Werbekampagne für Fachkräfte

Baden-Württemberg: „The Länd“-Kampagne sorgt für Empörung - „Ihr seid nicht ganz dicht“

Winfried Kretschmann steht bei der Präsentation einer Werbekampagne für das Land Baden-Württemberg mit dem Titel „The Länd“ im Hafen von Stuttgart vor einem Plakat mit der Aufschrift „The Länd“.
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Die Werbekampagne „The Länd“ soll Fachkräfte nach Baden-Württemberg locken, erntet im Netz jedoch viel Spott.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Am Freitag wurde in Stuttgart die neue Werbekampagne „The Länd“ enthüllt. Baden-Württemberg will damit Fachkräfte anlocken - erntet im Netz jedoch Spott.

Stuttgart - „Nett hier, aber waren Sie schon mal in Baden-Württemberg?“, lautete eine Kampagne der Landesregierung, die vor rund zwei Jahren Aufsehen erregte. In den vergangenen Tagen tauchten im ganzen Land an verschiedenen Orten Schriftzüge mit dem Slogan „Willkommen in the Länd“ auf gelbem Hintergrund auf. Ein Reiserückkehrer entdeckte ein solches Schild beispielsweise am Flughafen Stuttgart, wie er auf Twitter schrieb und auch am Hauptbahnbahnhof Stuttgart und an den meisten Stadtbahn-Haltestellen in der Landeshauptstadt sind solche Slogans zu finden.

Am vergangenen Freitag wurde der Hintergrund der rätselhaften Slogans und Werbekampagne offiziell in Stuttgart enthüllt. Bei der Pressekonferenz waren unter anderem Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Daimler-Chef Ola Källenius vor Ort. Letztendlich handelt es sich bei der Aktion um eine groß angelegte Werbekampagne, um Fachkräfte aus aller Welt in den Südwesten zu locken. Deshalb auch die vermeintlich englische Schreibweise „The Länd“. In den sozialen Netzwerken sind die Nutzer allerdings weniger von der Kampagne überzeugt.

„The Länd“: Baden-Württembergs Werbekampagne trifft auf Spott - „man kann sich auch billiger blamieren“

Baden-Württemberg wird im Volksmund als „Ländle“ bezeichnet, die Entscheidung aus dem Wirtschaftsstandort „The Länd“ zu machen, trifft im Netz jedoch auf wenig Verständnis. „Nur so aus Neugier, gab es ein Gremium oder eine Umfrage über den Namen?“, fragt ein Nutzer auf Twitter. „Man kann sich auch billiger blamieren“, kommentiert ein weiterer. „Und das unter einem grünen Ministerpräsidenten, unfassbar.“ Insgesamt zielen viele Kommentare darauf ab, dass die mutmaßlich für die Kampagne eingesetzten Steuergelder aktuell auch deutlich effektiver eingesetzt werden könnten.

„Ihr seid wirklich nicht mehr ganz dicht, das Geld des Steuerzahlers so aus dem Fenster zu werfen“, schreibt ein Nutzer. „Marode Schulen, flaschensammelnde Rentner, eine durch die Corona-Maßnahmen gebeutelte Gesellschaft und ihr habt nichts besseres zu tun?“. Solche Kommentare finden sich unter dem Twitter-Post des Landes häufig. „Welcome to the Länd in dem zigtausend Lährer, Ärzieher, Pflägekräfte fehlen, aber immer ein paar Millionen Euro für eine Wärbekampagne übrig sind, die von ein paar Typen mit zu viel Kokäin im Blut gemacht wurde“, macht sich ein Nutzer auch über die Schreibweise „The Länd“ lustig.

„Schreckliche Optik, absolute Inhaltsleere“: Nutzer zerpflücken Werbekampagne „The Länd“

Die vorherige Werbekampagne von Baden-Württemberg mit dem Slogan „Wir können alles, außer Hochdeutsch“ wurde unter dem damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel (CDU) initiiert, erlangte jedoch erst vor rund zwei Jahren durch eine umfassende Stickerkampagne weite Verbreitung. Die neue Kampagne kommt dagegen im Netz weniger gut an. „Ich frage mich, woran das liegt“, schreibt ein Twitter-Nutzer. „An der schrecklichen Optik, der absoluten Inhaltsleere oder der Tatsache, dass die Bevölkerung sogar noch bessere Ideen für 21 Millionen Steuergelder gehabt hätte?“.

Andere Nutzer sind der Meinung, dass die Kampagne die Fachkräfte eher abschreckt, als sie anzulocken. „Absolut cringe und unlustig diese Boomer Kampagne“, kommentiert eine Nutzerin. „Das Geld hätte man in so viel Sinnvolleres stecken können, es gibt genügend dringende Baustellen in Baden-Württemberg.“ Manche Nutzer bewerten den Namen der Kampagne jedoch auch als Ironie, die bereits bei „Wir können alles, außer Hochdeutsch“ gut ankam. „Finde ich irgendwie sympathisch. ‚The Länd‘ ist halt für den eher angelsächsisch gestimmten Teil des Globus, der ‚Ländle‘ nicht so gut aussprechen kann.“

Das Land Baden-Württemberg selbst zeigt sich ebenfalls von ihrer Werbekampagne überzeugt und kommentiert zu einer Frage, ob das Jugendwort 2021 („cringe“ Anm.d.Red.) wohl besonders gern in „The Länd“ benutzt werde mit: „Wir werden das Jugendwort 2022 sein, ‚The Länd‘“, und fügt einen lachenden Emoji hinzu. Ob die Werbekampagne mit etwas Abstand doch so erfolgreich wird wie die vorangegangene, die zunächst auch belächelt wurde, wird sich zeigen. Manche Nutzer wollen aufgrund der Kampagne mit dem ganzen Land - beziehungsweise dem schwäbischen Teil - nichts mehr zu tun haben. „Wann wird Baden wieder eigenständig?“

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