Produktion in Reutlingen

Bosch baut revolutionäre Chips für E-Autos, um Reichweite massiv zu steigern

Gestapelte Wafer mit SiC-Chips im Halbleiterwerk von Bosch in Reutlingen.
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Bosch will die Fertigungskapazität von SiC-Chips auf eine Stückzahl im dreistelligen Millionenbereich erhöhen.
  • Julian Baumann
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Die vergleichsweise geringe Reichweite ist noch immer ein häufiger Kritikpunkt an E-Autos. Bosch startete nun die Produktion von Chips, die dieses Problem lösen sollen.

Stuttgart/Reutlingen - Die weltweite Autoindustrie steckt noch immer in der Chipkrise, ausgelöst durch einen Lieferengpass von Halbleiterkomponenten. Der weltgrößte Autozulieferer Bosch, mit Sitz in der Landeshauptstadt Stuttgart, kündigte an, weitere 400 Millionen Euro in die Chipfertigung an den Bosch-Standorten Reutlingen, Dresden und Penang investieren zu wollen. Erst vor wenigen Monaten errichtete Bosch „die modernste Chipfabrik der Welt“ in Dresden. In Reutlingen startete der Mischkonzern nun die Produktion von speziellen Chips, die ein oft genanntes Problem von E-Autos lösen soll.

Autobauer wie Mercedes-Benz setzen ihren Fokus inzwischen stark auf das E-Auto. Der Stuttgarter Autokonzern leitete mit dem Mercedes EQS, der elektrischen S-Klasse, eine neue Ära ein. Die Luxuslimousine ist mit einer elektrischen Reichweite von über 800 Kilometer auch einer der Spitzenreiter weltweit. Insgesamt ist ein viel zitierter Kritikpunkt an E-Autos die im Vergleich zu den Verbrenner-Modellen deutlich geringere Reichweite. Dieses Problem sollen die Siliziumkarbid-Chips (SiC) von Bosch nun lösen, wie es in einer Pressemitteilung des Konzerns heißt. Zudem soll durch die Halbleiterkomponenten auch die Ladezeit der Stromer reduziert werden.

Bosch startet Produktion von SiC-Chips in Reutlingen und will „weltweit führend werden“

Der Großkonzern Bosch mit rechtlichem Sitz in Stuttgart und Hauptverwaltung in Gerlingen ist weltweit für qualitative Werkzeuge wie Bohrmaschinen und Co. bekannt. Das Unternehmen ist zudem jedoch auch der größte Automobilzulieferer der Welt und beliefert in diesem Bereich seit langem Autobauer wie Mercedes, VW, BMW und Co. Nun beliefert Bosch Hersteller weltweit auch mit den revolutionären SiC-Chips, die im Werk in Reutlingen produziert werden. Nach einer mehrjährigen Entwicklungszeit startete Bosch die Großproduktion der Chips. „Siliziumkarbid-Halbleiter haben eine große Zukunft. Wir wollen weltweit führend bei der Herstellung von SiC-Chips für die Elektromobilität werden“, sagt Harald Kröger, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH.

Zukünftig sollen die Siliziumkarbid-Halbleiter in immer mehr Serienfahrzeuge der bekannten Autobauer eingebaut werden. Erste Muster für die Erprobung bei den Kunden werden bereits seit Anfang des Jahres in Reutlingen produziert. „Unsere Auftragsbücher sind voll. Grund ist die boomende Elektromobilität“, sagt Kröger. In Zukunft soll die Produktion am Standort in Reutlingen deutlich ausgeweitet und auch die Raumkapazität im Werk ausgebaut werden. Bosch plant laut der Mitteilung, die Fertigungskapazität von SiC-Leistungshalbleitern auf eine Stückzahl im dreistelligen Millionenbereich zu erhöhen. Gleichzeit arbeitet das Unternehmen bereits an einer zweiten Generation der SiC-Chips, die im kommenden Jahr in die Fertigung gehen sollen.

Bosch: SiC-Chips können Reichweite von E-Autos deutlich erhöhen

Die elektrische Reichweite von E-Autos hängt zum einen von der Batteriekapazität und zum anderen von dem jeweiligen Stromverbrauch ab. E-Autos mit einem großen Akku haben demnach auch eine höhere Reichweite, genau wie auch Verbrenner-Modelle mit einem großen Benzintank weiter kommen. Die SiC-Chips von Bosch können die Reichweite der Fahrzeuge jedoch erhöhen, indem sie den Stromverbrauch senken. „Mit Leistungshalbleitern aus Siliziumkarbid lässt sich vorhandene Energie besonders effizient nutzen“, sagt Harald Kröger. „Diese Vorteile spielt das Material insbesondere bei energieintensiven Anwendungen wie der Elektromobilität aus.“

Die Siliziumkarbid-Chips von Bosch sorgen in den Leistungselektroniken von E-Autos sorgen dafür, dass Autofahrer mit einer Batterieladung deutlich weiter fahren können. Im Vergleich zu den bekannten Silizium-Halbleitern soll die Reichweitensteigerung durch die SiC-Chips rund sechs Prozent betragen, heißt es in der Pressemitteilung. Zudem seien die Chips auch für 800 Volt-Systeme wichtig, wo sie schnelleres Laden und eine erhöhte Leistung ermöglichen.

Bosch ist nach eigenen Angaben der einzige Autozulieferer weltweit mit einer eigenen Produktion von SiC-Chips. Durch die Fertigung in Reutlingen und die Auslieferung in die ganze Welt mindert der Konzern demnach auch den Einfluss von Zulieferern aus dem Ausland.

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