Corona-Skeptiker

„Positiv ist nicht krank“: Bürger finden Corona-Schreiben mit haarsträubendem Inhalt im Briefkasten

Eine Frau hält ihre Post in den Händen. (Symbolbild)
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Zahlreiche Bürger haben in ihren Briefkästen einen Flyer zum Thema Mund-Nasen-Schutz gefunden. Das Flugblatt warnt vor dem Tragen von Corona-Masken.
  • Zülal Acar
    vonZülal Acar
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Im Kreis Esslingen haben Anwohner ein ungewöhnliches Schreiben in ihren Briefkästen gefunden. Es thematisiert die Maskenpflicht und stammt von einem Arzt.

Esslingen - Nichts erhitzt seit Beginn der Corona-Pandemie die Kritiker-Gemüter so sehr wie der Mund-Nasen-Schutz. Die Warnungen sind unverfroren: Masken seien unwirksam und sogar schädlich. Ähnliches wird auch in Flugblättern behauptet, die jetzt in mehreren Gemeinden im Kreis Esslingen aufgetaucht sind. Einige Anwohner fanden die mysteriösen Flyer zu Corona-Masken in ihren Briefkästen.

Darin wird vor den gesundheitlichen Folgen vom Tragen der Masken gewarnt: Sie würden u.a. zu Sauerstoffmangel führen, das Immunsystem schwächen oder psychosoziale Schäden verursachen. Immer mehr Corona-Leugner glauben, dass Masken schädlich seien und reden das Coronavirus sogar klein. (BW24* berichtete)

„Lachen ist Leben“: Flugblätter verbreiten Falsch-Informationen über Corona-Masken

Wie die Stuttgarter Nachrichten berichten, hatten Bürger in Gemeinden wie beispielsweise Hohengehren, Ostfildern und Wernau die Flyer bekommen. Auf dem Zettel sei ein Foto einer Frau abgebildet, die sich lächelnd die Maske vom Gesicht zieht.

Die Bildunterschrift lautet: „Lachen ist Leben!“. Auf der Rückseite des Flugblattes seien Quellenangaben vermerkt, die zu Internetseiten führt, die wegen Verbreitung von Verschwörungstheorien in der Kritik stehen.*

Auch führen die Quellen zu einem YouTube-Video der verstorbenen Management-Trainerin Vera F. Birkenbihl mit dem Titel „Wie Lachen uns gesünder macht“. Das Video habe laut Stuttgarter Nachrichten allerdings nichts mit der gegenwärtigen Corona-Krise zu tun.

„Querdenker“-HNO-Arzt appellierte an Telegramm-Gruppe

Ein weiterer Name, der auf dem Flugblatt auftaucht, ist der eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes aus Sinsheim: Bodo Schiffmann* engagiert sich als bekannter Corona-Skeptiker in der „Querdenker“-Bewegung. *

Nach Angaben eines Berichts der Rhein-Neckar-Zeitung soll Schiffmann in einer Telegramm-Gruppe dazu aufgerufen haben, die Flyer zu verteilen. Die Flyer könne jeder herunterladen, ausdrucken und verbreiten. „Positiv ist nicht krank“ steht unter anderem darauf.

Auch in anderen Städten Deutschlands bekamen Anwohner „Post“ von Maskengegnern, so auch diese Twitter-Nutzerin:

Chefarzt entkräftet Aussagen von Maskengegnern

Christian von Schnakenburg, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche am Klinikum Esslingen hält die Aussagen auf dem Flugblatt für unwissenschaftlich und inkorrekt. Chirurgen und medizinisches Personal im OP würden „seit etwa 100 Jahren“ Mund-Nasen-Schutz tragen, sagt er gegenüber der Stuttgarter Nachrichten.

„Trotz anstrengender und anspruchsvoller Tätigkeit“ würde es dabei nicht zu Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Schwindel, Kreislaufkollaps oder Ähnlichem kommen, wie es der Flyer behauptet.

Das Flugblatt verweist u.a. auch auf die vermeintlichen Gefahren durch Schimmelpilze und Bakterien in den Masken. Von Schnakenburg entkräftet diese Behauptung: „Schimmelpilz (und Bakterien) können in Masken nachgewiesen werden, wenn diese über lange Zeit getragen und nicht gewechselt oder nicht gewaschen werden.“ 

Zudem heißt es im Flugblatt, Masken schützten nicht vor Viren. Der Chefarzt hält auch das für eine falsche Aussage. „Der relative Schutz (40 bis 80 Prozent weniger Infektionen) ist mittlerweile in zahlreichen Studien eindeutig belegt“*, berichtet er.

Das zuständige Polizeipräsidium Reutlingen verweist auf die Hotline des Landkreises unter Telefon 0711/39 02 - 41 96 6, dort erhalten Bürger Antworten auf Fragen rund um Corona. *BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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