ÖPNV-Ausbau

„Weg von der Auto-Fixierung“: Verkehrsminister will, dass Landbevölkerung auf Bus und Bahn umsteigt

Winfried Hermann, Grünenpolitiker und Verkehrsminister von Baden-Württemberg.
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Winfried Hermann, Grünenpolitiker und Verkehrsminister von Baden-Württemberg.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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In Baden-Württemberg sollen die Menschen auf dem Land in Zukunft besser an den Nahverkehr angebunden werden. Der Verkehrsminister legte jetzt einen konkreten Plan vor.

Stuttgart - Wer auf dem Land lebt, weiß, dass es nicht gerade einfach ist, auf sein Auto zu verzichten. Spontan in den Bus steigen und in die nächste Stadt fahren, ist aufgrund des mangelnden ÖPNV-Angebots oft nicht drin. Wenn es nach dem Verkehrsminister von Baden-Württemberg, Winfried Hermann (Grüne) geht, müssen die Menschen im ländlichen Raum jedoch auf lange Sicht weg von der „extremen Fixierung aufs Auto“. Das sagte der Minister vor kurzem in einem Online-Forum zur Verkehrswende.

Um der Landbevölkerung den Umstieg auf Bus und Bahn schmackhaft zu machen, hat sich die grün-schwarze Landesregierung in Stuttgart einiges einfallen lassen: Bis zum Jahr 2030 sollen doppelt so viele Menschen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren wie 2010. Ziel der Landesregierung ist es, dass im Jahr 2030 alle Orte im Südwesten von 5 Uhr früh bis Mitternacht mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sind. „Sonst wird es nicht gelingen, Baden-Württemberg bis 2040 klimaneutral zu machen“, erklärte Hermann laut Deutscher Presse Agentur (dpa).

Verkehrsminister fordert „Bewusstseinswandel“ der Landbevölkerung

Laut Hermann habe mehr als die Hälfte der Haushalte auf dem Land zwei oder mehr Autos. „Das ist einfach ein ziemlich hoher Standard“, sagt er. Durch einen engeren Takt für Busse und Bahnen, Carsharing und bessere Dorfentwicklung möchte er die Menschen in Zukunft unabhängiger vom Auto machen. Dazu sei neben dem Ausbau der Infrastruktur aber auch ein „Bewusstseinswandel“ bei den Menschen auf dem Land erforderlich. „Es ist nötig, dass wir die vielen Autos besser nutzen und zum Beispiel Mitfahr-Möglichkeiten verbessern.“

Um den Ausbau des Nahverkehrs finanziell zu fördern, plant die Landesregierung Bürgerabgaben für den ÖPNV. Die ÖPNV-Abgabe soll den Namen „Mobilitätspass“ tragen. Kommunen sollen in Zukunft entscheiden, ob sie alle Einwohner oder nur die Autofahrer zur Kasse bitten. Bei einem Modellversuch in vier Kommunen waren Monatsbeiträge von 10 bis 57 Euro im Gespräch. Das Land rechnet damit, dass mit der Abgabe 800 Millionen Euro in die kommunalen Kassen gespült werden könnten. Das würde den Kommunen wiederum ermöglichen, Tickets für Bus und Bahn günstiger anzubieten.

„Mobilitätspass“: Modellregionen testen die Nahverkehrsabgaben

Schon jetzt will das Land den Mobilitätspass in verschiedenen Kommunen testen. 15 Regionen haben sich als Modellkommune beworben: Der Kreis Biberach, der Kreis Calw, die Stadt Freiburg, der Landkreis und die Stadt Karlsruhe, der Ortenaukreis, die Stadt Offenburg, der Ostalbkreis, die Stadt Reutlingen, der Rhein-Neckar-Kreis sowie der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart. Letzterer steht stellvertretend für die Kreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg, Rems-Murr und die Landeshauptstadt Stuttgart. Wer zum Zug kommt, soll demnächst entschieden werden.

Winfried Hermann erklärte, dass die Landesregierung es bis 2026 schaffen wolle, dass im ländlichen Raum in den Hauptverkehrszeiten der Halbstundentakt gilt, im Ballungsraum der Viertelstundentakt.

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