Präsenzveranstaltungen am Ende?

Bundesnotbremse hat fatale Folgen für Studenten im Südwesten - „müssen Lehre sofort einstellen“

Studenten sitzen mit Mundschutz in einem Hörsal der Uni Hohenheim.
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Studierende stehen durch die Bundesnotbremse vor weiteren Problemen.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Wegen der Bundesnotbremse können viele Studenten, die auf Praxismodule eigentlich dringend angewiesen sind, womöglich bald keine Präsenzveranstaltungen mehr besuchen. Universitäten im Land sind alarmiert.

Stuttgart - Studenten haben es in Zeiten des Coronavirus in Baden-Württemberg nicht leicht. Anstatt in Hörsälen sehen die jungen Menschen ihre Kommilitonen zumeist auf Bildschirmen. Von Unipartys oder dem Treffen mit Freunden auf dem Campus kann keine Rede sein. Wegen der kürzlich beschlossenen „Bundesnotbremse“ drohen den Universitäten im Land nun noch drastischere Konsequenzen. Denn einige Studiengänge sind ohne Präsenz oft nicht mehr machbar.

„Das Notbremsengesetz bedeutet ein ‚Nichtsemester‘ für viele Studierende in den naturwissenschaftlichen und technischen Studiengängen sowie der Medizin und wird zu verzögerten Studienabschlüssen führen“, erklärte Stephan Dabbert, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der Südwest-Unis am Mittwoch in der Landeshauptstadt Stuttgart. „Wenn man die Regeln für die Schulen nun eins zu eins auf die Universitäten und Hochschulen anwendet, müssen wir ab einer Inzidenz von 165 die praktische Lehre sofort einstellen.“

„Bundesnotbremse“: Dabbert kritisiert Gleichbehandlung von Schulen und Universitäten

Dabbert ist alarmiert, denn einige Studiengänge erfordern verpflichtende Präsenzmodule, die durch eine digitale Lehre eigentlich nicht zu ersetzen sind. Insbesondere gilt das für Patientenkontakt in medizinischen Studiengängen oder das Arbeiten in Laboren oder Arbeitsräumen im naturwissenschaftlichen Bereich. Da die späteren Arbeitgeber eine vollständige Ausbildung der Absolventen erwarten, könne man Teile der Studienleistung nicht einfach unter den Tisch fallen lassen, so Dabbert.

Schon seit der ersten Coronawelle im März 2020 laufen die Lehrveranstaltungen an den Hochschulen in Baden-Württemberg weitgehend digital ab. Nach Landesrecht gab es bisher Ausnahmen in Einzelfällen, wenn Präsenz unbedingt nötig war. Dass mit der Bundesnotbremse nun Universitäten behandelt werden sollen wie Schulen, ist für Stephan Dabbert nicht nachvollziehbar. Anders als im Schulbereich gebe es im Hochschulbereich bei den wenigen Praxisveranstaltungen nach Kenntnis der Universitätsleitungen keine größeren Infektionsherde, wie Testreihen gezeigt hätten.

Studium in Baden-Württemberg: „Junge Menschen werden im Fortgang ihres Studiums ausgebremst“

Stephan Dabbert, der vielen auch als Rektor der Universität Hohenheim bekannt sein dürfte, appelliert bezüglich der Notbremse an die Politik: „Es ist nun dringend erforderlich, dass die Anwendungsregeln für das Gesetz in enger Rücksprache mit den Betroffenen vernünftig gestaltet werden.“ Dies müsse auch der Bundesrat berücksichtigen, der sich in seiner Sitzung am 22. April mit dem Gesetz befassen werde.

In seinem Appell erinnert Dabbert auch an Aussagen von Bundespräsident Steinmeier. Dieser hatte kürzlich kritisiert, dass schon die bisherigen Einschnitte harte Auswirkungen für die Studierenden bedeutet hätten. Dabei hatte der Bundespräsident von einem „Ausgebremstsein“ der jungen Leute gesprochen. Offenbar hat Steinmeiers Warnung nicht gefruchtet, Dabbert ist enttäuscht: „Wenige Tage danach beschließe der Bundestag Regelungen, die viele junge Menschen im Fortgang ihres Studiums herunterbremsen.“

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