Hauptfeldwebel gegen Bundesrepublik

Überhitzt und ausgetrocknet: Bundeswehrsoldat bricht bei 30 Grad zusammen und erhebt schlimme Vorwürfe

Soldaten und Reservisten der Bundeswehr nehmen am 21. Brockenmarsch des Landeskommando Sachsen-Anhalt teil.
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Bundeswehr: Soldat aus Baden-Württemberg verklagt Bund auf Schadenersatz (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Ein Bundeswehrsoldat aus Baden-Württemberg kollabierte bei einem Marsch und musste operiert werden. Nun verklagt er die Bundesrepublik auf Schadenersatz.

Bonn - Die Soldaten der Bundeswehr werden bei den Lehrgängen auf die Ernstlage in einer Gefechtssituation vorbereitet und müssen oftmals harte Strapazen überstehen. Zu den Übungen gehören kilometerlange Märsche mit schwerem Gepäck, die auch erfahrene Soldaten an ihre Grenzen bringen können.

Ein Hauptfeldwebel aus Baden-Württemberg nahm an einem freiwilligen Einzelkampflehrgang teil. Zu der Übung gehörte ein Gepäcklauf mit zehn Kilogramm Gewicht bei einer Temperatur von über 30 Grad im Schatten. Der erfahrende Soldat kollabierte während des Lehrgangs. Nun fordert er Schadenersatz von der Bundesrepublik.

Am heutigen Mittwoch, den 7. Oktober, begann die Verhandlung am Amtsgericht in Bonn. Der Bundeswehrsoldat aus Baden-Württemberg wirft dem Bund als Dienstherrn des Verteidigungsministeriums Amtspflichtverletzung vor, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtete. Der Leiter des Lehrgangs habe vorsätzlich gehandelt, als er nach dem beschwerlichen Marsch mit zehn Kilogramm Gewicht auch noch einen drei Kilometer langen Rückmarsch angeordnet hatte. Der Bund widerspricht diesem Vorwurf.

Bundeswehr: Soldat aus Baden-Württemberg gegen die Bundesrepublik

Laut Angaben des Bundeswehrsoldaten aus Baden-Württemberg habe es bei dem Marsch trotz brütender Hitze von mehr als 30 Grad nicht ausreichend Trinkpausen gegeben. Dadurch sei es bei ihm und auch bei anderen Soldaten zu einem Kreislaufzusammenbruch und zur Überhitzung des Körpers gekommen. Außerdem erlitt der Hauptfeldwebel eine Lähmung am Oberschenkel. Er musste mit einem Hubschrauber in eine Klinik geflogen und dort operiert werden. Nach Angaben der dpa war der Soldat für ein halbes Jahr nicht einsatzfähig.

Der Bund ist nach Angaben der dpa jedoch der Meinung, dass bei dem Vorfall kein Vorsatz zu erkennen gewesen sei. Der Kläger aus Baden-Württemberg sei ein erfahrener Soldat und habe gewusst, worauf er sich einlasse. Der Bundeswehrsoldat habe den Marsch jederzeit verlassen können. Laut Angaben des WDR habe auch ein Begleitfahrzeug zur Verfügung gestanden. „Der Lehrgang stellt höchste Anforderung an die physische Belastbarkeit der Lehrgangsteilnehmer. Die Teilnahme ist freiwillig und das Nicht-Bestehen hat für die Soldaten keine laufbahnrelevanten Folgen“, erklärte ein Sprecher der Bundeswehr.

Erst Anfang September eröffnete die Bundeswehr die modernste Scharfschützen-Anlage Deutschlands - mit gruseliger Todesfunktion. Die Anlage simuliert feindliche Soldaten, die sich von einer zur anderen Seite durch das Zielfeld bewegen. Ein Bundeswehr-Projekt in Baden-Württemberg versetzte dagegen die Bevölkerung in Angst. Ein Truppenübungsplatz in Villingen-Schwenningen soll massiv erweitert werden. Besonders besorgt sind die Einwohner der Gemeinde Tannheim, da sich in dem Ort eine Klinik für krebskranke Kinder befindet. Die Auswirkungen der Projektes betreffen die Natur und den Menschen.

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