Unternehmen testen schon aus Eigeninteresse ihre Belegschaften“, sagten Peer-Michael Dick und Wolfgang Wolf, die beiden Hauptgeschäftsführer der Unternehmer Baden-Württemberg (UBW) in Stuttgart. Die niedrigen Infektionszahlen in den Unternehmen würden zeigen, dass das bis dato sehr gut gelungen sei.

Peer-Michael Dick sagte: „Ein vom Gesetzgeber verordneter Zwang für die Unternehmen, ihren Mitarbeitern das Testen anzubieten, würde nicht für mehr Schutz sorgen, sondern einzig mehr Bürokratie und höhere Kosten erzeugen.“ Die Betriebe wären somit gezwungen, für alle Beschäftigten Tests vorzuhalten. Es sei indes nicht klar, wie viele Arbeitnehmer sich regelmäßig freiwilligen Tests unterziehen würden, ergänzte Wolfgang Wolf.

Coronatest: Für eine Mehrheit der Mitarbeiter noch nicht einmal angekündigt

Wer sich testen lassen will, kann das mittlerweile in den Schnelltestzentren, bei Apotheken und selbst bei Drogeriemärkten wie dm tun. Laut Wirtschafsverbänden wollen Unternehmen nun nachziehen. Mttlerweile bieten inzwischen 80 bis 90 Prozent der Firmen ihren Mitarbeitern, die nicht im Home-Office tätig sind, bereits jetzt oder demnächst Corona-Schnelltests an.

Ein ganz anderes Bild zeichnete eine nicht-repräsentative Online-Umfrage. Die Hans-Böckler-Stiftung erhob auf Grundlage von rund 3000 Datensätzen, dass noch Mitte März gerade einmal 23 Prozent der Beschäftigten in Präsenz mindestens einmal in der Woche die Möglichkeit für einen Corona-Schnelltest erhalten. Für eine Mehrheit der Befragten, rund 55 Prozent, waren betriebliche Schnelltests nicht einmal angekündigt worden.

Unter den Mitarbeitern selbst herrscht durchaus Angst vor einer Ansteckung, deren Gefahr durch verpflichtende Schnelltests zumindest gesenkt werden könnte. Dass es zu Corona-Ausbrüchen kommen kann, zeigte der Vorfall bei Kärcher. Vor rund zwei Monaten gab es beim Hersteller von Reinigungsgeräten in Obersontheim einen größeren Corona-Ausbruch. Dort war bei mehreren Mitarbeitern die englische Virus-Variante nachgewiesen worden. Insgesamt 200 Personen mussten deshalb in Quarantäne.

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