Händler schlagen Alarm

Corona-Kollaps: Lockerungen haben nicht den gewünschten Effekt auf Geschäft in Baden-Württemberg

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Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg werden schrittweise gelockert. Seit dem 4. Mai dürfen Geschäfte des Einzelhandels unter Auflagen wieder öffnen. Eine Blitzumfrage hat jetzt ergeben: Den Händlern hat das bisher nicht viel genützt.

  • Bereits ab 20. April durften Geschäfte mit einer Ladenfläche bis 800 Quadratmeter trotz Coronavirus in Baden-Württemberg wieder öffnen.
  • Am 4. Mai folgte eine weitere Lockerung, nach der auch größere Geschäfte wieder öffnen durften.
  • Die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart hat in einer Blitzumfrage Händler über ihre Situation befragt - mit ernüchterndem Ergebnis.

Stuttgart - Die Menschen gehen inzwischen trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg wieder einkaufen. Allerdings ist laut einer Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart (IHK) der große Ansturm auf die Innenstädte bislang ausgeblieben.

Die Ergebnisse veröffentlichte die IHK am Dienstag in einer Pressemitteilung. Bereits Anfang Mai hatte eine Umfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg zum Coronavirus ergeben, dass fast 50 Prozent der befragten Händler eine dauerhafte Schließung für möglich halten.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Händler fürchten Personalabbau

In der Umfrage der IHK äußerte jetzt mehr als ein Drittel der Befragten die Befürchtung, aufgrund des Coronavirus in Baden-Württemberg Personal abbauen zu müssen. An der Befragung nahmen insgesamt 39 Einzel- und 41 Großhändler aus der Region Stuttgart teil. „Die Corona-Krise dämpft das Interesse und die Freude am Einkaufen bei vielen Kunden“, erklärte IHK-Präsidentin Marjoke Breuning im Rahmen der Pressemitteilung.

Obwohl die Geschäfte trotz Coronavirus in Baden-Württemberg seit Mai wieder öffnen dürfen, registrierten fast 90 Prozent der Einzelhändler weniger Nachfrage. 74 Prozent gaben in der Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer sogar an, die Kundschaft habe um die Hälfte abgenommen.

Coronavirus - Stuttgart

Wie geht es für den Einzelhandel in Baden-Württemberg nach der Corona-Krise weiter?

Das Coronavirus trifft die Wirtschaft in Baden-Württemberg hart. Durch die geringere Kundenanzahl, den Stillstand und die damit entgangenen Umsatzerlöse würden laut IHK über 72 Prozent der Betriebe im Einzelhandel einen Eigenkapitalrückgang wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg verzeichnen. 82 Prozent der Einzelhandelsbetriebe gehen für dieses Jahr von zweistelligen Umsatzeinbußen aus.

Das Land Baden-Württemberg will kleinen und mittleren Unternehmen deshalb mit einem Beteiligungsfonds helfen und sich mit mindestens 800.000 Euro an betroffenen Unternehmen beteiligen. „Viele Innenstädte sind wie leergefegt. Wenn die Kunden weiter ausbleiben, laufen wir Gefahr, dass die Einkaufsstraßen auch nach der Corona-Krise nicht mehr so wie früher frequentiert werden“, fürchtet Marjoke Breuning. Mehr als jeder zweite Betrieb rechne damit, frühestens im Jahr 2021 zum Normalzustand der Vorkrisenzeit zurückkehren zu können.

Wegen des Coronavirus in Baden-Württemberg sind auch Großhändler in Schwierigkeiten

Im Gegensatz zum Einzelhandel konnten Großhandelsbetriebe trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg weiterarbeiten. Entsprechend brach die Nachfrage dort nicht ganz so extrem ein. 71 Prozent der Befragten Großhändler klagten aber ebenfalls über eine geringere Nachfrage. Ein weiteres Problem seien logistische Engpässe wegen der Corona-Krise. Etwa 30 Prozent der befragten Großhandelsbetriebe berichteten von fehlenden Waren in der Region Stuttgart.

„Für alle Branchen ist es wichtig, dass globale Lieferketten wieder anlaufen und funktionieren“, betonte Marjoke Breuning in der Pressemitteilung der IHK. Gemeinsam mit dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Baden-Württemberg habe die Industrie- und Handelskammer daher eine Kontaktstelle eingerichtet, um Unternehmen bei Problemen mit ihren Lieferketten zu helfen.

Ab dem 1. Juli werden die Corona-Verordnungen weiter gelockert. Beispielsweise sind Wettkämpfe mit Körperkontakt wieder erlaubt und auch zuschauen ist wieder möglich, jedoch nur bis 100 Personen. Die Verordnungen ändern sich jedoch nicht vollständig, die Grundregeln bleiben bestehen.

Rubriklistenbild: © dpa / Sebastian Gollnow

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