Strenge Grenzwerte

Bosch-Chef schlägt Alarm: EU verdammt deutsche Autohersteller zum Scheitern

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Die EU plant strengere CO2-Grenzwerte. Autobauer fürchten deshalb um den Verbrenner - und damit auch die Zulieferer. Der Chef von Bosch ist alarmiert.

Stuttgart - Die deutsche Autoindustrie befindet sich inzwischen mitten im Strukturwandel zur E-Mobilität. Lange Zeit hatten Hersteller wie die Daimler AG oder die Porsche AG die Entwicklung der E-Autos verschlafen. Allerdings wird der Umstieg noch Jahre beanspruchen - und der Verbrenner wird deshalb nicht automatisch aufgegeben. Die EU will allerdings die Abgasnormen strenger machen - und den Verbrenner sogar verbieten. Das ist nicht nur für Daimler, Porsche & Co. eine Horrorvorstellung. Auch die Zulieferer der Branche hängen am Verbrennungsmotor. Der Chef des weltgrößten Autozulieferers Bosch, Volkmar Denner, hat sich deshalb jetzt besorgt geäußert.

Strengere CO2-Grenzwerte: Bosch-Chef fühlt sich von EU missverstanden

Sowohl den Fahrzeugherstellern, als auch den Zulieferern fehle dabei vor allem die Zeit, die strengeren CO2-Grenzwerte rechtzeitig zu erfüllen. Zuletzt hatte Daimler im Vergleich mit anderen Autobauern dort peinlich abgeschnitten.

Bosch-Chef Volkmar Denner fühlt sich von der EU im Hinblick auf den Kampf gegen den Klimawandel vor allem missverstanden. „Bosch und die gesamte deutsche Autoindustrie stehen zum Klimaabkommen von Paris und den damit verbundenen Zielen der EU“, so Volkmar Denner laut der Deutschen Presseagentur dpa.

Die EU plant strengere CO2-Grenzwerte. Bosch-Chef Volkmar Denner ist alarmiert.

„Dafür brauchen wir keine Verbotspolitik, sondern wir müssen schnellstmöglich die Schwächen der heutigen Regulierung beseitigen.“ Emissionen müssten endlich unter realen Fahrbedingungen und entlang der gesamten Wertschöpfungskette betrachtet werden.

Bosch-Chef kritisiert EU: CO2-Grenzwerte schließen klimafreundliche Technologien aus

Ende 2021 will die EU-Kommission neue Schadstoff-Grenzwerte in einer Euro-7-Norm für Autos und Vans vorschlagen, die dann 2025 in Kraft treten sollen. Eine Entscheidung über Rahmen, Umfang, Grenzwerte oder Fristen sei aber noch nicht gefallen. Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin hatte deshalb bereits einen warnenden Brief an Winfried Kretschmann geschrieben.

Auch Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut hält die bestehenden Regeln für ausreichend und fürchtet, dass noch strengere Auflagen die Wirtschaft überfordern könnten. Bosch-Chef Volkmar Denner stört vor allem, dass von den neuen Grenzwerten hauptsächlich die E-Mobilität profitiert. Die Vorschläge böten Anlass zur Sorge, „weil wir klimafreundliche Technologien von vornherein ausschließen und sehenden Auges in eine Zielverfehlung laufen“, so Volkmar Denner.

Beim Klimawandel setzt der Chef von Bosch anders als die EU auf einen Antriebsmix

Zu solchen klimafreundlichen Technologien zählt Bosch-Chef Volkmar Denner beispielsweise auch alternative Kraftstoffe, sogenannte eFuels. Die Klimaziele seien nur mit einem offenen und breiten technologischen Ansatz zu schaffen. Der Autozulieferer Bosch steckt selbst viel Geld in die E-Mobilität, ein großer Teil des Geschäfts hängt aber am Verbrenner.

Volkmar Denner wünscht sich einen Schulterschluss zwischen Politik und Industrie, durch den auch über Themen wie Wasserstoff, vernetztes und automatisiertes Fahren sowie die Nutzung von Mobilitätsdaten diskutiert wird.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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