„Die Bundeswehr ist ziemlich bunt“

Muslima dient als Soldatin bei der Bundeswehr: „Ich will die Lösung sein, nicht das Problem“

Die Soldatin Hülya auf dem Bundeswehr-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz.
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Die Muslima Hülya dient seit 17 Jahren bei der Bundeswehr. Als Frau mit muslimischem Glauben hatte sie es in der Anfangszeit nicht leicht.
  • Julian Baumann
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Die 38-jährige Hülya ist Muslima und seit 17 Jahren Soldatin bei der Bundeswehr. Die junge Frau hatte vor allem in der Anfangszeit mit Vorurteilen zu kämpfen.

Stuttgart/Baden-Baden/Ramstein - Eine Frau mit muslimischem Glauben als Soldatin in der Bundeswehr sollte in der heutigen Zeit eigentlich nichts Ungewöhnliches mehr sein. Die heute 38-jährige Hülya hatte jedoch vor allem in der Anfangszeit ihrer Verpflichtung bei der Armee der Bundesrepublik mit Vorurteilen zu kämpfen, wie sie in der Sendung Naber? beim SWR-Fernsehen erzählt. Dabei richteten sich die anfänglichen Vorurteile nicht nur gegen ihren Glauben, sondern auch gegen ihr Geschlecht.

Die Soldaten der Bundeswehr waren auch in der Landeshauptstadt Stuttgart und in anderen Städten in Baden-Württemberg während der Corona-Krise im Einsatz. Als Stuttgart im vergangenen Jahr zum Corona-Risikogebiet erklärt wurde, trafen Bundeswehrsoldaten in der Stadt ein. Und auch im Landratsamt in Heilbronn unterstützten Soldaten im Kampf gegen das Virus. In einer Notlage da sein, die Menschen unterstützen und beschützen. Das wollte auch Hülya nach eigenen Angaben, weswegen sie sich entschied, in die Bundeswehr einzutreten, um Soldatin zu werden.

Bundeswehr: Soldatin Hülya wollte eigentlich Ritter werden

Der Wunsch Soldatin zu werden, kam bei Hülya schon sehr früh auf, ursprünglich hatte sie jedoch einen anderen Berufswunsch. „Eigentlich wollte ich Ritter werden“, erzählt sie bei Naber?. „Die Prinzessin hat immer Probleme und muss gerettet werden. Ich will die Lösung sein und nicht das Problem“, so die 38-jährige Muslima. Da es den Berufsstand des Ritters nicht mehr gibt, begab sich Hülya auf die Suche nach einer Tätigkeit, in der man für Menschen da sein und sie beschützen kann.

Das seien Soldaten, habe man ihr gesagt. „Dann werde ich eben Soldat.“ Dabei war die junge Frau vor 17 Jahren zwar nicht die erste Frau in der Bundeswehr, aber einer der ersten.

Bundeswehr: Als Frau mit türkisch-kurdisch-arabischen Wurzeln in die Armee

Hülya hat türkische, kurdische und arabische Wurzeln und ist muslimischen Glaubens. Als die heute 38-Jährige ihrer Familie erklärte, sie wolle Soldatin werden, reagierte diese nicht gerade begeistert, erzählt sie. „Das geht ja gar nicht, warum denn in die Armee als Mädchen?“, habe die Familie gefragt.

Ihr Vater habe dann einen kurdischen Spruch gesagt, der ins Deutsche übersetzt bedeutet: „Ein Löwe ist ein Löwe, egal ob er männlich oder weiblich ist“. Damit sei es für die Familie in Ordnung gewesen und alle hätten Hülyas Entscheidung akzeptiert.

Doch am Anfang ihrer Laufbahn bei der Bundeswehr hatte Hülya als Frau mit türkisch-kurdischen Wurzeln mit Vorurteilen zu kämpfen. „Ganz am Anfang fiel man natürlich auf wie ein bunter Hund“, erzählt sie im Format Naber?. Inzwischen seien Frauen und Soldaten muslimischem Glaubens bei der Bundeswehr nicht mehr so selten.

Das habe vor 17 Jahren jedoch noch anders ausgesehen. „Als ich das erste Mal in die Truppenküche kam, wurde quer durch den Raum `Moslemkost` gebrüllt“. Damals hätten alle aufgehört zu essen und sie angestarrt. „Frau war ja schon ungewöhnlich damals und dann noch Muslimin.“

In den 17 Jahren, die Hülya bereits als Soldatin bei der Bundeswehr dient, hätte sich auch im Bereich der Diversität einiges getan. Heute gebe es etwa drei Gerichte zur Auswahl und es sei kein Problem, dass sie kein Schweinefleisch esse, erzählt die 38-Jährige. So richtig als Soldat angekommen sei sie jedoch erst im siebten oder achten Dienstjahr, als sie sich freiwillig für einen Auslandseinsatz im Kosovo meldete. „Da habe ich das erste Mal die Bandbreite meines Jobs richtig verstanden.“

Hülya berät auch andere Soldatinnen mit verschiedenen Glaubensrichtungen

Als Soldatin mit muslimischem Glauben berät Hülya auch innerhalb der Streitkräfte andere Soldatinnen mit verschiedenen Glaubensrichtungen bei Fragen „zum Thema freie Religionsausübung im Dienst, Religionsvielfalt in den deutschen Streitkräften und einfach seelsorgerische Betreuung“.

Bei der zuständigen Stelle hätten sich Angehörige 12 verschiedener Religionen gemeldet. „Die Bundeswehr ist ziemlich bunt“, so die Muslima im Format Naber? im SWR. Egal welcher Glaubensrichtung oder Religion die Soldaten angehören oder welche sexuelle Orientierung oder Herkunft sie haben, alle hätten eines gemeinsam: „Sie alle dienen Deutschland.“

Die heute 38-jährige Hülya hat inzwischen den Dienstgrad „Oberfähnrich“ inne und machte während ihrer bisherigen Zeit als Berufssoldatin auch mehrere Uniabschlüsse. „Ich habe einen Bachelor in Kulturwissenschaften und einen Master in Diversity Management gemacht“, erzählt die Soldatin.

„Traut euch und wagt es, Dinge anzugehen“, lautet Hülyas Botschaft an andere Frauen. „Niemals sich selber kleiner machen, als man ist, sondern einfach Dinge anpacken.“ Es komme nicht auf Geschwindigkeit an, solange man Ziele angeht, die man sich gesetzt hat. „Solange man sich bewegt, geht es voran und man kann was erreichen, man kann was bewegen.“

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