Notsituation auf Lesbos

„Nicht weiter tatenlos zusehen“: Kretschmann will Flüchtlinge aus Moria aufnehmen

  • Julian Baumann
    vonJulian Baumann
    schließen

Nach den verheerenden Bränden und der großflächigen Zerstörung im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos will auch Baden-Württemberg Flüchtlinge aufnehmen - das verkündete Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf Twitter.

Stuttgart - Das Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos in Griechenland ist in der Nacht auf Mittwoch durch einen verheerenden Brand nahezu vollständig zerstört worden. Das Lager ist auf 2.800 Personen ausgelegt. Vor dem Brand lebten jedoch bis zu 13.000 Bewohner in Moria. Baden-Württemberg und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) haben ihre Unterstützung zugesichert. Der Regierungschef verkündete die Absicht am Mittwoch über den Kurznachrichtendienst Twitter.

„Es ist für mich keine Frage, dass Deutschland helfen muss. Wie schon in der Vergangenheit ist Baden-Württemberg auch jetzt bereit, im Rahmen eines deutschen Hilfsprogramms Hilfe zu leisten und Verantwortung zu übernehmen“, schrieb Winfried Kretschmann. Die Bereitschaft des Landes, Flüchtlinge aufzunehmen, ist schon seit Langem bekannt. Der Ministerpräsident setzte sich beispielsweise für geflüchtete Frauen aus dem Irak ein. Bekanntes Beispiel: Die Aktivisten Nadia Murat, die als Sklavin vom IS missbraucht wurde, sieht Baden-Württemberg als ihre Heimat.

Baden-Württemberg: Kretschmann fordert Bundesregierung auf, ihr Aufnahmekontingent aufzustocken

Baden-Württemberg ist bereit, Menschen aus dem griechischen Flüchtlingslager aufzunehmen. Winfried Kretschmann fordert die Bundesregierung auf, ihr Aufnahmekontingent aufzustocken, wie das SWR berichtet. Auch weitere Politiker der Grünen-Partei appellieren an die Regierung. Fritz Kuhn (Grüne), der Oberbürgermeister von Stuttgart, forderte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) auf, den Menschen in Moria schnell und unmittelbar zu helfen. Laut Angaben des SWR sind allein in Baden-Württemberg 27 Kommunen bereit, Flüchtlinge aus Lesbos aufzunehmen. Bundesweit beteiligen sich über 170 Städte und Kommunen.

Innenminister Thomas Strobl (CDU) äußerte sich nach Angaben der BZ zurückhaltender über die Flüchtlingssituation als Winfried Kretschmann. Er verwies darauf, dass Baden-Württemberg bereits in der Vergangenheit die Aufnahme von 50 Flüchtlingen aus griechischen Lagern zugesichert habe.

Baden-Württemberg: Land will Flüchtlinge aus Moria aufnehmen - Kretschmann mit Forderung an die Bundesregierung.

Baden-Württemberg: Oberbürgermeister Fritz Kuhn - „Stuttgart bietet sicheren Hafen“

In einer Mitteilung vom Mittwoch erklärte OB Kuhn noch einmal die Absicht Baden-Württembergs und auch explizit der Stadt Stuttgart Flüchtlinge aus Moria aufzunehmen. „Nach allem, was wir über die Brände und die Situation der Flüchtlinge wissen, herrscht auf Lesbos höchste Not“, so Kuhn. Viele Städte erklärten sich im Rahmen der Initiative „Seebrücke“ bereit, Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen einen „sicheren Hafen zu bieten“. „Auch Stuttgart wird sich daran beteiligen, wenn der Bund angesichts der verheerenden Lage auf Lesbos Flüchtlinge von der Insel rettet und nach Deutschland holt.“ Erst kürzlich verschickten Linksextremisten Drohbriefe mit perfidem Inhalt an Winfried Kretschmann und Horst Seehofer.

Rubriklistenbild: © Socrates Baltagiannis/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare