Widersprüchliche Umfrage

Bosch entlarvt mit einer Studie irrsinnigen Widerspruch von E-Autos

  • Valentin Betz
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Laut einer Umfrage von Bosch gehört dem E-Auto die Zukunft. Doch die Studie zeigt auch, warum sich elektrisch betriebene Fahrzeuge noch für lange Zeit nicht durchsetzen werden.

Stuttgart - Die Fahrzeughersteller in Deutschland konzentrieren sich immer mehr auf die E-Mobilität. Zuletzt herrschte in Baden-Württemberg ein E-Auto-Boom. Die Zulassungszahlen verdreifachten sich fast.

Auch die Fahrzeughersteller aus Stuttgart entwickeln inzwischen E-Autos. Die Daimler AG erklärte Tesla im Kampf ums E-Auto sogar den Krieg. Die Porsche AG will nach ihrem ersten E-Auto, dem Taycan, ebenfalls nachlegen: Der Porsche Macan Elektro hat auffällige Ähnlichkeit zu Tesla.

Eine Umfrage des Automobil-Zulieferers Bosch hat jetzt ergeben: 68 Prozent der befragten Europäer glauben daran, dass ab 2030 die E-Mobilität vorherrscht. Die Umfrage förderte allerdings auch ein Paradox zutage: Wie das passieren soll, bleibt unklar - denn ein Großteil würde momentan noch Verbrenner kaufen.

Bosch-Studie: Die Zukunft gehört der E-Mobilität, die Gegenwart dem Verbrenner

Die Gegenwart sieht laut der Befragung durch Bosch allerdings ganz anders aus. Denn nur 12 Prozent der 2.619 Befragten aus Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien würden sich momentan als Erstwagen ein E-Auto kaufen. Stattdessen tendieren nach wie vor 50 Prozent der befragten Europäer zu einem Verbrenner - in Deutschland sogar 60 Prozent. Das dürfte besonders Daimler freuen, denn der Konzern hat beim E-Auto Nachholbedarf. Im Vergleich mit anderen Autobauern erzielt Daimler ein peinliches Ergebnis.

Mit 28 Prozent sind Hybrid-Autos in Europa noch die erste Alternative zum Verbrenner. Immerhin können sich 20 Prozent der befragten Deutschen vorstellen, sich derzeit ein E-Auto als Zweitwagen anzuschaffen. Bosch selbst „geht die Zukunft des Antriebs technologieoffen an“, heißt es in einer Mitteilung zu der Umfrage. Darin sieht sich das Unternehmen offenbar durch das Ergebnis bestätigt.

Eine Studie von Bosch zeigt: Europäer glauben an die Zukunft von E-Autos, würden aber selbst keines kaufen

„Die Elektromobilität kommt – das ist gut so. Bosch investiert allein in diesem Jahr 500 Millionen Euro in diesem Bereich. Gleichzeitig entwickeln wir auch den Verbrennungsmotor ständig weiter, weil er noch immer gebraucht wird“, so Stefan Hartung, Mitglied der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH.

Nicht nur E-Autos: Auch Bevölkerung befürwortet laut Bosch-Studie die Förderung von eFuels

Die Umfrage von Bosch beschäftigte sich nicht nur mit der Elektromobilität. Die Teilnehmer wurden auch nach eFuels befragt. Demnach befürworten 57 Prozent der Europäer eine steuerliche Förderung der synthetischen Kraftstoffe. Das dürfte besonders die Porsche AG freuen. Porsche ist bei den E-Autos trotz Erfolgs des Taycan skeptisch. Deshalb will der Sportwagenhersteller auch andere Antriebsarten verfolgen.

In 10 Jahren will Porsche eFuels serienmäßig einsetzen - und damit den Wandel zur E-Mobilität stützen. Insgesamt erscheinen die Ergebnisse der Bosch-Umfrage allerdings paradox. Die Befragten scheinen sich selbst offenbar nicht als Faktor wahrzunehmen, der maßgeblich den Durchbruch der E-Mobilität bis 2030 beeinflusst.

Das Magazin Teslamag geht sogar noch weiter. „Insgesamt entsteht so fast der Eindruck, der durchschnittliche Europäer wolle gar kein Elektroauto, erwarte aber, dass sie sich bis 2030 durch politische Vorgaben trotzdem durchsetzen“, so Teslamag. Gleichzeitig herrsche aber auch eine Skepsis gegenüber E-Mobilität. Mit Blick auf 2030 vermutet Teslamag deshalb: „Positiver könnte man interpretieren, dass erwartet wird, dass bis dahin alles erledigt ist, was heute noch gegen Elektroautos spricht.“

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler

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