Schattenseite der Mobilitätswende

Neuer Bosch-Chef: Umstellung aufs E-Auto wird viele Jobs kosten

Bosch-Manager Stefan Hartung (links im Bild) hält nicht viel von einem rigorosen Verbrenner-Verbot.
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Bosch-Manager Stefan Hartung (links im Bild) will mit Brennstoffzellen möglichst viele Jobs erhalten. Einen Stellenabbau wird es wohl trotzdem geben.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Umstellung auf Elektromobilität stellt die Automobilhersteller vor große Herausforderungen. Auch Zulieferer Bosch ist davon betroffen. Es droht ein massiver Stellenabbau.

Stuttgart - Die Mobilitätswende ist in vollem Gange. Die Daimler AG, Porsche AG und andere große Autokonzerne fokussieren sich aktuell auf E-Autos. Porsche etwa entwickelt aktuell einen Antrieb, der laut Bill Gates E-Mobilität auf langen Strecken überlegen ist. Die Umstellung der Branche auf E-Mobilität hat auch Auswirkungen auf Zulieferer wie Bosch. Der Konzern hat bisher den Großteil seines Umsatzes mit Verbrenner-Technik erwirtschaftet. Doch Bosch kam immer mehr in Zugzwang.

Inzwischen setzt auch der weltgrößte Autozulieferer auf Elektromobilität. Bosch-Manager Volkmar Denner machte zuletzt eine mutige Prognose zum Durchbruch des E-Autos. „Die Elektromobilität wird für uns zum Kerngeschäft, die CO2-freie Mobilität zu einem Wachstumsfeld“, sagte er unter anderem zum Auftakt der Automesse IAA Mobility in München.

Zum Jahreswechsel 2021/2022 rückt Boschs Mobility-Solutions Manager Stefan Hartung an die Spitze des Unternehmens. Derzeit verantwortet Hartung noch den Unternehmensbereich Mobility Solutions, erlebt dadurch die Mobilitätswende hautnah mit. Im Gespräch mit Welt sprach er über die Transformation der Automobilbranche und seine Pläne für den Konzern.

Bosch-Manager Stefan Hartung: „Wir sollten möglichst bald kein Diesel und Benzin mehr nutzen“

Ausschließlich auf Elektromobilität setzen - das wolle man bei Bosch laut Stefan Hartung nicht. Wie ecomento.de berichtet, fördert das Unternehmen aus der Landeshauptstadt Stuttgart zwar verstärkt die Entwicklung von Elektro-Lösungen, doch eine Konzentration auf einen Antrieb sei aus der Sicht von Bosch vorerst noch die falsche Herangehensweise.  „Es geht nicht darum, den Verbrenner zu retten – sondern um die Frage, wie wir weltweit Mobilität CO2-frei machen, ohne sie abzuschaffen“, sagte Stefan Hartung.

Ein Problem sieht der Bosch-Manager in der Ladeinfrastruktur. In Städten könne man zwar auf viele verschiedene Mobilitätsformen zurückgreifen, doch auf dem Land, wo eine Ladeinfrastruktur für batteriebetriebene Fahrzeuge fehle, würden Verbrenner auch weiterhin gebraucht. „Wir sollten aber möglichst bald kein Diesel und Benzin mehr nutzen. Für Motoren brauchen wir daher CO2-freie Kraftstoffe – Paraffin, Biokraftstoffe oder synthetische Kraftstoffe“, so Stefan Hartung.

Der Druck auf die Automobilbranche und ihre Zulieferer wächst vor allem auch vonseiten der Regierung. Die geplante Euro-7-Abgasnorm bedeutet das Aus des Verbrennungsmotors in den nächsten zehn Jahren. Der EU-Klimaplan „Fit for 55“ gibt zudem neue Ziele für die Automobilbranche vor. So sollen ab 2035 Neuwagen keine Kohlendioxid-Emissionen mehr ausstoßen dürfen. Des Weiteren sollen die Konzerne bis 2030 den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen im europaweiten Schnitt von heute 95 Gramm CO2 pro Kilometer um 55 Prozent senken. Das stellt auch eine Herausforderung für Bosch dar, vor allem im Hinblick auf die langen Entwicklungszyklen.

Bosch: Brennstoffzellen sollen möglichst viele Arbeitsplätze retten

Für viele Mitarbeiter hat die Umstellung auf die E-Mobilität allerdings auch eine Schattenseite. Da für elektrisch betriebene Fahrzeuge weniger Komponenten gebraucht werden, als bei Verbrennern, wird dies zu einem Stellenabbau bei Bosch führen. „Wenn man die Wertschöpfung ins Verhältnis setzt, beschäftigen wir bei Bosch zehn Mitarbeiter für den Diesel, drei für den Benziner und einen in der Elektromobilität“, so Stefan Hartung.

Bosch wolle möglichst viele Mitarbeiter mit Fortbildungen und Qualifizierungsprogrammen auf die neuen Aufgaben vorbereiten, schreibt ecomento.de. Doch mit der Brennstoffzelle würden weitaus weniger Jobs verloren gehen. „Bei der Brennstoffzelle könnten wir, wenn sich der Markt wie erhofft entwickelt, ungefähr Faktor sieben erreichen – sie könnte also dabei helfen, Arbeitsplätze zu erhalten“, sagt der Manager.

Noch ist die Herstellung der Brennstoffzellen allerdings teuer. Zudem gibt es kaum Tankstellen für mit Brennstoff betriebene Fahrzeuge. Stefan Hartung glaubt dennoch an das Konzept.  „Wir sehen an unserer Stromrechnung, was schon eine kleine Transformation hin zu etwas mehr Wind und Fotovoltaik kostet. Ich meine, der Markt sollte die beste Lösung finden“, sagt der Bosch-Manager.

Bosch-Manager Stefan Hartung: „Mit Technik, Kreativität, Innovation und Fortschritt das Leben verbessern“

Um die Ziele der geplanten Abgasnorm einzuhalten und auch ein CO2-freies Leben erreichen zu können, sei eine Wasserstoff-Infrastruktur sowohl in Deutschland, als auch in der EU nötig, glaubt Stefan Hartung. Beim Aufbau der Ladeinfrastruktur sieht er die Politik in der Pflicht.

Wasserstoff sei auch die Zukunft der privaten Haushalte, etwa bei der Heizung oder Klimatisierung, so Stefan Hartung weiter. Der künftige Bosch-Chef betonte, dass er es als wichtig erdachte, dass man von den nicht nachhaltigen Kraftstoffen wegkomme. Doch er wolle dabei nicht ausschließlich auf Elektromobilität setzen, sondern auch andere Wege beschreiten, um Kohlendioxid einzusparen. „Es ist meine feste Überzeugung, dass man mit Technik, mit Kreativität, Innovation und Fortschritt das Leben verbessern kann, auch in Hinblick auf die Klimaziele.“

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