1. bw24
  2. Stuttgart

Nach Sylt-Skandal: Verbot von Gigi D’Agostinos Hit auf Cannstatter Wasen und EM-Partys in Stuttgart

Kommentare

Nach dem Skandal-Video aus Sylt zieht man auch in Stuttgart Konsequenzen: Bei der EM und in den Festzelten auf dem Wasen soll das Lied von Gigi D‘Agostino nicht mehr gespielt werden.

Stuttgart – Schon seit einiger Zeit wird das bekannte Lied „L‘ amour toujours“ von Gigi D‘Agostino immer wieder von Rechten mit ausländerfeindlichen Parolen gesungen. Während es in dem Originallied eigentlich um Liebe geht, haben die Rechten den Song gekapert und zu einer Hymne der Hetze gemacht. Spätestens seit dem Skandal-Video aus Sylt, das in den vergangenen Tagen viral ging, empfinden viele den Party-Hit als nicht mehr tragbar. Auf dem Münchner Oktoberfest wird er nicht gespielt und auch in Stuttgart zieht man jetzt Konsequenzen.

Wie Jörg Kloper, Sprecher der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart, gegenüber der Stuttgarter Zeitung mitteilte, werde man den Song auf den EM-Partys in den Fanzonen in Stuttgart im Sommer 2024 nicht spielen. Von dem Verbot betroffen sind insbesondere Fan-Feste und Public Viewing in Stuttgart. Auch beim diesjährigen Volksfest auf dem Cannstatter Wasen im Herbst soll der Song in den Festzelten tabu sein.

Gigi D‘Agostino nimmt erstmals Stellung: Das war die Intention hinter seinem Song

Wasen-Besucher feiern im Grandls Hofbräu Zelt.
Stuttgart zieht Konsequenzen aus dem Sylt-Skandal und verbietet den Partyhit „L‘amour toujours“ in den Festzelten auf dem Wasen. © IMAGO/Arnulf Hettrich

Gegen die Personen, die auf Sylt „Ausländer raus“ und „Deutschland den Deutschen“ zum Partyhit grölten oder den Hitlergruß zeigten, laufen bereits mehrere Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung und Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen. Dass sein Song sich einmal zum Vehikel rechter Propaganda entwickeln würde, hätte der italienische Musikproduzent Gigi D‘Agostino sicher nicht vermutet. Nun äußerte er sich erstmals gegenüber dem Spiegel zu den Vorfällen.

Unser Baden-Württemberg-Newsletter versorgt Sie regelmäßig mit allen wichtigen News aus dem Ländle. Hier geht es zur Anmeldung.

Wie D‘Agostino mitteilte, habe er von der neuerlichen Verwendung seines Songs nichts mitbekommen, da er sich von den sozialen Medien fernhalte – um seinen „Geist zu schützen“, wie er betont. Tatsächlich postete er in den vergangenen Jahren nur äußerst sporadisch auf seinen Social-Media-Kanälen. Er litt lange an einer nicht näher genannten schweren Erkrankung. In unregelmäßigen Abständen hielt er seine Fans über seinen Zustand auf dem Laufenden. Seit 2022 ist offenbar auf dem Weg der Besserung, teilte wieder hoffnungsvollere Postings und feierte im Februar 2024 genesen sein Bühnen-Comeback.

Musikproduzent Gigi D‘Agostino (links, Archivfoto 2000), nimmt erstmals Stellung zur Verwendung seines Lieds für rassistische Parolen wie in Sylt (rechts).
Musikproduzent Gigi D‘Agostino (links, Archivfoto 2000), nimmt erstmals Stellung zur Verwendung seines Lieds für rassistische Parolen wie auf Sylt (rechts). © IMAGO / Avalon.red / Screenshot X (Fotomontage BW24)

Nachdem der Spiegel D‘Agostino bereits im Februar angeschrieben, aber keine Rückmeldung erhalten hatte, meldete dieser sich jetzt zu Wort. Zu den rassistischen Parolen nahm er keine Stellung, jedoch stellte er klar: „In meinem Lied geht es um ein wunderbares, großes und intensives Gefühl, das die Menschen verbindet. Es ist die Liebe“. Konkret gehe es um die Liebe, die er für seine Frau, seine Familie, für die Musik und das Tanzen empfinde. Es gehe um den Wunsch, die Familie fest zu umarmen und Danke zu sagen, „Worte der Liebe zu singen und gemeinsam zu tanzen“.

„L‘amours toujours“ erobert deutsche iTunes-Charts und klettert auf Platz 1

Die Liebe sei die einzige Bedeutung, die sein Lied habe, betonte D‘Agostino. Das Skandal-Video hat den Song aus 2001 derweil offenbar wieder so präsent unter den Deutschen gemacht, dass der Hit in den deutschen iTunes-Charts ganz nach oben schoss. In der „Small Mix“-Version steht er aktuell auf Platz 1, in der normalen Version auf Platz 3. Wie die Kulturprojekte Berlin GmbH gegenüber Zeit Online mitteilte, sei jedoch davon auszugehen, dass viele DJs den Titel momentan nicht ins Programm nehmen.

Auch interessant

Kommentare

Teilen