Zulieferer in Not

Neuer Bosch-Chef warnt vor Krise: 2022 könnten „ganze Autos nicht gebaut werden“

Eine Bosch-Mitarbeiterin arbeitet in einem Werk.
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Die Chipkrise hielt 2021 die gesamte Autoindustrie in Schach. Besonders Zulieferer wie Bosch waren davon betroffen.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Zulieferer wie Bosch stellen wichtige Teile für Autos her. Doch auch sie sind nicht unabhängig. Den künftigen Bosch-Chef plagen Sorgen wegen der Chipkrise.

Stuttgart - Das zurückliegende Jahr war für die gesamte Wirtschaft in Baden-Württemberg eine Herausforderung. Besonders die Autoindustrie kämpfte an mehreren Fronten: Corona-Pandemie, E-Mobilität, Chipkrise. Leider ist aus Sicht der Unternehmen noch keines dieser Probleme endgültig bewältigt. Der Mangel an Halbleitern wird wohl auch in den kommenden Monaten weiter eine Rolle spielen. Daimler-Chef Ola Källenius rechnet auch 2022 mit fehlenden Chips.

Dieser Prognose hat sich gegenüber dem Focus jetzt auch der künftige Bosch-Chef Stefan Hartung angeschlossen. Aufgrund der Chipkrise stehen viele Zulieferer vor dem Aus. Im kommenden Jahr wird es vorerst wohl nicht leichter für die Industrie werden, so Hartung. „Man muss es klar sagen: Die Chipkrise ist nicht vorbei“, erklärte er.

Bosch und die Chipkrise: Zulieferer rüstet auf und betont die Bedeutung von Halbleitern

Dabei hatte zuletzt gerade der Zulieferer aus Stuttgart versucht, die Folgen der Chipkrise abzufedern: Bosch investiert 400 Millionen Euro in die Technologie der Zukunft. „Wir alle als deutsche Industrie sind massiv darauf angewiesen, dass die Lieferengpässe behoben werden“, betonte Stefan Hartung.

Stefan Hartung wird zum Jahreswechsel neuer Chef von Bosch. 2022 wird das Unternehmen und ihn laut eigener Aussage nach wie vor die Chipkrise beschäftigen.

Wie groß die Abhängigkeit von den Kleinteilen ist, erklärte der künftige Bosch-Chef anschaulich: „Jeder Chip, der fehlt, kann bedeuten, dass eine Lenkung und in der Folge ein ganzes Auto nicht gebaut werden kann.“ Hartung rechnet deshalb auch 2022 mit einem anstrengenden Jahr, das „noch viel Kraft kosten“ werde.

Chipkrise und E-Mobilität: Künftiger Bosch-Chef sieht Ziele der Bundesregierung in Gefahr

Angesichts der anhaltenden Chipkrise zog der künftige Bosch-Chef Stefan Hartung auch die ehrgeizigen Ziele der neuen Bundesregierung in Bezug auf die E-Mobilität in Zweifel. 15 Millionen vollelektrische Autos auf deutschen Straßen seien bis 2030 nicht zu schaffen, „wenn die globalen Probleme in den Lieferketten nicht bald behoben werden“, so Hartung.

Diesbezüglich sei dabei ohnehin die Automobilindustrie nicht der einzige Sorgenfaktor. „Dazu braucht es ja nicht nur die Rohstoffe, die Batterien und die Nachfrage, die wiederum stark von der Ladeinfrastruktur abhängt“, erklärte Hartung. Es gehe nicht allein um Autoproduktion, sondern um gesellschaftliche Veränderung und technologischen Umbau auf allen Ebenen. Der Strom, den die Fahrzeuge dann nutzen, solle ja obendrein grün sein.

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