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Niedrige Impfquote rund um Stuttgart besorgt Experten - „Bildung und sozialer Status spielen eine Rolle“

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Von: Julian Baumann

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Ein Mann erhält in einer Halle der Messe Stuttgart eine Impfung gegen das Corona-Virus.
Auch bei dem Impfmarathon in der Stuttgarter Messe waren die Mediziner von der Impfbereitschaft enttäuscht. © Christoph Schmidt/dpa

In der Region Stuttgart scheint der Impffortschritt zu stagnieren. Experten machen dafür mehrere Gründe verantwortlich, unter anderem „Bildung“ und den „sozialen Status“.

Stuttgart - Die Lage aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg ist erneut sehr angespannt. Vor allem die Omikron-Variante bereitet Sorgen, am gestrigen Donnerstag wurde eine hohe Zahl an Infektionen mit der Mutation gemeldet. Um die vierte Welle zu brechen und eine drohende fünfte aufzuhalten, hofft das Land auf eine steigende Impfquote. Seit dem Beginn der Corona-Impfungen in Stuttgart und Baden-Württemberg haben sich zwar fast 8 Millionen Menschen mindestens einmal gegen das Coronavirus impfen lassen, aktuell scheinen jedoch vor allem die Erst- und Zweitimpfungen zu stagnieren.

In der Landeshauptstadt Stuttgart wurden aufgrund der wieder rasant steigenden Zahlen neue Impfzentren errichtet. Zudem sind Erst-, Zweit- und auch Auffrischimpfungen nach wie vor bei den Hausärzten möglich. Vor dem Impfzentrum des Klinikums Stuttgart in der Königstraße erzählten Stuttgarter unserer Autorin, warum sie sich nun doch impfen lassen wollen. Laut der Stuttgarter Zeitung ist die Impfquote in der Region dennoch unterdurchschnittlich. Experten machten dafür verschiedene Gründe aus, die von der Verfügbarkeit des Wunschimpfstoffs bis zur Bildung reichen.

Region Stuttgart: Impffortschritt stagniert - sogar in Holzmaden

Vor wenigen Wochen standen noch hunderte Menschen für eine Impfung am Impfzentrum in Stuttgart in der Schlange. Ob diese sich zum ersten oder zweiten Mal impfen lassen wollten, oder einen Termin für eine Auffrischimpfung hatten, ist natürlich nicht zu sagen. Dennoch schien die Impfwilligkeit in der Landeshauptstadt groß zu sein. Das bewies auch die Gemeinde Holzmaden (Kreis Esslingen), die den Impfrekord jagte. Das kleine Dorf hat viermal so viel Impfungen zu verzeichnen wie Einwohner in der Gemeinde leben. Doch selbst dort scheint der Impffortschritt zu stagnieren. In der Gemeinde wurden in den vergangenen vier Wochen weit mehr als 10. 000 Impfwillige mit Erst-, Zweit- und Boosterimpfungen versorgt. „Doch jetzt machen wir Schluss“, erzählt der Holzmadener Bürgermeister Florian Schepp der Stuttgarter Zeitung.

Auch bei dem Impfmarathon am vergangenen Wochenende in der Landesmesse in Stuttgart waren die Mediziner von der Impfwilligkeit enttäuscht. Lediglich 8.000 Menschen wurden an diesen Tagen an der Messe geimpft, zuvor war mit einem deutlich größeren Ansturm gerechnet worden. Auch die Hausärzte hätten in der vergangenen Woche deutlich weniger Personen geimpft als zuvor, sagte Kai Sonntag, der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, gegenüber der Stuttgarter Zeitung. „Innerhalb einer Woche haben unsere niedergelassenen Ärzte und Ärztinnen 685.000 Menschen geimpft. Darunter waren 48.000 Erstimpfungen.“

Impfbereitschaft in der Region Stuttgart: Stagnation hat laut Experten verschiedene Gründe

Erfreulich im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg ist jedoch, dass die Auffrisch- oder auch Boosterimpfungen im Land schnell voranschreiten. Es hapert demnach aktuell vor allem bei den Erst- und Zweitimpfungen. „Ich glaube, dass diejenigen, die unbedingt geimpft werden wollten, jetzt geimpft sind“, vermutet der Bürgermeister von Holzmaden. Kai Sonntag führt dagegen einen weiteren möglichen Grund für die Stagnation der Impfbereitschaft in der Region Stuttgart an. Gerade in Ballungsräumen wie der Region um die Landeshauptstadt würden viele Menschen leben, die schwer zu erreichen seien. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte der Stuttgarter Zeitung: „Generell lässt sich sagen, dass der Bildungsgrad und der soziale Status eine gewisse Rolle spielen.“

Ein weiterer Grund könnte aktuell jedoch die viel diskutierte Impfstoffknappheit sein. Das bestreitet der Sprecher des Sozialministeriums zwar, ein Apotheker, der seit Wochen auch im Impfzentrum in Böblingen impft, sieht das jedoch anders. „Die meisten wollen Biontech. Das ist aber nicht in der gewünschten Menge vorhanden – und das spielt bei der Impfentscheidung schon eine Rolle“, sagte er. Ein Problem ist im Zusammenhang mit den Erst- und Zweitimpfungen wohl auch, dass sich viele Menschen, die ihre ersten Impfungen mit Biontech erhalten hatten, auch mit Biontech boostern lassen wollen. Um die Impfquote wieder anzukurbeln, soll auch der Impfstoff von Novavax nach Baden-Württemberg kommen.

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