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Bosch arbeitet an Technik, mit der Maschinen Gedanken lesen können

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Von: Julian Baumann

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Das Bosch Logo steht auf dem Werksgelände der Robert Bosch Automotive Steering GmbH in Bietigheim.
Bosch arbeitet an der Quantensensorik. Damit sollen Maschinen die Gedanken von Menschen lesen können (Symbolbild). © Tom Weller/dpa

Der Stuttgarter Konzern Bosch arbeitet an einer Technik, mit der Maschinen die Gedanken von Menschen lesen können. Das soll unter anderem bei Behandlungen helfen.

Stuttgart - Mit Quantenphysik und der Quantenmechanik hat sich bereits Albert Einstein auseinandergesetzt. Während der in Ulm geborene Wissenschaftler vor allem der Quantenmechanik noch skeptisch gegenüber stand, hat Bosch mit dieser Technologie große Pläne. Dass Maschinen die Gedanken von Menschen lesen können, klingt zunächst erschreckend. Der Konzern Bosch aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart will mit der sogenannten Quantensensorik aber Gutes tun und beispielsweise Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer genauer diagnostizieren.

Beim Stuttgarter Großkonzern Bosch stellte sich zum Beginn des Jahres ein Wechsel an der Führungsspitze ein. Der langjährige Bosch-Chef Volkmar Denner wurde von Stefan Hartung abgelöst. In einem Schreiben an die Belegschaft stellte der neue Chef die Fragen „Welche Hoffnungen und Sorgen haben die Menschen im Hinblick auf die technologische Entwicklung? Und wie unterscheiden sich diese Sichtweisen von Land zu Land?“, berichtet das Handelsblatt. Eine von Bosch initiierte Umfrage in vier Ländern kam unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich viele Chinesen wünschen, dass Maschinen ihre Gedanken lesen können. Das könnte durch die Quantensensorik, an der Bosch bereits arbeitet, schon bald Realität werden.

Bosch: Quantensensorik soll Schnittstellen zwischen dem menschlichen Gehirn und Maschinen ermöglichen

In den vergangenen Jahren hat die Technik in vielen Bereichen eine erstaunliche Entwicklung vollzogen. Inzwischen gibt es beispielsweise Maschinen beziehungsweise Roboter, die einen Menschen deutlich genauer und sicherer operieren können, als menschliche Ärzte. Auch die Virtual-Reality zeigt, wie Menschen sich mithilfe von Technik in eine virtuelle Welt transferieren können. Der Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz geht noch einen Schritt weiter und will Autos in Zukunft per Gedankenstrom steuern. Auf der Automesse IAA in München stellten die Schwaben im vergangenen Jahr die Techologie BCI vor, mit der Autofahrer ihre Fahrzeuge per Gedankensteuerung lenken sollen.

Obwohl Bosch der weltgrößte Automobilzulieferer ist, beschränkt sich die Erforschung der Quantensensorik des Konzerns nicht nur auf die Autobranche. Vielmehr soll die Sensorik bei vielen Maschinen zum Einsatz kommen. „Sie wird in fernerer Zukunft Schnittstellen zwischen dem menschlichen Gehirn und Maschinen ermöglichen“, schrieb der ehemalige Bosch-Chef Volkmar Denner in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. „Dann muss es keine Tastensteuerung mehr geben, auch keine Bildschirmsteuerung, nicht einmal eine Sprachsteuerung. Stattdessen können Maschinen unmittelbar das tun, was der Mensch denkt.“

Bosch will mit Quantensensorik Diagnose von Alzheimer, Epilepsie und Parkinson auf neue Stufe heben

Von der Leistung der Quantencomputer könnten demnach auch die Autohersteller profitieren. Bosch will dagegen auch die Medizintechnik revolutionieren. „Auch wenn im Quantencomputer ein großes disruptives Potenzial steckt, Quantentechnologie ist weit mehr“, schrieb Volkmar Denner. „Quantensensorik zum Beispiel kann helfen, wo Medizindiagnostik an Grenzen stößt.“ Bei Erkrankungen wie Alzheimer, Epilepsie und Parkinson gehe es konkret darum, die betroffenen Hirnareale konkret zu lokalisieren. Das sei derzeit nur mit aufwendigen und sehr teuren Verfahren möglich.

Durch die ständige Weiterentwicklung der Quantensensorik und die Investition des Landes in die Quantenmechanik könnte ein solches Verfahren in Zukunft aber deutlich schneller und auch günstiger möglich sein. „Noch ist ihr Aufbau in den Labors von Bosch größer als ein Laptop, daraus wird eine Leiterplatte werden – und im Zuge der Miniaturisierung vielleicht ein Chip, nicht teurer als wenige Euro“, so Denner. „Und damit lassen sie sich etwa in einem leichten Helm unterbringen.“

Mit der Technologie der Quantensensorik kann der neue Bosch-Chef Stefan Hartung also zumindest in Zukunft wohl die Wünsche vieler Chinesen erfüllen. Die genannte Umfrage zu den Hoffnungen und Sorgen der Menschen in Bezug auf die technologische Entwicklung ergab aber auch einen Wunsch, der so schnell wohl nicht umzusetzen ist. Demnach hoffen mehr als ein Drittel der Deutschen auf das Beamen, berichtet das Handelsblatt.

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