Mikrochips für die Autoindustrie

Deutscher Autoindustrie droht Kollaps - Bosch hält mit einer „der modernsten Fabriken der Welt“ dagegen

Autowracks stapeln sich auf dem Schrottplatz, daneben ein modernes E-Auto-Ladekabel von Bosch
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Die deutsche Autobranche gerät durch den Chipmangel in die Krise - Bosch will im eigenen Land gegensteuern.
  • Berkan Cakir
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  • Julian Baumann
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Die Robert Bosch GmbH eröffnete im Juni 2021 die Chipfabrik in Dresden. Damit beginne eine „neue Ära der Mikroelektronik“, so Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier.

Update vom 7. Juni, 11:38 Uhr: An diesem Montag eröffnet die Bosch-Chipfabrik in Dresden. Das Stuttgarter Unternehmen will in der sächsischen Hauptstadt künftig sogenannte 300-Millimeter-Wafer-Chips produzieren, die für das Internet der Dinge zum Einsatz kommen sollen als auch für die Autoindustrie, deren Produktion zuletzt aufgrund fehlender Chip-Komponenten ins Stocken geraten war. „In Dresden beginnt eine neue Ära der Mikroelektronik. Die neue Halbleiterfabrik, die am Montag eröffnet wird, gehört zu einer der modernsten der Welt“, sagte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Eine starke Mikroelektronik-Industrie in Deutschland sei notwendig, um bei Zukunftstechnologien wie 5G, Künstlicher Intelligenz und automatisiertem Fahren vorn mit dabei zu sein, so Altmaier.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (beide CDU) nehmen digital an der Werkseröffnung teil. Bosch hat rund eine Milliarde Euro in die Fabrik investiert, vom Bund kamen rund 140 Millionen Euro als Förderung. Langfristig sollen 700 neue Arbeitsplätze am Standort entstehen. Mitte 2022 sollen die ersten Chips verkauft werden.

Erstmeldung vom 26. Mai: Die Robert Bosch GmbH mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart ist der größte Automobilzulieferer der Welt. Zwar ist das Unternehmen in mehreren Bereichen erfolgreich und stellt beispielsweise Werkzeuge wie Bohrmaschinen und Akkuschrauber oder große Maschinen wie Waschmaschinen und Küchenherde her.

Die Automobilsparte machte im vergangenen Jahr jedoch einen Großteil des Gesamtumsatzes des Konzerns mit weltweit rund 400.000 Mitarbeitern aus. Als Autozulieferer produziert das Unternehmen unter anderem auch elektrische Halbleiter-Komponenten für Autohersteller wie die Daimler AG.

Die Bosch-Group betreibt bereits seit 1971 ein Halbleiter-Werk in Reutlingen. Nun eröffnet der Stuttgarter Großkonzern die „Chipfabrik der Zukunft“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Das neue Halbleiter-Werk in Dresden soll im Juli dieses Jahres die Produktion beginnen.

Die Halbleiter-Komponenten, die dort hergestellt werden, sollen letztlich als Mikrochips in der Autoindustrie eingesetzt, bestätigt Bosch-Pressesprecherin Annett Fischer auf Anfrage von BW24.

Bosch: Halbleiter-Werk in Dresden - „Chips für die Mobilität der Zukunft“

Schon seit Beginn des Jahres werden am Standort in Dresden Halbleiter-Komponenten hergestellt. Nun ist das Werk von Bosch jedoch offiziell eröffnet worden und soll schon bald mit der Serienproduktion beginnen. „Aus Dresden kommen schon bald Chips für die Mobilität der Zukunft und mehr Sicherheit im Straßenverkehr“, wird Harald Kröger, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH, in der Pressemitteilung zitiert.

Mit dem Halbleiter-Werk in Dresden erweitert das Unternehmen die Fertigungskapazitäten „für die immer größeren Anwendungsfelder von Halbleitern“ und bekenne sich damit einmal mehr zum Technologiestandort Deutschland. Dafür investiert der Konzern rund eine Milliarde Euro. Der Neubau am Standort in Dresden sei auch von der Bundesrepublik Deutschland durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert worden, heißt es in der Mitteilung.

Halbleiter-Produktion bei Bosch: Ein Lichtblick für die Autoindustrie?

Die deutsche und internationale Automobilindustrie hat seit einiger Zeit mit Produktionsausfällen aufgrund von Lieferengpässen bei den Halbleitern zu kämpfen. Auch die Stuttgarter Daimler AG musste vor wenigen Wochen die Produktion der meistverkauften Modellreihe temporär einstellen, und auch die Porsche AG kam nicht unbeschadet durch die Krise.

Bosch-Chef Volkmar Denner sagte kürzlich, 2021 werde zum „Schicksalsjahr“ für Autobauer wie Daimler. „Der Halbleitermangel ist wirklich gravierend für uns und unsere Kunden, wenn etwa keine Fahrzeuge produziert werden können“, sagte Denner gegenüber der Frankfurter Allgemeine Zeitung. „Wir arbeiten mit aller Kraft an Lösungen. Aber das ist ein Thema, das vorbeigeht.“

Die hochmoderne Halbleiter-Fabrik von Bosch am Standort in Dresden könnte ab Juli dazu beitragen, Produktionsausfälle aufgrund von Lieferengpässen zukünftig zumindest zu mindern. „Natürlich kann das Werk nicht die Nachfrage der gesamten Autobranche decken“, sagt Annett Fischer auf Anfrage von BW24. Sie bestätigt jedoch, dass in der Fabrik auch Halbleiter-Komponenten hergestellt werden, die aktuell in der Fahrzeug-Produktion fehlen.

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