Fall George Floyd

„Black lives matter“-Demos in Baden-Württemberg lassen die Corona-Proteste kläglich aussehen

Männer demonstrieren mit erhobenen Fäusten gegen Rassismus und Hass.
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„Black lives Matter“: Demonstrationen in Baden-Württemberg (Symbolbild).
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd demonstrieren Menschen weltweit gegen Rassismus. Auch in Baden-Württemberg und Stuttgart versammelten sich Tausende zu friedlichen Demos.

  • Seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd ist die Bewegung „Black lives matter" auch in Baden-Württemberg angekommen.
  • In der Landeshauptstadt Stuttgart (BW24* berichtete) und anderen Städten demonstrierten weit über 10.000 Menschen gegen Rassismus und Hass.
  • Die Teilnehmerzahl der Demonstrationen in Baden-Württemberg überschritten die angekündigten Zahlen teilweise um ein Vielfaches.

Stuttgart - Am Wochenende versammelten sich im Rahmen der Bewegung „Black lives matter“ Tausende zu Anti-Rassismus-Demonstrationen in Baden-Württemberg. Der gewaltsame Tod des afroamerikanischen George Floyd hatte eine Welle der Empörung ausgelöst - auch in der Landeshauptstadt Stuttgart. So besprühten Unbekannte ein Parkhaus in Stuttgart zum Gedenken mit einem George-Floyd-Graffiti.

In Stuttgart und anderen Städten in Baden-Württemberg kamen am Samstag Tausende Menschen mehr zu den Anti-Rassismus-Demos, als zuvor angekündigt waren. Die „Black lives matter“-Proteste stellten damit die Corona-Demos in den Schatten, die derzeit jedes Wochenende in Baden-Württemberg stattfinden. Zur größten Demonstration gegen die Corona-Verordnung im Bundesland, die diesmal in Leonberg stattfand, kamen am Sonntag nur etwa 1.500 Menschen.

„Black lives matter“: Demonstrationen in Stuttgart und Baden-Württemberg als stiller Protest

Die Veranstalter kündigten die Anti-Rassismus-Demonstrationen in Baden-Württemberg ursprünglich als „Silent Demos“ an. Geplant war, die stillen Demonstrationen ganz ohne Reden, Parolen und Musik durchzuführen und nur mit Transparenten und Körpersprache auf Rassismus aufmerksam zu machen. Die Proteste unter den Mottos „Black lives matter“ (Schwarze Leben zählen) und „Justice for George Floyd“ (Gerechtigkeit für George Floyd) liefen jedoch nicht still ab.

Auslöser für die Demonstrationen in Baden-Württemberg war der gewaltsame Tod von George Floyd. Der Afroamerikaner starb am 25. Mai 2020 in den USA, nachdem ein Polizist minutenlang auf seinem Hals gekniet hatte. Entgegen der ursprünglichen Ankündigungen gab es bei der „Black lives matter“-Demo in Stuttgart dann doch Reden, Musik und Protestrufe gegen Rassismus und Hass. Teilnehmer der Demonstration zogen durch die Straßen der Landeshauptstadt.

„Black lives matter“: 22-Jährige aus Stuttgart startet in Baden-Württemberg riesige Bewegung

Die Demonstrationen in Baden-Württemberg nahmen ihren Anfang mit der Idee einer jungen Frau aus Stuttgart. Nadia Asiamah meldete die „Black lives matter“-Demo in der Landeshauptstadt an - geplant zunächst als „Silent Demo“. „Für mich war es nicht genug, wenn man auf Social Media postet. Man muss mehr dafür tun“, sagte die 22-Jährige der dpa. Anfangs suchte Asiamah nur etwa 20 Unterstützer. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass in Stuttgart deutlich mehr Menschen teilnehmen wollten. Die Stuttgarterin erhielt auch Unterstützung aus anderen Städten in Baden-Württemberg. Die Landeshauptstadt Stuttgart diente als Vorbild für die weiteren „Black lives matter“-Demonstrationen im Bundesland.

„Black Lives Matter“ in Stuttgart: Demos gehen auf die Idee der 22-jährigen Nadia Asiamah zurück

In Stuttgart selbst meldeten sich ursprünglich etwa 700 Menschen zu der Protestaktion unter dem Motto „Black lives matter“ an. Die Polizei Stuttgart* meldete jedoch Tausende Demonstranten auf dem Schlossplatz vor der Staatsoper. Auch in Mannheim überstieg die Zahl der Teilnehmer die angekündigte Menge um ein Vielfaches. Statt 1.000 Menschen nahmen etwa 6.000 an der Demonstration teil. In Karlsruhe demonstrierten knapp 3.000 Menschen unter dem Motto „Black lives matter“ und auch in anderen Städten in Baden-Württemberg gingen Tausende Menschen auf die Straße - etwa in Tübingen und Konstanz.

Rassismus in Stuttgart noch immer großes Problem: „Lange Serie von Diskriminierung“

Hinter „Black lives matter“ steht ein gesellschaftliches Problem, dass auch in Baden-Württemberg noch erschreckend aktuell ist: Alltäglicher Rassismus. „Ich stehe heute hier, weil der Traum von Martin Luther King nicht in Erfüllung gegangen ist“, sagte einer der Veranstalter, Lionel Njoya, in Stuttgart.

„[Der gewaltsame Tod von George Floyd, die rechtsextremen Taten in Halle und Hanau] sind Teil einer langen Serie von Diskriminierung, rechtem Terror und Rassismus. Ist es noch ein Einzelfall, wenn es ständig irgendwo passiert“, fragte Njoya. Ihm begegne Rassismus im Zug, in den Medien, im Urlaub oder auch im Fitnessstudio. „Wann seht ihr mich endlich als Subjekt und nicht als Vertreter einer Gruppe an“, fragte Njoya weiter.

Stuttgart: Gruppierungen missbrauchen „Black Lives Matter“ und Demos als Anlass für Gewalt

In Stuttgart seien die Demonstrationen unter dem Motto „Black lives matter“ ein großes Anliegen für viele gewesen, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die Proteste verliefen jedoch nicht nur friedlich. Am Abend nach der eigentlichen Protestaktion kam es zu einigen Zwischenfällen. Einzelne Gruppierungen bewarfen die Polizei in Stuttgart mit Gegenständen und zündeten Pyrotechnik.

In Stuttgart kam es bereits an Pfingsten zu einem Vorfall, der mit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in Verbindung stand. Ein Polizei-Einsatz in der Stuttgarter Innenstadt eskalierte, als die Beamten einen 18-Jährigen mit dunkler Hautfarbe in Gewahrsam nehmen wollten.

Der Jugendliche soll zuvor bei der Polizei angerufen und eine Messerstecherei gemeldet haben. Später stellte sich heraus, dass der Anruf nur ein Scherz war. Als die Polizisten den 18-Jährigen in Stuttgart abführen wollten, wurden sie von einer wütenden Menschenmenge eingekreist. Ohne den Fall George Floyd wäre die Situation nicht derartig eskaliert, sagte ein Sprecher der Polizei zu BW24*.

*BW24 ist Teil des Ippen-Digital Redaktionsnetzwerks.

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