Rottenburg-Stuttgart

Bischof Fürst offen für politische Aufarbeitung der Missbrauchsfälle

Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart, redet an einem Pult.
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Gebhard Fürst, Bischof von Rottenburg-Stuttgart, setzt sich für die Aufklärung der Missbrauchsfälle ein.

Jahrelang wurde sexueller Missbrauch in Kirchen vertuscht. Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, setzt sich für die Aufklärung der Fälle ein.

Stuttgart (dpa/lsw) - Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, hat Zweifel daran durchblicken lassen, dass alle katholischen Oberhirten den Ernst ihrer Lage erkannt haben. Im SWR-Fernsehen zeigte er sich am Donnerstagabend offen für eine politische Kommission oder einen Ausschuss im Bundestag zur Aufarbeitung des Missbrauchskandals.

«Wir müssen sofort handeln», sagte Fürst. «Es muss sofort aufgeklärt werden.» Die Kirche sei in ihrer größten Krise seit Jahrhunderten. Auf die Frage: «Ist denn der Groschen auch bei Ihren Bischofskollegen diesbezüglich gefallen?» antwortete Fürst: «Ich habe den Eindruck: bei einigen schon.»

Zu einer stärkeren Einbeziehung des Parlaments oder der Regierung sagte der Bischof: «Ich bin offen für alles, was dieser schrecklichen Dimension des Missbrauchs in der Kirche, auch in der Gesellschaft, ein Ende macht.»

Zuletzt hat auch ein vom Erzbistum München und Freising in Auftrag gegebenes Gutachten ergeben, dass Fälle von sexuellem Missbrauch über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt worden waren. Die Gutachter gehen allein im Erzbistum von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern aus - und von einer deutlich größeren Dunkelziffer. Auch dem emeritierten Papst Benedikt XVI. wird Fehlverhalten während seiner Zeit als Erzbischof bescheinigt.

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