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Palmer verärgert mit Dreadlock-Foto Schwarze Menschen - „Paradebeispiel für Ignoranz in unserer Gesellschaft“

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Von: Nadja Pohr

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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hebt entschuldigend die Hände, links ist er in einer Foto-Montage mit Dreadlocks zu sehen.
Tübingens OB Boris Palmer ist wegen einer auf Facebook veröffentlichten Foto-Montage, die ihn mit Dreadlocks zeigt, scharf kritisiert worden. © Fotomontage: BW24/Facebook Boris Palmer/ULMER/IMAGO

Die Black Community Foundation Stuttgart verurteilt die Fotomontage von Boris Palmer mit Dreadlocks scharf. Der Verein hält den Politiker für ignorant.

Stuttgart/Tübingen - Dass die Fridays-For-Future-Ortsgruppe aus Hannover eine weiße Künstlerin wegen ihrer Dreadlocks von einer Demonstration auslud*, schlug in den Medien hohe Wellen. Die Klimaschutzbewegung sprach von kultureller Aneignung, da Dreadlocks ein Widerstandssymbol Schwarzer Menschen seien. Die Black Community Foundation Stuttgart* steht dabei hinter der Begründung der Fridays-For-Future-Gruppe.

Seit 2020 kämpft der Verein gegen institutionelle und strukturelle Unterdrückung und für die Gleichberechtigung aller Schwarzen Menschen in Deutschland und darüber hinaus. Gegenüber BW24 erklärt die Bewegung, dass eine kulturelle Aneignung in diesem Fall keine Frage sei. „Dreadlocks sind für Schwarze Menschen nicht nur ein Symbol von Widerstand gegen das Unterdrücken Weißer, sondern sind Identität“, schreibt die Organisation aus Baden-Württemberg*.

„Kulturelle Aneignung ist ein Teil von Rassismus, dem immer noch mit viel Ignoranz begegnet wird“, erklärt die Black Community Foundation weiter. Anhand der aktuellen Diskussionen, die teilweise spöttisch und abwertend seien, würde sich dies bestätigen.

Boris Palmer zeigt sich mit Dreadlocks auf Facebook und verärgert die Black Community Foundation

Auch Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer schaltete sich auf Facebook zu der Debatte ein. In einem Beitrag schießt er gegen Fridays For Future und bezeichnet die Entwicklung der Klimaschutz-Bewegung darin als gefährlich (BW24* berichtete). In einem weiteren Post teilt er eine Fotomontage von sich mit Dreadlocks und verkündet: „Ich bin ein freiheitsliebender Mensch. Wenn ich die Haarlänge dafür hätte, würde ich mir jetzt Dreadlocks machen lassen.“ Die Black Community Foundation zeigt sich verärgert darüber.

„Der Post des Bürgermeisters aus Tübingen ist ein Paradebeispiel dafür, wie viel Ignoranz in unserer Gesellschaft noch vorhanden ist“, erklärt die Gruppierung auf Anfrage von BW24. Der Beitrag würde darüber hinaus zeigen, „wie wenig Wert auf die Gefühle und Traumata von Schwarzen Menschen gelegt wird und wie wenig Empathie vorhanden ist.“ Auch, dass Palmer zwischen Rassismus und Klimaschutz unterscheide, stimme nicht. „Kolonialismus, Rassismus und der Klimawandel sind eng miteinander verbunden und nur eine Klimabewegung, die anti-rassistisch ist, kann eine nachhaltige Klimabewegung sein.“

Boris Palmer legt nach und teilt Putin mit Dreadlocks

Rassismus wurde Boris Palmer schon einmal unterstellt, als er sich zu Fußballer Dennis Aogo äußerte. In einer Satire-Show bezog er dazu kürzlich Stellung* und sagte, das sei lediglich ein gescheiterter Versuch von Satire gewesen - er mache sich nicht absichtlich zum Deppen. Seine umstrittenen Äußerungen brachten dem Grünen-Politiker schließlich ein Parteiausschlussverfahren ein*, das gerade geprüft wird.

Unter seinem Dreadlock-Beitrag erhält Boris Palmer allerdings viel Zuspruch von den Facebook-Nutzern. Der Oberbürgermeister von Tübingen legte daraufhin noch einmal nach und teilte einen satirischen Beitrag mit einem Bild, auf dem Russlands Präsident Putin mit Dreadlocks zu sehen ist. Erneut erntete er damit viele Lacher aus seiner Community. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

 

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