Pandemiewelle überrollt Baden-Württemberg

Kretschmann überrascht mit Corona-Geständnis: „Damit haben wir nicht gerechnet“

  • Lisa Schönhaar
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Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt weiter. Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigt sich überrascht von der Wucht der zweiten Welle.

Stuttgart - Das Coronavirus in Baden-Württemberg schränkt das Leben in nahezu allen Bereichen ein und hat einen massiven Einfluss auf den Alltag der Bürger im Land. Um die Gefahr einer Verbreitung von Covid-19 zu minimieren, traten zu Beginn der Corona-Pandemie zahlreiche Verbote und Maßnahmen zum Infektionsschutz vor dem Coronavirus in Kraft.

Nach der Hochphase der Corona-Pandemie im Frühjahr verbreitete sich das Coronavirus in Baden-Württemberg mit steigenden Temperaturen auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau weiter. Als Reaktion auf die sinkenden Infektionszahlen setzte die Landesregierung von Ministerpräsident Winfried Kretschmann zahlreiche Lockerungen der Einschränkungen durch, die mehr Normalität im Alltag und in der Freizeit der Bürger ermöglichen sollten.

Aktuell steigt die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg wieder rapide an - mittlerweile liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg bei 119,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche. Durch einen erneuten Lockdown mit radikalen Maßnahmen, der am vergangenen Montag in Kraft trat und bis Ende des Monats gilt, hofft man, die stetig steigenden Infektionszahlen senken zu können.

Coronavirus in Baden-Württemberg verbreitet sich rasant - Winfried Kretschmann überrascht von Wucht der zweiten Welle

Ministerpräsident Winfried Kretschmann zufolge sind die politischen Entscheidungsträger von der Wucht der zweiten Corona-Welle überrollt worden. „Damit haben wir nicht gerechnet, das muss man schon ehrlicherweise sagen“, sagte der Grünen-Politiker nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Dienstag in der Landeshauptstadt Stuttgart. Es habe aber auch keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich das Coronavirus in Baden-Württemberg wieder mit einer so hohen Geschwindigkeit verbreiten würde.

Es gebe immer Leute, die warnten, sagte Kretschmann laut dpa. Man hätte „extremer vorsorgen“ können, aber damit verwirke man die Akzeptanz für die Corona-Maßnahmen in der Bevölkerung. Man sei schon relativ schnell gewesen in der Reaktion auf die Entwicklung der Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg. Das Virus und die Aggressivität diktiere letztendlich das Geschehen.

Trotz der rasant steigenden Infektionszahlen gibt es nicht nur Zustimmung für die neuen Maßnahmen, die am 2. November wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg in Kraft getreten sind und die Ministerpräsident Winfried Kretschmann vehement verteidigt. Die verschärften Corona-Regeln, die bei Verstößen teils hohe Geldstrafen nach sich ziehen, werden von vielen Seiten stark kritisiert. Die am vergangenen Mittwoch beschlossenen Maßnahmen schränken das öffentliche Leben bis voraussichtlich Ende November massiv ein - 36 Städte schrieben wegen des Lockdowns einen Brandbrief an den Ministerpräsidenten.

Corona in Baden-Württemberg: Reduzierung der Kontakte hat laut Winfried Kretschmann oberste Priorität

Gesundheitsminister Manfred Lucha zufolge belastet die hohe Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg auch die Gesundheitsämter. Die Ämter im Land haben nach Einschätzung des Grünen-Politikers zwar noch nicht völlig die Kontrolle beim Nachvollziehen von Corona-Infektionen verloren. „Aber wir haben keine komplette Kontrolle mehr“, sagte Lucha am Dienstag. Im Südwesten könne bei etwa 60 Prozent der Infektionen der Ursprung nicht mehr festgestellt werden. Das Robert Koch-Institut geht bundesweit sogar von 75 Prozent aus.

Man sei davon ausgegangen, dass ein Infizierter rund zehn nachzuverfolgende Kontakte hat, sagte Manfred Lucha mit Blick auf eine Studie des Robert Koch-Instituts. Jetzt liege man über 20. Deshalb seien die Gesundheitsämter nicht mehr hinterhergekommen. Man lerne aber permanent, so der Gesundheitsminister laut dpa. „Am 1. Dezember müssen wir jede Infektionslage kennen, einschätzen und nachvollziehen können.“ Die Kontrolle über das Infektionsgeschehen ist ein wesentlicher Bestandteil im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte, die Reduzierung der Kontakte um 75 Prozent habe nun oberste Priorität.

Am 1. Dezember soll der Teil-Lockdown voraussichtlich enden. Um die Verbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg einzudämmen, gilt bis zum 30. November unter anderem eine Kontaktbeschränkung. Auch das Freizeitangebot für die Bürger ist wegen Corona in Baden-Württemberg bis Ende des Monats massiv eingeschränkt: Gastronomiebetriebe wie Restaurants mussten schließen, touristische Reisen sind verboten, Veranstaltungen bis Ende November untersagt. Neben Theater, Opern und Kinos sind auch Freizeitparks geschlossen. Bei vielen sorgte vor allem aber die Schließung von Fitnessstudios für Schock und Entsetzen.

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa

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