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Bahnchaos in Stuttgart: Bahn muss in ganz Deutschland nach Ersatzteilen suchen

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Von: Nadja Pohr

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Oberleitungsschaden am Stuttgarter Hauptbahnhof
Nach dem Kurzschluss einer Oberleitung arbeitet die Bahn mit Hochdruck an der Reparatur - und muss dafür in ganz Deutschland nach Ersatzteilen suchen. © Christoph Schmidt/dpa

Der Schaden an der Oberleitung am Stuttgarter Hauptbahnhof entstand wohl durch einen Vogel. Das zeigt, dass die Bahn viel Nachholbedarf hat - jedoch auch bei der Technik.

Stuttgart - Eine kaputte Oberleitung sorgte für ein regelrechtes Bahnchaos am Hauptbahnhof in Stuttgart. Im Netz gab es daraufhin zahlreiche wütende Reaktionen von Reisenden, die das Verhalten der Deutschen Bahn nach dem Debakel scharf verurteilten. Immerhin scheint nun die Ursache für den Schaden gefunden worden zu sein: Ein Vogel soll sich in der Oberleitung verfangen haben.

Laut Angaben einer Bahnsprecherin habe ein Vogelschlag den Kurzschluss in Stuttgart ausgelöst. Das Tier hat dabei eine Kette der Verwüstung ausgelöst. Denn durch das Verfangen soll die Hochspannungsleitung gerissen und auf ein Signal gefallen sein - und dieses war nicht geerdet. Daraufhin wurde ein Stromimpuls weitergeleitet und zerstörte einen Kabelschrank sowie Verbindungen, mit denen Stellwerke, Weichen oder andere Signale angesteuert werden. Die Bahn arbeitet seit Samstag an der Reparatur der Oberleitung, die sich aufgrund veralteter Technik nicht so leicht gestaltet.

Deutsche Bahn muss in ganz Deutschland nach Ersatzteilen für Schaden in Stuttgart suchen

Mittlerweile ist der Hauptbahnhof Stuttgart für Fern- und Nahverkehr wieder zu erreichen. Man arbeite mit Hochdruck an der Reparatur, teilte die Deutsche Bahn mit. Sämtliche Instandhalter der Bahn aus dem ganzen Großraum seien in die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg angereist. Wie der SWR berichtet, steht man bei der Reparatur jedoch vor einer größeren Herausforderung, denn der kaputte Schaltkasten stammt zum Teil aus den 1970er-Jahren. Nun müsse man in ganz Deutschland nach passenden Ersatzteilen suchen.

Für die veraltete Technik hagelt es Unverständnis in den sozialen Medien. „Der Bahnknoten Stuttgart ist kurz vor dem Infarkt. Weil dringend benötigte Ersatzteile Museumswert haben sollen“, schreibt die Kontext-Wochenzeitung. „An jeder Provinzstation mit Vogelsitzdraht überm Gleis ist alles geerdet. Aber im Stuttgart Hauptbahnhof gibt es ein Signal ohne Erdung? Also ist die DB selten naiv oder selten faul“, äußert ein anderer.

Für amüsierte Kommentare sorgt hingegen der beschuldigte Vogel. „Gibt es wieder Flugsaurier?“, fragt sich ein Facebook-Nutzer. „Der arme Vogel! Immer bekommt der kleinste, der letzte in der Kette die größte Schuld“, scherzt ein weiterer User. Auch Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wundert sich über die Ausmaße durch den Vogel „Was ist das für ein System, das ein Vogel so in die Knie zwingt, dass ein ganzer Knoten platzt und nicht mehr funktioniert.“

Kritik von Naturschutzbund: Bahn hat in Stuttgart Nachholbedarf

Sollte sich die Vermutung mit dem Vogel bestätigen, zeige der Vorfall, dass die Bahn Nachholbedarf bei der Isolierung von Freileitungen habe, kritisierte der Landesvorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu) Baden-Württemberg, Johannes Enssle. „Die Technik ist vorhanden, man muss es nur machen“, sagt er.

Dass die Sanierung der Technik in Stuttgart vernachlässigt wurde, hängt wohl auch mit dem Großprojekt Stuttgart 21 zusammen. Michael Theurer (FDP), der Schienenbeauftragte der Bundesregierung, habe im Hinblick dessen Verständnis für das Versäumnis. „Es gibt vielleicht auch gute Gründe, dass die Deutsche Bahn, die ja hier als eigenwirtschaftliches Projekt einen Tiefbahnhof baut, vielleicht jetzt nicht mehr hohe Summen in eine komplette Modernisierung ihrer Stellwerke und Signaltechnik investiert. Das würde ja auch Kritik auslösen“, argumentiert Theurer.

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