Einreisestopp

Bosch verliert Geduld mit Japans Corona-Politik - „es funktioniert einfach nicht mehr“

Das Logo des Technikkonzerns Bosch vor der Konzernzentrale
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Der Chef von Bosch Japan kritisiert scharf die Corona-Politik des asiatischen Insellandes. Viele Arbeitskräfte dürfen aufgrund geltender Regeln nicht einreisen, einige Projekte würden dadurch gefährdet.
  • Nadja Pohr
    VonNadja Pohr
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Vom Einreisestopp in Japan sind viele ausländische Arbeitskräfte betroffen. Der Präsident von Bosch Japan kritisiert deshalb die Corona-Politik des Landes.

Stuttgart - Im Fernen Osten siedeln sich immer mehr große Unternehmen an. Erst im vergangenen Jahr verkaufte Bosch ein ganzes Werk nach China. Doch im Inselland Japan werden die Arbeitgeber jetzt vor neue Problemen gestellt: Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, hat das Land seine Grenzen für Ausländer dicht gemacht. Bosch verliert deshalb die Geduld.

Die Angst vor der Ausbreitung der Omikron-Variante in Japan ist groß. Die Folge: Das Land schottet sich immer mehr ab. Neben Einreisestopps stellt das japanische Konsulat sogar seit Dezember keine Visa mehr aus. Darüber ärgern sich besonders die ausländischen Unternehmen wie der Autozulieferer Bosch, der nicht nur die Wirtschaft in Baden-Württemberg ankurbelt: Viele Arbeitskräfte dürfen ebenfalls nicht einreisen.

Bosch-Chef in Japan verliert Geduld mit Corona-Politik des Landes

Bereits 31 ausländische Bosch-Mitarbeiter mitsamt 37 Angehörigen stehen derzeit in der Warteschlange für ein Einreisevisum, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Aus diesem Grund äußert sich Klaus Meder, Präsident von Bosch Japan, verärgert über die Corona-Politik in Japan. Die Isolierung des Landes wirkt sich direkt auf das Tagesgeschäft aus. „Die von diesen Mitarbeitern betreuten Projekte sind gefährdet, wichtige Vorhaben für japanische Kunden verzögern sich“, beklagt Meder.

Besonders betroffen sei laut Meder die Bosch-Sparte für Zweiräder und Power Sports, da sie von Japan aus weltweit geführt wird: „Wir kriegen die Leute nicht rein, es funktioniert einfach nicht mehr.“ Auch auf Top-Manager wird keine Rücksicht genommen, weswegen Karl Deppen, der neue Präsident der japanischen Daimler-Tochter Mitsubishi Fuso, immer noch auf sein Einreisevisum wartet. Aufgrund des Einreisechaos überlegen einige Bosch-Mitarbeiter bereits, woanders hinzugehen. Damit entgingen dem Unternehmen jedoch Chancen, Talente nach Japan zu bringen, in die schon viel investiert wurde, wie Japan-Chef Meder erklärt.

Weitere Unternehmen schließen sich der Kritik des Bosch-Chefs in Japan an

Der Kritik an der Corona-Strategie des Landes schließen sich auch weitere große Unternehmen an. Masakazu Tokura, Chef des Chemieriesen Sumitomo Chemical, warnt, dass die Maßnahmen wirklichkeitsfremd seien und japanische Verhandlungen mit ausländischen Unternehmen über Fusionen und neue Geschäfte behindern. Auch Keidanren, die mächtigste Wirtschaftslobby in Japan, unterstützt die Regierungspolitik nicht mehr.

Hiroshi Mikitani, Leiter der Internetfirma Rakuten, ist fassungslos: „Ich kann kaum glauben, dass wir ausländische Austauschstudenten und Leute, die in Japan arbeiten wollen, draußen so lange warten lassen, das ist lächerlich.“ Doch das Landesoberhaupt Fumio Kishida wird an seiner Corona-Politik vermutlich nichts ändern: Eine große Mehrheit der japanischen Bevölkerung hält die Grenzschließungen nämlich für richtig.

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