Dresden, Reutlingen, Penang

Bosch investiert 400 Millionen Euro in Technologie der Zukunft

Ein Bosch-Schild vor der Halbleiterfabrik des Stuttgarter Autozulieferers in Dresden.
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Die hochmoderne Chipfabrik von Bosch in Dresden soll den Großteil der Investitionen erhalten.
  • Julian Baumann
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Die Chipkrise macht der gesamten Autobranche seit Jahresbeginn Probleme. Der weltgrößte Zulieferer Bosch will mehr in die Chipfertigung investieren.

Stuttgart - Seit Beginn des Jahres macht ein Lieferengpass von Halbleiterkomponenten der weltweiten Autobranche zu schaffen. Autobauer wie die Daimler AG mussten ihre Produktion mehrfach stoppen und die Mitarbeiter immer wieder in die Kurzarbeit schicken. Bei dem Stuttgarter Autokonzern waren vor allem die Standorte Bremen und Rastatt betroffen, doch auch die Hightech-Fabrik in Sindelfingen stand nur zehn Monate nach der Eröffnung wieder still. Obwohl der E-Auto-Pionier Tesla nicht so schlimm getroffen wurde, überstand das US-Unternehmen die Krise dennoch nicht unbeschadet. CEO Elon Musk machte unter anderem den Stuttgarter Zulieferer Bosch verantwortlich.

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch mit Hauptsitz in der Landeshauptstadt Stuttgart eröffnete im Juni 2021 eine hochmoderne Chipfabrik in Dresden. Diese Bosch-Fabrik bekämpft ein großes Problem der Autobauer. Obwohl sich die Lage zwischenzeitlich ein wenig beruhigte, ist ein Ende der weltweiten Chipkrise nicht abzusehen. Bosch kündigte deshalb an, im kommenden Jahr weitere 400 Millionen Euro in die Chipfertigung investieren zu wollen, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet.

Bosch: Großteil der Investition soll in hochmoderne Fabrik in Dresden fließen

Während sich Daimler und Co. aus der Chipkrise retten konnten, stehen viele Zulieferer vor dem Aus. Die Daimler AG verlagerte ihre Produktion zunehmend auf das Premiumsegment und Modelle wie die S-Klasse oder den EQS und stellte die Produktion der meistverkauften Modellklasse, der E-Klasse, temporär ein. Vor allem kleinere Zulieferer haben es aktuell jedoch schwer, da ihnen eine solche Strategie nicht möglich ist. Bosch hat dagegen bereits früh im Jahr massiv in die Chiptechnologie investiert und will diese Investition nun weiter ausbauen.

„Der Bedarf an Halbleitern wächst weiter rasant. Gerade in der aktuellen Lage bauen wir deshalb die Fertigung von Halbleitern konsequent aus“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Volkmar Denner in einem Handelsblatt-Podcast. Ein Großteil der Investition von 400 Millionen Euro soll dabei in das neue Werk in Dresden fließen, das schon jetzt mit einer Milliarde Euro die teuerste Einzelinvestition der Unternehmensgeschichte darstellt. „Wir investieren massiv in Halbleiter-Technik, weil das aus unserer Sicht ganz klar bereits ein großes Gebiet mit großen Wachstumschancen ist und künftig bleiben wird“, erklärt Denner die weitere Investition.

Bosch im Kampf gegen die Chipkrise: Auch Werk in Reutlingen soll Investitionsschub erhalten

Die Chipfabrik von Bosch in Dresden ist nicht das einzige Werk, das zukünftig eine große Zahl an Chipkomponenten produzieren und dem Lieferengpass dadurch entgegenwirken soll. „Unser Ziel ist es, die Produktion von Halbleitern in Dresden früher als geplant hochzufahren und gleichzeitig die Reinraumkapazität in Reutlingen zu erweitern“, sagt Bosch-Geschäftsführer Harald Kröger. Deshalb sollen rund 50 Millionen in das Werk in Reutlingen, im Zentrum Baden-Württembergs, investiert werden. „Jeder zusätzliche Chip aus unserer Produktion hilft in der aktuellen Situation“, so Kröger.

Zudem plant Bosch laut der dpa ein Halbleiter-Testzentrum im malaysischen Penang zu errichten, das bereits im Jahr 2023 eröffnen soll. Dieser Standort soll ebenfalls einen Investitionsschub erhalten. Eine steigende und wachsende Chipproduktion von Bosch würde demnach auch den deutschen Autobauern zugutekommen. Aktuell fehlt es bei Daimler und Co. noch immer an den Komponenten. Daimler-Chef Ola Källenius sagte bereits, die Chipkrise werde bis 2023 anhalten. Bosch-Chef Volkmar Denner hatte dagegen im Juni weitere schwere Monate für die Autoindustrie und eine Erholung im Jahr 2022 vorhergesagt.

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