„SOS Großstadtklinik“

Blutig und nah dran - SWR zeigt Alltag in Stuttgarter Krankenhaus

Ärztinnen im Diakonie-Klinikum Stuttgart stehen im Operationssaal. Die neunteilige Dokureihe "SOS Großstadtklinik" zeigt der SWR ab dem 4. Oktober.
+
Die SWR-Dokureihe „SOS Großstadtklinik“ zeigt den Alltag im Stuttgarter Diakonie-Krankenhaus.

Eiter, viel Blut und ein Finger im Po - die SWR-Doku «SOS Großstadtklinik» ist nichts für schwache Nerven. Wer sich für Medizin interessiert, kommt aber auf seine Kosten.

Stuttgart (dpa/lsw) - Gelblich, löchrig und blutig sieht der Magen aus, den Barbara Kraft ihrem Patienten gerade aus dem Bauch herausgeschnitten hat. Diagnose Krebs. Die Geräte im OP-Saal piepsen leise, während die Chirurgin den nächsten Schritt erklärt: Aus dem Dünndarm soll ein Ersatzmagen gebildet werden. Als Zuschauer der SWR-Doku «SOS Großstadtklinik» ist man ganz nah dran am Skalpell und kann den Ärztinnen und Ärzten im Diakonie-Klinikum Stuttgart über die Schulter schauen.

Den direkten Einblick in das Krankenhaus ermöglichten Bodycams und 17 sogenannte Remote-Kameras, die das Produktionsteam fernsteuern konnte. Mehr als acht Wochen lang begleitete das Team den Klinikalltag. Herausgekommen ist eine neunteilige Doku-Reihe, die Patientengespräche, Behandlungen und Klinikpersonal ab dem 4. Oktober im SWR zeigt.

SWR-Doku: Stuttgarter Krankenhauspersonal erklärt Vorgänge für Laien

Die gezeigten Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte sowie Sanitäterinnen und Sanitäter kommentieren dabei für den Laien, was sie da eigentlich machen. «Sie müssen sich das vorstellen wie eine kurze Schwangerschaft», sagt beispielsweise Chefärztin Kraft nach einer Leistenbruch-Operation, bei der Gas in den Bauchraum gefüllt wird. Durch Aufbähen des Bauchs mit dem Gas werde Platz für die OP-Instrumente geschaffen.

Obwohl Krankheit und Schmerz im Krankenhaus an der Tagesordnung stehen, lädt die Doku-Reihe auch immer wieder zum Schmunzeln ein. «Finger im Po, Mexiko», sagt Pflegerin Mónica Rosende Evaristo ganz trocken nach einer rektalen Untersuchung eines Patienten, der über Schmerzen am Schließmuskel geklagt hatte. Dass sich jemand ohne Hose in einer solchen Situation zeigen lässt, ist ungewöhnlich. Sämtliche gezeigten Patientinnen und Patienten hatten den Dreharbeiten vorab zugestimmt, wie die Filmmacher und das Klinikum betonen. Nur wenige Menschen wurden verpixelt.

Der Fokus der Doku wurde bewusst auf Ärztinnen und Ärzte sowie auf Pflegepersonal gelegt, wie Produzentin Eileen Fröhlich erläutert. Ursprünglich sollte nur die Notaufnahme gefilmt werden. Ziel war es, anhand des Klinikpersonals die Geschichten der Patienten möglichst lange weiter zu erzählen, wie Fröhlich sagt. Deswegen begleitet die Doku auch Patienten und Personal in der Orthopädie, Chirurgie und Onkologie.

„SOS Großstadtklinik“: Doku zeigt trotz allem eine heile Krankenhauswelt

Obwohl es sich bei «SOS Großstadtklinik» um eine Dokumentation handelt, erinnern dramatische Musik und Aufnahmen in Zeitlupe der Protagonisten, wie sie mit wehenden Haaren und Kitteln durch die Gänge laufen, etwas an Serien wie «Grey‘s Anatomy» oder «In aller Freundschaft».

660 Stunden Rohmaterial hatte das Filmteam am Ende der Dreharbeiten im Frühjahr 2021 zusammen. Wie war es, sich als Ärztin oder Pflegerin bei der Arbeit filmen zu lassen und mehrere Stunden lang interviewt zu werden? «Das war schon präsent, aber ich erkläre auch sonst Studenten im OP, was ich mache», sagt Chirurgin Kraft. Die 63-jährige dreifache Mutter wollte mit der Doku Frauen Mut machen, dass man auch mit Kindern als Chefärztin arbeiten kann.

Die Kameras habe sie schnell ausgeblendet, sagt Pflegerin Mónica Rosende Evaristo. Die Doku sei ein Erfolg, aber Probleme wie den Mangel an Pflegekräften zeige sie nicht. «Aber es kommt rüber, dass Krankenschwester ein toller Job ist.»

«SOS Großstadtklinik» zeigt vor allem eine heile Krankenhauswelt: Ärzte und Pflegekräfte sind begeistert von ihren Jobs und haben viel Zeit für die Patienten. Kritische Töne sucht man aber vergebens. (von Vanessa Reiber, dpa).

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare