„Das würde uns sicher nicht überlasten"

Baden-Württemberg will mehr Flüchtlinge aus Moria aufnehmen, als von Bundesregierung gefordert

Das neue provisorische Camp in der Nähe von Mytilini. Das Flüchtlingslager Moria war am Mittwoch nach Unruhen und Brandstiftungen fast völlig abgebrannt. Über Nacht wurden dadurch rund 12.000 Menschen obdachlos. Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa
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Das neue provisorische Camp in der Nähe von Mytilini. Das Flüchtlingslager Moria war am Mittwoch nach Unruhen und Brandstiftungen fast völlig abgebrannt. Über Nacht wurden dadurch rund 12.000 Menschen obdachlos. Foto: Petros Giannakouris/AP/dpa
  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
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Die Situation der Flüchtlinge im Lager Moria auf Lesbos führte zu Diskussionen in Deutschland - auch in Baden-Württemberg. Das Land will mehr Flüchtlinge aufnehmen, als die Bundesregierung zunächst vorgesehen hatte.

Stuttgart - Nach den verheerenden Bränden im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos kündigte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) im Namen von Baden-Württemberg an, Hilfe leisten zu wollen. Man wolle „nicht weiter tatenlos zusehen“ und Flüchtlinge aus Moria aufnehmen, ließ der Regierungschef über den Twitter-Account der Landesregierung verkünden. Wie viele Flüchtlinge das Land aufnehmen werde oder könne, stand bislang nicht fest.

Winfried Kretschmann richtete nach dem Brand in Moria einen Appell an die Bundesregierung in Berlin und forderte die Aufstockung des Flüchtlingskontingents. Auch Fritz Kuhn (Grüne), der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart, kündigte an, Flüchtlinge aufnehmen zu wollen, wenn der Bund dazu bereit sei.

Baden-Württemberg: Verteilung von Flüchtlingen auf Stadt- und Landkreise

Die zögerliche Herangehensweise des OB stieß bei Teilen der Bevölkerung auf Unverständnis. Hunderte Menschen versammelten sich nach der Ankündigung von Winfried Kretschmann in Stuttgart. Sie kritisierten die europäische Flüchtlingspolitik und forderten zum schnelleren Handeln auf. „Wie lange wollen wir noch warten?“, fragte eine Sprecherin des Vereins „Just Human" laut der Stuttgarter Zeitung (StZ) am vergangenen Mittwoch.

Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) sprach sich nun dafür aus, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, als ursprünglich geplant. Das berichteten die Stuttgarter Nachrichten (StN) am Freitag. Im Rahmen der Initiative „Seebrücke“ erklärten sich bereits einige Städte zu „Sichereren Häfen“. Beteiligt sind auch Großstädte in Baden-Württemberg, darunter Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, der Kreis Konstanz und die Landeshauptstadt Stuttgart. Man plane, die Geflüchteten auf alle Stadt- und Landkreise zu verteilen, teilte das Ministerium nach Angaben der StN mit.

Baden-Württemberg: Deutschland will mehr Flüchtlinge aufnehmen - nicht nur aus Moria

Das Land Baden-Württemberg hatte bereits im Vorfeld angekündigt, 50 Flüchtlinge aus griechischen Camps aufnehmen zu wollen. Das Innenministerium könne sich auch mehr vorstellen, berichteten die StN. Wenn Deutschland nach dem verheerenden Brand auf Lesbos beispielsweise 1.000 Menschen aufnehmen wolle, würden rund 140 Flüchtlinge nach Baden-Württemberg kommen. „Das würde uns ganz sicher nicht überlasten“, sagte Strobl am Freitag nach Angaben der StN.

Deutschland plane jedoch nicht nur, Flüchtlinge aus Moria ins Land zu holen, auch weitere Menschen aus Lagern in Griechenland seien willkommen. Der Bund erklärte sich bereit, rund 900 Flüchtlinge, darunter 243 kranke und behandlungsbedürftige Kinder, aus den stark überfüllten Camps zu holen. Nach Angaben der StN habe Baden-Württemberg bereits neun Menschen aufgenommen, weitere 41 sollen folgen. Bislang sind Flüchtlinge aus Griechenland mit vier Flügen in die Bundesrepublik gebracht worden, ein weiterer Flug ist für Mitte September angesetzt.

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