Abkehr vom Verbrenner

Bosch verkauft ganzes Werk an chinesisches Unternehmen - 300 Mitarbeiter betroffen

Das Bosch Logo steht auf dem Werksgelände der Robert Bosch Automotive Steering GmbH in Bietigheim.
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Bosch im Umbruch: Der Automobil-Zulieferer stellt sich auf eine Zukunft mit E-Autos ein und muss dafür Standorte schließen.
  • Valentin Betz
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Der zunehmende Anteil von E-Autos macht auch den Automobilzulieferern zu schaffen und zwingt sie zum Wandel: auch Bosch muss einiges ändern. Ein ganzes Werk steht nun vor dem Aus.

Göttingen/München - Die Automobilindustrie beschleunigt zusehends die Abkehr vom Verbrennungsmotor und setzt künftig verstärkt auf E-Autos. Der Wandel ist für Konzerne wie Daimler oder Porsche bereits schwer zu stemmen. Für Zulieferer, die jahrzehntelang Teile für Verbrenner geliefert haben, ist er eine Mammutaufgabe. Auch Bosch prägt als Automobil-Zulieferer maßgeblich die Wirtschaft in Baden-Württemberg und muss sich auf die veränderten Gegebenheiten einstellen.

Dabei zeigte sich das Traditionsunternehmen aus Baden-Württemberg technologieoffener, als so mancher Fahrzeughersteller. Kürzlich mahnte der neue Bosch-Chef, eine wichtige Alternative zum E-Auto mehr zu beachten: Stefan Hartung glaubt beim Kampf gegen den Klimawandel auch an synthetische Kraftstoffe. Doch trotz Technologieoffenheit ist Bosch dazu gezwungen, den Weg seiner Kunden mitzugehen. Das führt beim Unternehmen auch zu unliebsamen Entscheidungen. Denn für E-Autos sind im besten Fall andere, insgesamt aber wohl weniger Teile notwendig. Wie das Handelsblatt berichtet, dünnt Bosch deshalb das eigene Produktionsnetz weiter aus.

Bosch verkauft Standorte: Neben Göttingen könnte auch München betroffen sein

Zu einem der Opfer des Wandels zur E-Mobilität bei Bosch zählt offenbar das Werk in Göttingen mit 300 Angestellten. Bislang sortierte der Zulieferer dort Ersatzteile und bereitete sie zur Wiederverwendung auf. Bosch verkauft den Standort offenbar an das chinesische Unternehmen Gotion High-Tech, das Batterien und Energieübertragungssysteme herstellt. Künftig sollen in Göttingen dann Lithium-Ionen-Batterien montiert werden. Ob und wie viele der Angestellten eventuell übernommen werden können, ist unklar.

Offenbar belässt es Bosch aber nicht nur beim Verkauf des Standorts in Göttingen. Wie der Merkur* berichtet, prüft Bosch auch die Werk-Schließung in München. Für den Standort im Stadtteil Berg am Laim steht auch eine Produktionsverlagerung zur Debatte. Bosch führe „derzeit Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zur Zukunft des Standorts“, sagte eine Konzernsprecherin gegenüber dem Merkur.

Standorte von Bosch bedroht: Werke fallen Wandel zum E-Auto zum Opfer

Als Begründung für die Überlegungen, den Standort in München zu verlagern, nannte die Konzernsprecherin den Wandel vom Verbrenner zum E-Auto. Dies führe zu „erheblichen Überkapazitäten und damit zu einem hohen Anpassungsbedarf“ – eine Entwicklung, der sich auch Bosch nicht entziehen könne.

Bislang fertigte Bosch im Münchener Werk elektrische Kraftstoffpumpen und Einspritzventile -Teile, die im E-Auto keine Verwendung mehr finden. Von einer Schließung oder Verlagerung wären in München 250 Mitarbeiter betroffen. Die Abkehr vom Verbrenner führt bei Bosch allerdings nicht nur zu Personalabbau und Werksschließungen. Durch den Bedarf an neuen Teilen ergeben sich auch Möglichkeiten für den Zulieferer. In Dresden eröffnete Bosch unlängst eine hochmoderne Chipfabrik, die ein großes Problem deutscher Autobauer bekämpft. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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