Corona-Regeln in Betrieben

„Total absurd“: Bosch muss Kantine schließen - wegen Verordnung, die eigentlich Öffnung ermöglichen soll

Das Logo von Bosch leuchtet am Abend an der Halbleiterfabrik des Unternehmens.
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Bosch schließt die Betriebskantine wieder.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Lange Zeit war die Kantine der Firma Bosch dank einer Sondergenehmigung geöffnet. Jetzt, da die Verordnung Lockerungen erlaubt, schließt sie wieder. Der Grund ist kurios.

Stuttgart - Dank einer Sondergenehmigung war die Kantine der Firma Bosch auch in der Pandemie geöffnet. Gemeinsam mit Kollegen zu essen, war - unter Einhaltung strengster Hygiene-Vorkehrungen - damit seit Januar trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg beim Stuttgarter Unternehmen eingeschränkt möglich.

Seit Montag ist das in allen Kantinen im Südwesten wieder erlaubt. Laut der aktuellsten Corona-Verordnung des Landes braucht es für eine Öffnung keine Sondergenehmigung mehr. Was in der Theorie jedoch eine Lockerung nahelegt, macht die Sache in Wirklichkeit kompliziert. So kompliziert, dass Bosch die Kantine in Schwieberdingen im Landkreis Ludwigsburg nun wieder geschlossen hat. „Das ist eine total absurde Situation“, sagt Bosch-Sprecherin Christiane Spindler der Stuttgarter Zeitung.

Bosch-Kantine steht mit neuer Verordnung vor einer Herausforderung

Grund für den Ärger ist die Voraussetzung, welche die Corona-Verordnung für eine Kantinen-Öffnung neuerdings vorsieht. Geöffnet werden darf demnach nur, wenn zwischen den Gästen eineinhalb Meter Abstand eingehalten wird. Zudem muss überprüft werden, ob die Besucher getestet, geimpft oder genesen sind. Gerade Letzteres stellt die Bosch-Kantinenbetreiber aber vor eine Herausforderung.

Mit der Sondergenehmigung war dies zuvor nicht nötig. Das Konzept bei Bosch, das vom Gesundheitsamt genehmigt wurde, sah Desinfektionsspender und Trennscheiben zwischen den Plätzen vor, außerdem eine Obergrenze für Gäste. Das reicht seit Montag nicht mehr.

Bosch: 600 Mitarbeiter zu kontrollieren hält das Unternehmen für nicht praktikabel

Um den Kantinenbetrieb nun aufrechtzuerhalten, müsste das Personal jeden Mitarbeiter von Bosch am Eingang nach einem negativen Coronatest oder dem Impfausweis fragen. Laut Sprecherin Christiane Spindler seien rund 600 Mitarbeiter vor Ort. Sie täglich zu kontrollieren sei weder praktikabel noch gerecht. Nicht-Geimpfte, so die Idee, dürften dann nicht in die Kantine. Die Unternehmenssprecherin findet das nicht gerecht. „Das ist für uns eine Grenze, das machen wir nicht.“

Man habe sich deshalb für den „bescheuerten Weg“ entschieden, die Kantine wieder zu schließen. Seit Montag gibt es in der Bosch-Kantine vorerst nur noch ein To-Go-Angebot.

Bosch bekommt Unterstützung vom Hotel- und Gaststättenverband

Das Sozial- und Gesundheitsministerium sieht die Lage anders. Die Öffnungen würden mit mehr Sicherheit ausgeglichen werden, so ein Sprecher. Die Kantinen, Mensen und Cafés in den Betrieben seien damit nicht schlechter gestellt als beispielsweise herkömmliche Gastronomiebetriebe. Dort müssen Gäste selbst in der Außengastronomie noch Nachweise erbringen - wenngleich diese Regelung in Stadt- und Landkreisen, die fünf aufeinander folgende Tage lang unter einer Inzidenz von 35 bleiben, aufgehoben wird. Die Testpflicht sorgte jedoch auch für Frust bei den Gastronomen.

Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht die aktuelle Situation kritisch. „Viele Kantinen können unter diesen Bedingungen nicht arbeiten“, sagt der Sprecher Daniel Ohl zur Stuttgarter Zeitung. Das Regelwerk tauge in diesem Punkt nichts. Er fordert den Wegfall der Test- und Kontrollpflicht - zumindest in den Kantinen.

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