Explodierende Bestände

Jäger töten 75.000 Wildschweine in Baden-Württemberg, um Seuche aufzuhalten

  • Valentin Betz
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Wildschweine breiten sich in Baden-Württemberg rasant aus. Das ist vor allem wegen der Afrikanischen Schweinepest ein Problem. Jäger müssen deshalb immer häufiger eingreifen.

Stuttgart - Nach Angaben des Landwirtschaftlichen Zentrums Baden-Württemberg (LAZ) breitet sich das Wildschwein seit Jahren explosionsartig aus. Was für Naturfreunde nach einer guten Nachricht klingt, ist für viele andere Bereiche ein massives Problem.

Wildschweine fühlen sich in Menschennähe offenbar sehr wohl. Konflikte in Siedlungen oder durch Verkehrsunfälle sind dabei noch eher harmlos. Gravierender sind die wirtschaftlichen Schäden: Wildschweine vernichten regelmäßig ganze Felder. Ein anderes Problem ist außerdem die Afrikanische Schweinepest, die sich in Deutschland ausbreitet.

Die Lösung könnte ein anderes Wildtier sein. Zuletzt hinterließ ein Wolf im Neckar-Odenwald-Kreis eine blutige Spur. Allerdings hatte es das Raubtier nur auf Schafe und ein Reh abgesehen, auch wenn Wildschweine laut LAZ zur natürlichen Beute des Wolfes gehören. Auch im Schwarzwald gibt es inzwischen wieder Wölfe. Doch mit ausgewachsenen Wildschweinen nehmen es Wölfe ungern auf. Deshalb ist nach wie vor der Jäger Wildschwein-Feind Nr. 1.

Wildschweine in Baden-Württemberg: Mehrere Faktoren sorgen für Explosion der Bestände

Die Zahl der jährlich durch Jäger erlegten Wildschweine ist dabei auch immer ein Maßstab für die Gesamtbestände - die nach wie vor stetig ansteigen. „Seit Jahren gelingt es nicht, das gesteckte Bejagungsziel zu erreichen und den drastischen Populationstrend zu stoppen“, schreibt das LAZ deshalb.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen fühlt sich das Wildschwein in unserer Kulturlandschaft sehr wohl. Zum anderen haben die Tiere durch den Klimawandel ein besseres Nahrungsangebot, werden dadurch schneller geschlechtsreif und vermehren sich rasanter. Mildere Winter in Baden-Württemberg reichen zudem nicht aus, um die Wildschweine durch natürliche Tode zu dezimieren.

In Baden-Württemberg ist die Afrikanische Schweinepest noch nicht angekommen. Damit das so bleibt, schießen Jäger jedes Jahr tausende Wildschweine.

Eine hohe Dichte der Wildschweinbestände heißt aber auch: Tierseuchen wie die Afrikanische Schweinepest können sich rasant ausbreiten. Die Krankheit ist zwar für den Menschen ungefährlich, kann aber auch Hausschweine befallen. Für unsere Landwirtschaft, in der Schweine häufig dicht gedrängt in Massentierhaltung gezüchtet werden, könnte ein Ausbruch dramatische Folgen haben.

Jagd auf Wildschweine in Baden-Württemberg: Jäger erlegen zusehends mehr Tiere

In Baden-Württemberg wurden bislang zwar noch keine Fälle der Afrikanischen Schweinepest gemeldet. Damit das auch so bleibt, sind Jäger aber nach wie vor ein wichtiger Faktor zur Kontrolle der Bestände. Laut Jagdstatistik wurden im abgelaufenen Jagdjahr 2019/20 in Baden-Württemberg alleine 75.000 Wildschweine geschossen.

Seit Beginn der Aufzeichnungen Mitte der 1950er-Jahre ist das laut Agrarministerium das zweithöchste Ergebnis. Nur in im Jagdjahr 2017/18 schossen die Jäger in Baden-Württemberg mit über 78.000 mehr Wildschweine. Die Zahl der Abschüsse veranschaulicht, wie extrem sich die Bestände im Laufe der Zeit entwickelt haben. 1985/86 hatten Jäger in Baden-Württemberg lediglich etwas über 7.000 Wildschweine erlegt.

In die Jagdstatistik fließen nicht nur von Jägern geschossene Tiere mit ein, sondern auch die überfahrenen oder natürlich verendeten Wildschweine. Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk warnte anlässlich der Statistik erneut vor der Afrikanischen Schweinepest. „Je geringer die Population ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit einer Infektionsübertragung von Tier zu Tier“, so Peter Hauk.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Jens Büttner/ZB/dpa

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