System soll „massentauglich“ werden

Bosch will mit VW-Tochter Mercedes beim autonomen Fahren Konkurrenz machen

Illustration eines autonom gesteuerten Fahrzeugs von Bosch und Cariad
+
Der Autozulieferer Bosch und die VW-Tochter Cariad wollen gemeinsam neue Technologien im Bereich autonomes Fahren auf den Markt bringen.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
    schließen

Bosch und VW wollen sich bei der Entwicklung von autonomen Fahrsystemen zusammentun. Konkurrent Mercedes-Benz könnte das ganz schön ins Schwitzen bringen.

Stuttgart/Wolfsburg - Lange Zeit schien autonomes Fahren Zukunftsmusik zu sein. Doch die Technik ist mittlerweile ausgereifter. Zahlreiche Automobilkonzerne tüfteln an der neuen Fortbewegungsart. Zwar hat sich der ambitionierte Zeitplan der Autohersteller nach hinten verschoben, doch die Mercedes-Benz AG, BMW, VW und Co. arbeiten unter Hochdruck an den selbstfahrenden Autos.

Der Technologie-Wettbewerb ist gerade in vollem Gange. Nachdem die ehemalige Daimler AG die Kooperation mit Bosch beendet hatte, tun sich nun neue Wege für den Automobil-Zulieferer aus Stuttgart auf: Bosch verbündet sich mit der VW-Softwaretochter Cariad. So werden aus den ehemaligen Partnern Mercedes und Bosch Konkurrenten.

Bosch will mit VW-Tochter Cariad autonome Systeme möglichst bald für viele Autos verfügbar machen

Wie Bosch und Cariad in einer Pressemitteilung bekannt gaben, wolle man „das teil- und hochautomatisierte Fahren massentauglich machen.“ Es sei geplant, in VW-Fahrzeugen Funktionen einzubauen, bei denen Fahrer die Hände zeitweise vom Lenkrad nehmen könnten. Doch gemeinsam erarbeitete Lösungen sollen laut Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn nicht ausschließlich den Produkten des VW-Konzerns zugänglich sein. Auch anderen Kunden des Autozulieferers und Elektronikkonzerns sollen die Systeme angeboten werden. Daimler ist Tesla unterdessen bei wichtiger Zukunftstechnologie bereits weit überlegen.

In Kooperation mit der Volkswagen-Tochter Cariad will Bosch somit Funktionen, die das Fahren zeitweise übernehmen, möglichst bald für viele Autos verfügbar machen. Dabei handelt es sich um sogenannte Level-2-„hands-free“-Systeme für Stadt, Land und Autobahn sowie ein Level-3-System, bei dem das Fahrzeug die komplette Fahraufgabe auf der Autobahn übernimmt. Erste Funktionen sollen bereits 2023 in Fahrzeugen eingesetzt werden.

„Der Weg zum fahrerlosen Fahren erfolgt für Autos in Privatbesitz Schritt für Schritt – bei Bosch arbeiten wir daran schon seit Jahren erfolgreich“, sagt Markus Heyn. „Zusammen mit Cariad beschleunigen wir jetzt die Markteinführung von teil- und hochautomatisierten Fahrfunktionen in allen Fahrzeugklassen und machen sie damit für jedermann verfügbar. Damit wird der Straßenverkehr sicherer und komfortabler.“

Bosch und VW-Tochter Cariad: Mehr als 1.000 Fachleute arbeiten zusammen

Wie Bosch in einer Pressemitteilung schreibt, arbeiten mehr als 1.000 Fachleute von Bosch und Cariad gemeinsam am Projekt. An verschiedenen Standorten beider Unternehmen, insbesondere in Stuttgart und Ingolstadt, sollen Mitarbeiter des Bosch-Geschäftsbereichs Cross-Domain Computing Solutions und von Cariad gemeinsam teil- und hochautomatisierte Fahrfunktionen entwickeln. Auch eine Entwicklung für autonomes Fahren des Levels 4 soll entwickelt und auf den Weg gebracht werden, so der Konzern aus Baden-Württemberg.

Sollte es den beiden Unternehmen gelingen, ein erfolgreiches Konzept für autonomes Fahren zu entwickeln, könnte die Technik künftig in allen privat genutzten Fahrzeugklassen der Marken des Volkswagenkonzerns eingesetzt werden – und damit in einer der weltweit größten Fahrzeugflotten. Doch Bosch und VW müssen einiges aufholen: Mercedes-Benz ist bereits ein Durchbruch beim autonomen Fahren gelungen. Der Autobauer aus Stuttgart erhielt als erster der Welt die Level-3-Freigabe für den Autopiloten. Die S-Klasse kann damit vollautonom auf Autobahnen fahren.

Mehr zum Thema

Kommentare