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Cannstatter Wasen: Stuttgarts Volksfest zwischen Tradition und Moderne

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Von: Nadja Pohr

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Im Jahr 1818 feierte das Cannstatter Volksfest seine Premiere. Über die Jahre hat sich der Wasen zu einem modernen Fest entwickelt - die Tradition ist dennoch ein fester Bestandteil. An mehreren Tagen begeistert das Fest jährlich Millionen Besucher.

Stuttgart - Der Cannstatter Wasen ist als das weltweit zweitgrößte Volksfest nach dem Münchner Oktoberfest weit über die Landes- und Bundesgrenzen hinaus bekannt. Jedes Jahr kommen durchschnittlich etwa vier Millionen Besucher während der 17 Festtage in die Landeshauptstadt Stuttgart. Schausteller, Festwirte und Markthändler sorgen für Vergnügen, Spaß und gute Laune.

Über die Jahre hat sich das Cannstatter Volksfest stetig weiterentwickelt und ist dabei auch moderner geworden. Die Tradition ist auf dem Fest jedoch weiterhin ein fester Bestandteil. Mit der Fruchtsäule oder dem Volksfestumzug wird an die früheren Jahre und den Ursprung des Wasens erinnert. Dieser reicht mehrere Jahrhunderte zurück.

König Wilhelm I. stiftete das Cannstatter Volksfest aus Dankbarkeit gegenüber seinem Volk

Im Jahr 1818 feierte das Volksfest als „Landwirtschaftliches Fest zu Kannstadt“ seine Premiere. Der Ursprung des Festes hat dabei eine weitreichende Geschichte und ist dem Ausbruch eines Vulkans auf der indonesischen Insel Sumbawa vor 200 Jahren geschuldet. Damals wurde die Welt von Schutt und Asche bedeckt. Es kam zu Klimaveränderungen in weiten Teilen Europas.

Infolgedessen kam es in den Jahren 1815 und 1816 zu Ernteausfällen im Königreich Württemberg. Als die Menschen nach langer Not endlich wieder zu essen hatten, zog König Wilhelm I. seine Lehren aus den harten Jahren und reformierte die Landwirtschaft. 1817 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Katharina die „Centralstelle des landwirtschaftlichen Vereins“. Zudem wollte er aus Dankbarkeit seinem Volk ein Fest stiften.

Im darauffolgenden Jahr, am 28. September 1818, war es dann so weit: Das Cannstatter Volksfest fand erstmals statt. Und seit damals ist der Cannstatter Wasen auch der Austragungsort für die große Festlichkeit. Nicht weit entfernt lag damals die königliche Villa Bellevue an der Wilhelma. Ein kurzer Anfahrtsweg mit der Kutsche also für den Stifter des Festes, der es sich nicht nehmen ließ, dieses feierlich zu eröffnen und Zeuge eines erfolgreichen Beginns zu werden.

Das Cannstatter Volksfest auf dem Wasen hat sich über die Jahrzehnte stetig weiterentwickelt und es dabei geschafft, Tradition und Moderne zu verbinden. Älteren Aufzeichnungen zufolge nahmen 1818 gleich mehr als 30.000 Mitwirkende und Gäste an dem Fest teil. Wenn man sich vor Augen hält, dass das erste Cannstatter Volksfest gerade einmal einen einzigen Tag gedauert hat, so kann sich die damalige Tages-Besucherzahl wirklich sehen lassen. Die Veranstaltung war also schon in ihren Anfängen ein wahrer Publikumsrenner und ist es bis heute geblieben.

Cannstatter Wasen, das zweitgrößte Volksfest der Welt

Jährlich findet seither das Cannstatter Volksfest auf dem Wasen mit Millionen Gästen aus aller Welt statt. Das Fest in Stuttgart ist nach dem Oktoberfest in München das zweitgrößte Volksfest der Welt und das größte in ganz Baden-Württemberg. In den Jahren 2020 und 2021 musste das Fest jedoch aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg abgesagt werden. Start ist am Eröffnungstag ab 15 Uhr. Traditionell eröffnet der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt den Wasen mit dem Fassanstich.

