Kritik an EU-Emissionsvorschriften

Konzern-Chef warnt: E-Auto-Boom könnte Autos für Normalverdiener unbezahlbar machen

Ein Elektroauto von BMW (BMWi3) lädt an einer Ladestation.
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Könnten Elektroautos in Zukunft auch für die Mittelschicht zu teuer werden?
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Stellantis-Chef Carlos Tavares steht den immer strengeren EU-Abgasvorschriften kritisch gegenüber. Er prophezeit: Die Mittelschicht kann sich Autos womöglich in Zukunft nicht mehr leisten.

Amsterdam/Stuttgart - Autobauer wie die Daimler AG haben durch die Entscheidung der EU, den Verbrenner auf lange Sicht zu verbieten, keine Wahl: Sie müssen in Zukunft eine große Stückzahl an E-Autos verkaufen. Bis 2030 sollen bei Daimler die Hälfte aller verkauften Autos elektrisch oder hybrid sein - ähnlich sieht es bei anderen Herstellern aus. Auch für Käufer könnten die immer strengeren Emissionsvorschriften Konsequenzen haben. Carlos Tavares, Chef der Automobilholding Stellantis, zu der unter anderem Opel gehört, warnt, dass Autos für Verbraucher in Zukunft teurer werden.

Der Hintergrund für die Kritik: Derzeit wird in Brüssel die neue Abgasnorm Euro 7 vorbereitet. Sie wird wohl frühestens 2025 in Kraft treten und soll Autohersteller verpflichten, die Schadstoffe ihrer neuen Modelle weiter zu reduzieren. Noch regelt in der Europäischen Union die Abgasnorm Euro 6, wie viel Schadstoff ein Fahrzeug verursachen darf. Über die möglichen Auswirkungen der neuen Abgasnorm 7 wird heftig diskutiert.

Kritik an neuer Abgasnorm: Mittelschicht kann sich womöglich das E-Auto bald nicht mehr leisten

„Wie schützen wir die Freiheit der Mobilität für die Mittelschicht, die es sich vielleicht nicht leisten kann, 35.000 Euro teure batterieelektrische Fahrzeuge zu kaufen, wenn sie heute für das gleiche konventionelle Produkt nur die Hälfte bezahlen?“, fragt Stellantis-Chef Carlos Tavares gegenüber der Financial Times. Elektroautos sind bei gleicher Größe in der Regel teurer als Verbrennerfahrzeuge.

Mit seiner Kritik steht Tavares nicht alleine da. Ein VW-Manager, der anonym bleiben möchte, merkte gegenüber Business Insider an, dass die Leistungen milder Hybridfahrzeuge nicht ausreichen würden, die Bedingungen der Euro 7 zu erfüllen. Stattdessen müssten deutlich stärkere Elektromotoren eingebaut werden. Preiswerte Mittelklassefahrzeuge für die breite Masse könnten so vom Markt verschwinden. Denn nach wie vor verfolgt die EU das Ziel, den Verbrenner so gut wie möglich zu verbannen. Die Möglichkeiten, sich beim Kauf für einen Verbrenner zu entscheiden, könnten künftig immer weniger werden.

„Abgasnorm darf kein Verbrenner-Verbot durch die Hintertür sein“

„Die Einführung von EU7 darf kein Verbrenner-Verbot durch die Hintertür sein“, sagte auch ein Daimler-Sprecher auf Anfrage von Business Insider. „Luftreinhaltung ist integraler Bestandteil unserer Ambition 2039. Aber die derzeit diskutierten Szenarien sind technisch aus unserer Sicht nicht darstellbar.“

Zwar wird in Deutschland der Umstieg aufs E-Auto derzeit mit einem Bonus vom Bund gefördert. Daher können E-Autos sogar günstiger als Verbrenner sein. Gleichzeitig warnen Autohändler, dass durch die Elektro-Kaufprämie das „System kollabiert“, da der Restwertpreis eines E-Autos bei Gebrauchtwagen oft nur knapp unter und teilweise sogar über dem faktischen Neupreis liegt.

EU-Abgasnorm: Großbritannien geht noch weiter

Wenngleich viele der neuen Abgasvorschriften der EU von Kritikern als streng empfunden werden, gibt es auch Länder, denen die Vorschriften noch nicht weit genug gehen. So deutete die britische Verkehrsministerin Rachel Maclean gegenüber der Financial Times an, dass Großbritannien sogar ein noch strengeres Emissionssystem als die EU einführen werde. „Wir werden unser eigenes Emissionsregime schaffen, nachdem wir die EU verlassen haben“, sagte sie. Großbritannien plant, den Verkauf von Benzin- und Dieselautos ab 2030 nach und nach einzustellen.

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