Werksschließungen drohen

Bosch: Mitarbeiter kämpfen verzweifelt um ihre Jobs - „Tod auf Raten“

Eine Bosch-Mitarbeiterin arbeitet in einem Werk.
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Bosch: Mitarbeiter wehren sich gegen den Konzern.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Bei Bosch stehen im Zuge der Umstrukturierung des Konzerns zahlreiche Stellen vor dem Aus. In Bühl, Arnstadt und München regt sich heftiger Widerstand gegen die Entlassungen.

Bühl/Arnstadt - In der Mitarbeiterschaft des Technologiekonzerns Bosch brodelt es aktuell gewaltig. Allein in den Werken Bühl und Bühlertal baut Bosch bis 2025 im Zuge des Konzernumbaus in Richtung E-Mobilität rund tausend Stellen ab. An den Standorten Arnstadt (Thüringen) und München drohen Schließungen ganzer Werke - mit je 100 beziehungsweise 250 Beschäftigten.

Wie das Handelsblatt berichtet, überbrachte Lutz Welling, Geschäftsführer des Bosch-Werks in Arnstadt, die schlechte Nachricht Anfang November an seine Mitarbeiter. Ende des Monats müsse die Produktion von Generatoren-Reglern an dem thüringer Standort leider eingestellt werden, da es an Terminen und Aufträgen mangle. Der Hintergrund: Elektroautos benötigen keine klassischen Lichtmaschinen.

„Bosch macht die Mitarbeiter psychisch mürbe“

Bei der Schließung des Werks in Arnstadt bricht Bosch einen Tarifvertrag, der den 100 Angestellten eigentlich eine Beschäftigungssicherung zugesagt hat. Sie sollen nun ab 1. Dezember freigestellt werden. Voller Unverständnis kämpfen die Bosch-Mitarbeiter gegen den Stellenabbau und verweisen darauf, dass der Tarifvertrag noch bis 2022 den Standort absichern soll.

„Bosch pfeift auf die gesetzliche Mitbestimmung und entsorgt die Mannschaft einfach in die Abstellkammer, um sie psychisch mürbe zu machen“, kritisiert Kirsten Joachim Breuer von der IG Metall in Erfurt. „Doch diesen Tod auf Raten lassen sich die Beschäftigten nicht bieten. In der Betriebsversammlung sind viele aufgestanden und haben der Geschäftsleitung klar gesagt: Wir sind Boschler, wir wollen hier arbeiten.“ Anstatt eine bezahlte Freistellung zu akzeptieren, kämpfen die Mitarbeiter nun für einen Beschäftigungsanspruch.

IG Metall in Kampfbereitschaft: „Wer Streit will, kann ihn gerne haben“

Gemeinsam mit Anwälten und Wirtschaftsexperten arbeiten Betriebsrat und IG Metall an Alternativkonzepten zur Fortführung des Standorts in Arnstadt. Die IG Metall betont, dass die Beschäftigten den Bruch ihres Tarifsvertrags nicht widerstandslos hinnehmen. „Wer Streit haben will, kann ihn gerne haben“, macht Kirsten Joachim Breuer von der IG Metall Erfurt klar. „Wir sind bereit.“

Um ihrem Anliegen Ausdruck zu verleihen, protestieren Bosch-Beschäftigte, Betriebsräte und IG Metall am heutigen Freitag, 19. November, an den Standorten Bühl/Bühlertal, Arnstadt und München gegen den drohenden Stellenabbau. Dabei sind die Betroffenen nicht alleine: Die Kollegen und Betriebsräte anderer Standorte stehen hinter ihnen und reisen mit Bussen aus anderen Regionen zu den Demonstrationen.

Bosch wehrt sich gegen die Anschuldigungen: „Tun alles für die Weiterbeschäftigung“

Während die IG Metall den Bruch der Tarifverträge der Mitarbeiter in Arnstadt scharf kritisiert, widerspricht Bosch dieser Darstellung. Wie eine Sprecherin gegenüber dem Handelsblatt erklärte, halte sich das Unternehmen an getroffene Vereinbarungen. „Vielmehr sehen wir keine Alternative zur Einstellung der Geschäfte in Arnstadt und wollen den Beschäftigten keine falschen Hoffnungen machen.“

Wie Personalchefin Filiz Albrecht betonte, sei sich Bosch seiner unternehmerischen Verantwortung bewusst. „In intensiven Gesprächen mit dem Sozialpartner setzen wir uns dafür ein, erforderliche Maßnahmen zu prüfen und die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung auszuschöpfen“, so die Personalchefin. Alternativ würden den Betroffenen Arbeitsplätze in Eisenach und im bayerischen Ansbach angeboten. „In der anspruchsvollen Übergangszeit zur nachhaltigen Mobilität stehen wir an unseren Standorten vor unterschiedlichen Herausforderungen und Zukunftschancen - zugleich müssen wir unsere Konkurrenzfähigkeit im Markt erhalten“, so Albrecht.

Bosch-Betriebsrat: „Bin erschüttert, wie es um das soziale Gefüge und die Werte bei Bosch steht“

Gesamtbetriebsratschef Frank Sell zeigte sich gegenüber dem Handelsblatt „erschüttert, wie es um das soziale Gefüge und die Werte bei Bosch steht.“ Dass mit Arnstadt und München - Berg am Laim ganze Standorte geschlossen werden und gleichzeitig tausend Arbeitsplätze am Standort Bühl/Bühlertal abgebaut werden, laufe irgendwas falsch. „Wir können nicht akzeptieren, dass der Strukturwandel bei Bosch auf die Kosten der Mitarbeiter geht. Wir fordern eine faire Transformation - und zwar mit den Beschäftigten im Fokus“, so Sell. Er fordert von der Konzernführung, Arbeitsplätze durch standort- und geschäftsübergreifende Transfers zu sichern.

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