Frauen vor einem Riesenrad auf dem Cannstatter Wasen
Zwei Jahre in Folge fiel der Cannstatter Wasen Corona zum Opfer. © Christoph Schmidt/dpa

Generell gilt: Von Montag bis Freitag ist der Wasen ab 12 Uhr geöffnet, die Festzelte machen ab 11 Uhr auf. An den Wochenenden sowie an Feiertagen beginnt das Fest um 11 Uhr. Sonntag bis Donnerstag ist es bis 23 Uhr geöffnet. Freitags, samstags sowie vor Feiertagen darf bis 24 Uhr gefeiert werden.

Etwa 17.000 Menschen arbeiten auf dem Cannstatter Wasen. Rund 250 Schausteller, Festwirte und Markthändler sorgen an 17 Festtagen für Vergnügen, Spaß und gute Laune. Kettenkarussell, Riesenrad, Hau-den-Lukas, Losbuden, Krämermarkt, Bier- und Festzelte mit Musik, Maßkrug und Göckele sind dort mittlerweile nicht mehr wegzudenken. Insgesamt acht Festzelte sorgen für das leibliche Wohl bei den Gästen:

Darüber hinaus bieten die zahlreichen Biergärten, Imbisse und Süßwarenstände alles, was das Genießer-Herz begehrt - von typisch schwäbischen Spezialitäten bis hin zu internationalen Gerichten. Auch das Bier gehört auf dem Wasen natürlich dazu und hat eine lange Tradition. Ausgeschenkt wird das Volksfestbier der Brauereien traditionell im Maßkrug. Das Bier in den Festzelten auf dem Wasen kostet mittlerweile zwischen 12,40 Euro und 13,20 Euro pro Maß.

Die Fruchtsäule als Wahrzeichen des Cannstatter Volksfestes

Die Fruchtsäule ist das Wahrzeichen des Cannstatter Volksfestes. Bereits beim ersten Volksfest 1818 gab es eine solche Säule, die mit vielen Früchten, Getreide und Gemüse geschmückt war. So erinnert dieses Symbol noch heute an den Ursprung des Volksfestes als landwirtschaftliches Fest.

Die erste Fruchtsäule war von König Wilhelm I. gestiftet. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde sie wegen dieser Herkunft und der königsblauen Farbe als „monarchistisches Überbleibsel“ betrachtet und einige Jahre nicht mehr aufgestellt. Zum 100. Volksfest 1935 hat man diese Tradition jedoch wieder aufgenommen und sie schmückt alljährlich den Festplatz.

Die heutige Fruchtsäule entstand 1972 und wurde in ihren Maßen dem historischen Vorbild nachempfunden. Sie ist insgesamt 26 Meter hoch, steht auf einem fünf Meter hohen Sockel und wiegt circa drei Tonnen. Die Schale, die auf dem oberen Ende der Säule sitzt und mit Spitzkohlköpfen, Riesenäpfeln und Sonnenblumen geschmückt ist, wiegt zusätzlich rund 600 Kilogramm.

Cannstatter Wasen: Wasenhasi und Volksfestumzug begeistern Besucher

Neben der Fruchtsäule ist auch der Wasenhasi seit 2007 eine Symbolfigur für das Cannstatter Volksfest. Während der Festtage ist das lebensgroße Maskottchen regelmäßig mit seiner Freundin „Hasi“ auf dem Platz unterwegs. Dabei ist das Pärchen nicht nur bei den Kids ein beliebtes Fotomotiv. Seinen Ursprung hat der Wasenhasi im alten schwäbischen Volkslied „Aufm Wasa graset Hasa...“. Denn selbst heute noch kann man gelegentlich Hasen über Gelände hoppeln sehen. Als Plüschfigur gibt es den Hasen sowie seine Freundin ab Festbeginn an der Fruchtsäule.

Für Begeisterung bei den Besuchern sorgt zudem der Volksfestumzug mit seinen farbenprächtigen Gespannen. Dabei ziehen die Stuttgarter Brauereien, historische Fahrzeuge, bunte Trachtengruppen und -kapellen, bäuerliche Darstellungen sowie historische Gruppen und Bürgerwehren aus Baden-Württemberg durch Bad Cannstatt und finden sich schließlich auf dem Wasen ein. Mehr als 3200 Menschen wirken bei dem Volksfestumzug mit.

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