„Regionales Bestandsmanagement“

Ministerin fordert: Mehr Wölfe sollen abgeschossen werden

  • Valentin Betz
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Der Wolf ist auch in Baden-Württemberg wieder heimisch. Immer öfter werden Tiere gesichtet. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will deren Abschuss jetzt jedoch bundesweit erleichtern.

Stuttgart - Für Naturschützer gibt es wohl kaum einen besseren Nachweis für eine intakte Natur, als die Rückkehr des Wolfes. In Deutschland gibt es inzwischen laut Bundesamt für Naturschutz wieder 128 Rudel (Stand Monitoringjahr 2019/2020). Auch durch Baden-Württemberg streifen die scheuen Raubtiere wieder. Selbst der Region Stuttgart kommt der Wolf immer näher.

Allerdings ist Baden-Württemberg kein Hotspot was die Anzahl der dort lebenden Wölfe angeht. Laut Bundesamt für Naturschutz konzentriert sich das Wolfsvorkommen hauptsächlich auf das Gebiet von Sachsen über Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.

Wie SWR3 berichtet, geht es dem Wolf dort stellenweise wohl schon wieder zu gut. Findet zumindest Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner. Sie wiill deshalb härter mit den Raubtieren umgehen. „Der gute Erhaltungszustand beim Wolf ist in einigen Bundesländern, darunter Niedersachsen, erreicht. Deswegen setzen wir uns für ein regionales Bestandsmanagement ein“, so Klöckner. In Klartext bedeutet das: Künftig soll es einfacher sein, Wölfe abzuschießen.

Wolf in Baden-Württemberg: Gesetze für Abschuss wurden bereits angepasst

Dabei wurde das Bundesnaturschutzgesetz von der Bundesregierung erst 2019 angepasst - und damit verschärft. Denn durch die Anpassung ist es seitdem erlaubt, bei einem Nutztierriss so lange Wölfe abzuschießen, bis keine Angriffe auf Nutztiere mehr vorkommen. Dadurch dürften theoretisch ganze Wolfsrudel getötet werden, solange die zuständige Landesbehörde es genehmigt.

Selbst diese Verschärfung reicht Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner offenbar nicht aus. „Das habe ich von Anfang an gesagt, aber mit der SPD in der Regierung ging nichts mehr“, so Klöckner. Anlass für die Forderung der Bundeslandwirtschaftsministerin sind wohl auch die zunehmenden Konflikte zwischen Wölfen und Nutztierhaltern. Allein 2019 habe es durch Wolfsrisse fast 3.000 tote oder verletze Nutztiere gegeben. Die Nutztierhalter werden in ausgewiesenen Wolfsgebieten zwar entschädigt, die Kosten für den Staat sind damit aber nicht unwesentlich.

Baden-Württemberg: Wölfe im Südwesten wohl vorerst noch sicher

Der Wolf in Baden-Württemberg dürfte von den Überlegungen der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Glöckner vorerst eher wenig betroffen sein. Zwar ist unlängst ein neuer Wolf im Schwarzwald aufgetaucht. Sesshaft werden hierzulande aber nur wenige Tiere.

Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf geht aktuell von drei Wolfsterritorien in Baden-Württemberg aus. Alle Territorien werden allerdings von Einzeltieren beansprucht. Von Rudeln und großen Populationen ist der Südwesten also noch ein ganzes Stück entfernt.

Wie viele Wölfe darüber hinaus durch Baden-Württemberg streifen, ist schwer zu sagen. Der NABU Baden-Württemberg listet derzeit (Stand März 2021) neben den drei sesshaften Raubtieren acht weitere Wölfe, wobei vier überfahren beziehungsweise getötet wurden. Insgesamt sind durch die Wölfe in Baden-Württemberg 87 Nutztierrisse bestätigt.

Rubriklistenbild: © Klaus-Dietmar Gabbert

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