Synthethische Kraftstoffe

Neuer Bosch-Chef mahnt: Wichtige Alternative zum E-Auto wird zu wenig beachtet

  • Valentin Betz
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Das Ende des Verbrenners scheint nahe. Aber nicht alle sind für einen radikalen Wandel hin zum E-Auto. Der neue Bosch-Chef appelliert, zusätzlich zum E-Auto auch auf synthetische Kraftstoffe zu setzen.

Stuttgart - Verbrenner stehen nicht nur in Deutschland, sondern weltweit auf dem Abstellgleis. Um den Klimawandel zu meistern und die CO2-Grenzwerte einzuhalten, scheint mittlerweile kein Weg mehr an E-Autos vorbeizugehen. Auch Porsche schafft den Verbrenner früher ab, als gedacht.

Die Diskussion über E-Autos drängt allerdings die Tatsache in den Hintergrund, dass es auch noch andere Technologien gibt, die Klimaneutralität ermöglichen könnten. Der Automobilzulieferer Bosch hält deshalb immer strengere CO2-Grenzwerte für kritisch. Der ehemalige Bosch-Chef glaubt, dass die EU damit deutsche Autohersteller zum Scheitern verurteilt. Ähnlich sieht das auch der neue Bosch-Chef, Stefan Hartung. Gegenüber den Stuttgarter Nachrichten rückte er - zu dem Zeitpunkt noch Kfz-Chef bei Bosch - eine Alternative zur E-Mobilität wieder in den Fokus.

Verbot des Verbrenners kommt zu früh: Bosch-Chef hält wenig von harten Vorgaben

Gegenüber den Stuttgarter Nachrichten betont der neue Bosch-Chef Stefan Hartung, dass wir im Kampf gegen den Klimawandel „alles benötigen, was verfügbar ist“. Dazu gehören seiner Ansicht nach nicht nur E-Autos, sondern auch synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels. Auch Porsche arbeitet an der Alternative zu Wasserstoff und E-Auto.

Der neue Bosch-Chef Stefan Hartung (links im Bild) hält nicht viel von einem rigorosen Verbrenner-Verbot.

Wenn der Verbrenner perspektivisch verboten wird, bedeutet das aber auch das Aus für synthetische Kraftstoffe. Bislang wird zur Herstellung von E-Fuels noch viel Energie benötigt. Damit sie klimaneutral werden, „müssen diese Kraftstoffe selbst mit CO2-frei produziertem Strom hergestellt werden“, so Stefan Hartung. Dazu brauche es weitere Innovationen. „Erfindergeist stimuliere ich aber nicht mit technologischen Vorgaben“, erklärt Hartung gegenüber den Stuttgarter Nachrichten.

Neuer Chef von Bosch: Verbot von Verbrennern könnte „soziale Akzeptanz“ gefährden

Entsprechend problematisch sieht der neue Bosch-Chef Stefan Hartung es, einzelne Technologien von vornherein auszuschließen. Dabei mahnt er, die Bevölkerung nicht zu unterschätzen. „Damit wird hinter viele Arbeitsplätze ein Fragezeichen gemacht und auch die soziale Akzeptanz für die erforderlichen Maßnahmen verringert“, so Hartung. Die Sorge um den Job könne aber leicht die um den Klimawandel verdrängen, wodurch die Unterstützung notwendiger Maßnahmen fehle. Der Bosch-Chef ist sich deshalb sicher: „Gegen die Menschen wird sich Klimaschutz aber nicht realisieren lassen.“

Darüber hinaus plädiert Bosch-Chef Stefan Hartung gegenüber den Stuttgarter Nachrichten dafür, das Problem des Klimawandels weiterhin ganzheitlich zu betrachten. „Der Strom des Elektroautos muss CO2-frei hergestellt werden, und Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor müssen mit klimaneutralen Kraftstoffen betankt werden.“ Dafür müsse Deutschland die entsprechende Infrastruktur aufbauen. Hinzu käme, dass Deutschland auch massiv Strom importiere, der ebenso CO2-neutral werden müsse.

Perspektivisch setzt Stefan Hartung dennoch auf E-Autos. Bosch investiere jährlich hunderte Millionen Euro in die Technologie, allein 700 Millionen Euro im Jahr 2021. Lediglich abseits von Autos hält er auch synthetische Kraftstoffe in Zukunft für unabdingbar. „Wir werden sie brauchen – nicht zuletzt auch, um Flug- und Schiffsverkehr klimaneutral zu machen“, so Hartung zu den Stuttgarter Nachrichten.

Rubriklistenbild: © dpa/Collage

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